Ingrid Landmark Tandrevold hat in den vergangenen zwei Jahren erlebt, wie gnadenlos der Druck im Biathlon werden kann. Die 29-Jährige, eine der erfolgreichsten Athletinnen Norwegens mit elf WM-Medaillen, sprach im NRK-Podcast „Skiklubben“ offen über eine Phase, in der ihr die Freude am Wettkampf entglitt.
„Die vergangenen zwei Jahre habe ich versucht, alles ganz richtig zu machen. Ich habe versucht, alle Teile meines Lebens zu optimieren, um einen Schritt weiterzukommen“, sagte Tandrevold. Um in das Idealbild einer Top-Athletin zu passen, strich sie kreative Projekte und soziale Pausen – und verlor dabei, wie sie schildert, sich selbst.
Die Quittung war ein Gefühl, das sie bis dahin nicht kannte: „Ich begann mich sehr davor zu fürchten, Rennen zu laufen, und das habe ich noch nie zuvor getan.“ Statt Vorfreude sei sie im Saisonverlauf immer mehr nur darauf fokussiert gewesen, „irgendwie okay durchzukommen – ein sehr schlechter Ausgangspunkt“.
Herzprobleme mitten im Weltcup
Parallel zum mentalen Tief meldete sich auch der Körper. Nach mehreren Episoden mit Herzrhythmusstörungen im Weltcup musste Tandrevold sich einem Eingriff unterziehen, um eine zusätzliche Leitungsbahn zu veröden.
Tandrevold beschrieb die Prozedur drastisch: „Sie stimulierten das Herz mehrere Stunden lang, bis es schließlich sagte: ‚Jetzt müsst ihr aufhören‘.“
Wichtig ist ihr dabei eine klare Botschaft: Wer Herzklopfen spürt, soll das ärztlich abklären – aber nicht aus Angst jede Bewegung meiden. „Viele haben Herzrhythmusstörungen, die sie dazu bringen, Angst vor körperlicher Aktivität zu haben. Das ist vielleicht das Schlimmste, was man tun kann“, betont sie.