Interne Querelen und ein spektakulärer Rechtsstreit mit der ARD bewegen den Verband schon seit längerer Zeit – nun gibt es den nächsten großen Hauskrach im deutschen Eisschnelllauf.

Worum es diesmal geht: Langstreckler vom Olympiastützpunkt Erfurt, an dem auch Shootingstar Finn Sonnekalb trainiert, sollen bereits zum Juli nach Inzell wechseln, die Sprinter wiederum nach Berlin. Die Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) um den dominanten Präsidenten Matthias Große, Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin und derzeitigen Allround-Bundestrainerin Claudia Pechstein am Standort Inzell, übt nach Angaben des Erfurter Läufers Felix Maly abermals massiven Druck auf die Sportler aus.

Eisschnellläufer Maly: „Absolut kein Vertrauen mehr“

„Ich habe absolut gar kein Vertrauen mehr in die DESG-Spitze“, wird Maly – seit längerem ein Kritiker der aktuellen Führung – von der Nachrichtenagentur SID zitiert. Informiert wurden die Sportler demnach am 3. Juni, angeblich ohne sportfachliche Begründung.

„Auf die Frage nach den drohenden Konsequenzen wurde auf die Athletenvereinbarung verwiesen. Die wurde im Nachgang mit dem Ultimatum verschickt: Ihr habt jetzt knapp eine Woche Zeit, das zu unterschreiben – sonst steht eure Kaderzugehörigkeit auf dem Spiel“, erzählte Maly: „Die Angst ist natürlich da, dass man sofort seinen Kaderstatus verliert und damit seine Existenzgrundlage.“

Die Führung des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes e.V. forderte das DESG-Präsidium um Große im Zuge der neuerlichen Verwerfungen bereits zum Rücktritt auf, das Sportministerium der Thüringer Landesregierung wandte sich an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Auch Hendrik Dombek, deutscher Spitzen-Eisschnellläufer und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland, hatte sich eingeschaltet: „Athletinnen und Athleten dürfen nicht mit dem Verlust ihres Kaderstatus, ihrer Förderung oder ihrer beruflichen Absicherung unter Druck gesetzt werden. Solche Drohkulissen sind inakzeptabel und missachten jegliche Prinzipien guter Verbandsführung.“

Maly sieht sich und seine Teamkollegen dem Präsidium der DESG zunehmend hilflos ausgesetzt. Der 32-Jährige hofft auf einen Hebel durch das Sportfördergesetz, das noch vor der Sommerpause den Bundestag passieren soll.

DOSB und Ministerium reagieren

Der DOSB und das für den Sport zuständige Bundeskanzleramt verwiesen auf SID-Anfrage im Kern auf die im Grundgesetz verankerte Verbandsautonomie. „Wir nehmen die geschilderten Sachverhalte ernst und prüfen sie auf mögliche Regelverletzungen“, setzte der DOSB hinzu.

Von einer Sprecherin der Sportministerin Christiane Schenderlein (CDU) heißt es ebenfalls, man nehme die Kritik „ernst“. Man habe der DESG ferner „keinerlei Vorgaben zur Schließung von Stützpunkten gemacht, auch nicht den Stützpunkt Erfurt bzw. Chemnitz betreffend.“

Maly fordert Dachverband zum Handeln auf

Festgelegt ist allerdings, dass der Status als Olympiastützpunkt bedingt, dass an diesem auch Bundeskaderathleten trainieren. Dies wäre entsprechend nicht mehr der Fall, wenn diese nach Inzell oder Berlin wechseln. Die DESG ließ eine SID-Anfrage zu den Vorwürfen der Sportler, zuerst vorgebracht durch Hendrik Dombek beim MDR, zunächst unbeantwortet.

Maly will sich trotz der Existenzangst und der Tatsache, dass es in der Trainingsgruppe „nur ein Thema“ gebe, noch keine Wohnung im oberbayerischen Inzell suchen. Er setzt auf Vermittlung durch die Landesverbände.

Bezüglich der Verbandsautonomie merkt der 32-Jährige an: „Ich finde, der DOSB als Dachverband sollte sich nicht jedes Mal dahinter verstecken. Man sollte seine Athletinnen und Athleten schützen, gerade wenn ein solcher Druck ausgeübt wird. Und wenn es keine Grundlage gibt, um zu handeln, dann muss eine Grundlage – etwa durch das Sportfördergesetz – geschaffen werden.“
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)