Das Thema Hassnachrichten im Netz hat nicht nur das Biathlon-Lager bei den Olympischen Winterspielen 2026 beherrscht, sondern auch im Anschluss wurde das Problem deutlich tiefer beleuchtet. Dabei ließ vor allem Vanessa Voigt mit einem ausführlichen Social-Media-Post auf Instagram aufhorchen.

Sportpsychologe Lothar Linz erklärt im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ seine Sicht auf die schwierige Thematik – und was er Spitzenathleten und -athletinnen wie Voigt rät.

Vanessa Voigt war bei den Olympischen Winterspielen von Hassnachrichten betroffen.
Vanessa Voigt war bei den Olympischen Winterspielen von Hassnachrichten betroffen.Vanessa Voigt war bei den Olympischen Winterspielen von Hassnachrichten betroffen.© IMAGO/Gabor Baumgarten

Experte rät: „Guck nicht in deine Social-Media-Accounts“

„Also ein Like ist sehr nett und freundlich, aber auch das hat schon eine negative Wirkung, weil ich anfange zu gucken: Wie viele Likes kriege ich und kriege ich noch ein Like und noch ein Like?“, beschreibt Linz.

Das bilde den Anfang einer negativen Spirale: „Das macht mich sehr abhängig davon, was andere über mich denken, anstatt eigentlich erst einmal bei mir zu bleiben und zu sagen: ‚Wie fand ich denn meine Leistung?‘“

Der grundsätzliche Ratschlag des Experten, um einen von Franziska Preuß bezeichneten „Psychoterror“ zu vermeiden: „Guck bitte nicht in deine Social-Media-Accounts und lass die weg oder versuch dich möglich nicht zu viel darin zu bewegen.“

Dass ein kompletter Rückzug aus dieser Welt aufgrund von wirtschaftlichen Aspekten oftmals nicht möglich sei, wie Voigt im Anschluss an die Winterspiele erklärte, ist für Lutz ein valides Argument.

Er fordert daher eine Reduzierung: „Kanalisiere es besser in der klassischen Vorbereitung. Also definiere Online- und Offline-Zeiten.“ Die selbstauferlegte Social-Media-Pause von Voigt während Olympia sei dabei ein gutes Mittel.

Die Athleten sollten laut dem Experten für sich folgende Frage beantworten: „Wann machst du dein Handy aus und versuchst dich nicht mehr mit äußeren Dingen zu beschäftigen?“ Sein Ratschlag: „Bleib bei dir und den Abläufen, mit denen du morgen oder nachher im Wettkampf wirklich fokussiert bist.“

Hass im Netz: Warum gibt es diese Kommentare?

Doch was für ein Impuls begleitet die Verfasser von Hasskommentaren im Netz eigentlich?

„Dass ich in dem Moment als Fernsehzuschauer auch mitgehofft und eine Enttäuschung habe, ist ganz klar, aber mit der muss ich irgendwie umgehen“, ordnet der Experte ein: „Da ist es sehr viel leichter für mich, als Entlastungsmechanismus zu sagen: ‚Boah bist du blöd‘. Dann habe ich mich distanziert, kann auf sie zeigen und mir geht es ein bisschen besser. Das ist so die Versuchung.“