Im Wrestling-Mekka Japan wurde er als Wiedergänger eines ganz Großen inszeniert. Doch ein tragisches Schicksal setzte seiner Karriere ein frühes Ende – und nun auch seinem Leben.

Joe Doering, früherer Topstar der Traditionsliga All Japan Pro Wrestling und zuletzt bei der US-Liga TNA aktiv, ist im Alter von nur 44 Jahren verstorben. Doering war zum dritten Mal an einem Gehirntumor erkrankt und hatte keine Überlebenschance mehr.

Joe Doering fand in Japan seine Nische

Der in Chicago geborene Doering war ein Schützling des früheren TNA-Präsidenten Scott D’Amore, seit Jahrzehnten Frontfigur der kanadischen Szene – zu der es von Doerings Heimatstaat Illinois aufgrund der räumlichen Nähe seit jeher viele Querverbindungen gibt.

In Nordamerika etablierte sich das rund zwei Meter große Schwergewicht zunächst nicht auf größerer Bühne, dafür weckte er das Interesse von AJPW, wo er im Herbst 2007 einen Vertrag unterschrieb.

Zu Beginn des Jahres 2008 feierte Doering seinen ersten großen Erfolg bei AJPW, als er an der Seite der Ikone Keiji Muto (The Great Muta) die Tag-Team-Titel der Liga errang. Die Regentschaft blieb allerdings eine kurze Episode – ebenso wie ein zwischenzeitliches Engagement bei WWE 2010. Doering wurde nach wenigen Monaten in der damaligen Farmliga FCW wieder entlassen, ohne je im Hauptkader aufgetaucht zu sein.

Doering kehrte zu AJPW zurück und bekam endgültig eine begehrte Rolle auf den Leib geschrieben: die als Erbe des legendären Stan „The Man“ Hansen, der mit seinem Image als knallharter Cowboy-Typ der womöglich populärste US-Export der japanischen Wrestling-Geschichte war.

Fortsetzung einer illustren Ahnenreihe

AJPW inszenierte Doering auf dieselbe Weise – und hievte ihn schließlich auch an die Spitze der Liga: Er gewann zweimal die prestigereiche „Triple Crown“, den World Title der Liga.

Doering war erst der sechste nicht aus Japan stammende Halter in der bald 40 Jahre langen Geschichte des Titels – nach Terry Gordy, Hansen, Steve „Dr. Death“ Williams, Big Van Vader und der in den USA geborenen Sumo-Legende Akebono. Doering setzte damit eine illustre Ahnenreihe fort – wenngleich AJPW zu seiner Zeit nicht mehr dieselbe Popularität und Geltung hatte wie zu früheren Zeiten.

Hansen ist nun tragischerweise der einzige aus der Sechserreihe, der nicht früh verstorben ist.

Wrestling-Szene nach Doerings Tod in Trauer

Zu Beginn des Jahres 2016 wurde bei Doering zum ersten Mal ein Gehirntumor diagnostiziert. Er überstand die Erkrankung und kehrte noch einmal in den Ring zurück: 2020 startete er ein neues Kapitel bei TNA (damals: Impact), wo er als Teil der Gruppierung Violent by Design um Eric Young zweimal die Tag-Team-Titel hielt.

Im August 2022 folgte die erneute Hiobsbotschaft: Der Krebs kam zurück – mit diesmal schlimmeren Folgen: Doering überstand zwar eine weitere OP, entwickelte allerdings eine Ataxie. Seine Bewegungskoordination war dauerhaft gestört, seine Ringkarriere vorbei.

Im November 2025 machte Doerings Schwägerin die Schreckensnachricht öffentlich, dass er zum dritten Mal mit einem Gehirntumor diagnostiziert worden war. Am Dienstag wurde die Wrestling-Öffentlichkeit mit der Meldung, dass Doering in Palliativbehandlung überführt werden musste, auf seinen nahenden Tod eingestimmt. Am Freitag verstarb er.

Der Tod Doerings – der in der Branche viele Freunde hatte und große Wertschätzung genoss – sorgte für große Bestürzung unter Kollegen. Zahlreiche Stars und Ligen drückten via Social Media ihre Trauer aus.

„Wir sind zutiefst betrübt, von Joe Doerings Tod zu erfahren“, schrieb TNA: „Er war ein beeindruckender Kämpfer im Ring und ein wunderbarer Mensch, er wird nie vergessen werden.“