Eine Rückkehr russischer und belarussischer Sportler in den olympischen Sport?
Dass IOC-Präsident Thomas Bach darüber auch nur nachdenkt, stößt bei Sebatian Samuelsson auf völliges Unverständnis. „Es macht mir große Sorgen, dass es immer mehr Stimmen gibt, die sagen, der Ausschluss wäre falsch“, sagte er im Gespräch mit der schwedischen Boulevardzeitung Expressen.
Eine dieser besagten Stimmen – und die wahrscheinlich einflussreichste – ist die des IOC-Präsidenten. Daher griff der 25-Jährige Bach auch direkt an: „Er war während eines Doping-Skandals und des Kriegs Russlands bester Freund. Irgendwo frage ich mich, was er dafür bekommen hat, seine pro-russische Linie beizubehalten, auf die er immer wieder zurückfällt. Ich denke, das ist sehr seltsam.“ (NEWS: Alles Wichtige zum Biathlon)
Bach hatte kürzlich erst in einem Interview mit dem Corriere della Sera dafür geworben, Russland und Belarus zum Teil wieder zuzulassen. „Unser Ziel ist es, dass Sportler mit russischem Pass, die den Krieg nicht unterstützen, wieder an Wettkämpfen teilnehmen können. Diejenigen, die sich vom Regime distanziert haben, sollten unter einer neutralen Flagge antreten können.“ (NEWS: Bach will „neutrale“ Russen zulassen)
„Es ist lächerlich, diese Diskussion überhaupt zu führen“, antwortete Samuelsson auf diesen Vorschlag und fügte hinzu: „Die meisten Leute fanden es gut, dass sie im vergangenen Jahr ausgeschlossen wurden. Und seitdem hat sich nichts getan, weshalb man diese Entscheidung rückgängig machen müsse.“
Samuelsson: Sport wird für Propaganda missbraucht
Auch er selbst sei am Anfang nicht sicher gewesen, ob der Ausschluss der russischen und belarussischen Sportler der richtige Weg sei, gestand er. Mit der Zeit habe sich jedoch herausgestellt, dass es richtig war. „In anderen Sportarten haben sich einige Athleten sehr pro-russisch geäußert. Sie haben den Sport genutzt, ihre Propaganda zu verbreiten“, erklärte er seinen Meinungsumschwung.
Unter anderem hat Staffel-Olympiasiegerin Veronika Stepanowa im April eine Ehrung durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin genutzt, um den Angriff auf die Ukraine zu verteidigen. Mit dem Vorgehen im Nachbarland sehe sie Russland auf dem richtigen Weg und zeigte sich zuversichtlich, dass der Krieg siegreich zu Ende gebracht werde. „Wir werden in der Ukraine gewinnen, so wie wir bei den Olympischen Spielen gewonnen haben.“ (NEWS: Russland-Star verteidigt Ukraine-Krieg)
Samuelsson nannte Stepanowa nicht explizit als Beispiel, begründete seinen Vorwurf allerdings damit, dass viele Sportler eine Nähe zu Putin hätten. „Viele russische Athleten haben mit Putin posiert und wir wissen, dass viele der Sportführer in Russland der politischen Macht sehr nahestehen.“
Neutrale Flagge reicht nicht
Selbst die Regelung, dass russische und belarussische Sportler unter neutraler Flagge starten, reicht Samuelsson nicht. „Hört euch doch nur mal den Kommentar im russischen Fernsehen an. Niemand sagt etwas anderes als ‚Russland‘. Natürlich ist die Flagge nicht da, aber trotzdem fühlt es sich wie eine viel zu leichte Strafe für ein sehr ernstes Vergehen an.“
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Zudem müsse man auch an die ukrainischen Athleten denken. „Dass sie gegen russische und belarussische Konkurrenten antreten müssen, dass sie dort auf dem Schießstand neben ihnen stehen müssen, das finde ich sehr komisch.“