FIS-Boss Johan Eliasch steht in der Kritik. Nachdem der Schweizer Marco Odermatt zuletzt öffentlich einen Rücktritt gefordert hatte, legten nun andere Topstars nach.

Unterstützung bekam Odermatt unter anderem von Landsmann und Olympiasieger Loic Meillard. Der 29-Jährige wünschte sich gegenüber dem Schweizer Blick „einen neuen Präsidenten, der weniger für sich und mehr für den Skisport tut“.

FIS-Präsident Johan Eliasch steht in der Kritik
FIS-Präsident Johan Eliasch steht in der KritikFIS-Präsident Johan Eliasch steht in der Kritik© IMAGO/GEPA pictures

Er habe zwar überhaupt kein Problem mit der Person Eliasch, merkte Meillard an, „aber als Präsident der FIS hat er nicht das gehalten, was er versprochen hat“.

Rekord-Weltcupsiegerin Mikaela Shiffrin äußerte sich ähnlich: „Viele von uns Athleten haben das Gefühl, dass die FIS und die derzeitige Führung einen erheblichen Mangel an Transparenz an den Tag gelegt haben.“ Sie sei keine Expertin auf organisatorischer Ebene, „ich bin jedoch der Meinung, dass Transparenz der Schlüssel ist“, fügte die US-Amerikanerin an.

FIS: Versprechungen nicht eingehalten

Bei seinem Amtsantritt 2021 hatte Eliasch unter anderem eine deutliche Anhebung der Preisgelder versprochen. „Gleich hohe Preisgelder wie im Tennis“, rief er damals als erklärtes Ziel aus.

Zu sehen war davon bisher allerdings wenig. Während der Sieger im Tennis bei den French Open aktuell 2,8 Millionen Euro Preisgeld erhält, gab es für Odermatt in der Rekordsaison 2023 über das ganze Jahr eine Million Euro.

Meillard beklagte sogar Verschlechterungen in der Vergütung: „Stattdessen wird nun das Preisgeld nicht mehr wie in der Vergangenheit in Franken, sondern in Euro ausbezahlt. Weil der Euro-Kurs schwächer ist als der Franken, ist das für uns kein gutes Geschäft.“

FIS-Konto wirft Fragen auf

Einen Sparkurs hat sich die FIS jedoch wohl nicht auferlegt. Ganz im Gegenteil: Bei Amtsantritt des 64-Jährigen lag der Kontostand des Verbands bei ca. 142 Millionen Euro. Fünf Jahre später sind es noch etwa 47 Millionen, wie der Blick berichtet.

Wo das Geld abgeblieben ist, kann sich auch Meillard nicht erklären: „Die Präparation der Weltcuppisten ist im Durchschnitt nicht besser geworden. Es ist auch nicht so, dass in sämtlichen Teamhotels hochwertigeres Essen serviert wird.“

Auch die Kommunikation mit der FIS sei laut Shiffrin mangelhaft: „Athleten werden oft dafür gescholten, dass sie ihre Sorgen und Frustrationen öffentlich äußern, aber wenn wir versuchen, direkt ‚über die richtigen Kanäle‘ zu kommunizieren, erhalten wir umständliche Antworten und falsche Versprechen.“

Umstrittenes Vorgehen von Eliasch

Für Eliasch kommt der Gegenwind zur Unzeit. Am 11. Juni wird die FIS-Spitze neu gewählt. Große Verbände wie Österreich oder die Schweiz kündigten bereits an, eine Wiederwahl Elischas verhindern zu wollen.

Rekord-Weltcupsiegerin Mikaela Shiffrin beklagte mangelnde Transparenz
Rekord-Weltcupsiegerin Mikaela Shiffrin beklagte mangelnde TransparenzRekord-Weltcupsiegerin Mikaela Shiffrin beklagte mangelnde Transparenz© IMAGO/NTB

Brisant: Die Verbandsstatuten sehen vor, dass der Präsidentschaftskandidat von seiner Heimatnation offiziell nominiert werden muss. Eliaschs Geburtsland Schweden verweigerte ihm allerdings die Unterstützung. England, das ihn bei den letzten Wahlen nominierte und dessen Staatsbürgerschaft er auch besitzt, setzt lieber auf die neue Chefin Victoria Gosling.

Was tun also, wenn die eigenen Nationen sich abwenden? Eliasch beantragte zu diesem Jahr den georgischen Reisepass und wird nun also für die Osteuropäer ins Rennen gehen. Dieses Vorgehen sorgt für Kritik.

Shiffrin äußerte abschließend ihre Hoffnung, „dass unabhängig davon, wer in Zukunft Präsident sein wird, diese Person den Athleten wirklich zur Seite steht und zeigt, dass sie unsere Leistungen durch Transparenz und Ehrlichkeit zu schätzen weiß“.