27 Jahre ist es jetzt her, dass die San Antonio Spurs ihren ersten Titel in der NBA gewannen. 1999 begannen die Texaner eine Erfolgsgeschichte, die bis 2014 andauerte, als sie zum fünften und bislang letzten Mal Meister wurden.

Dass in amerikanischen Basketball-Kreisen nun wieder darüber diskutiert wird, ob die Spurs eine Ära prägen werden, ist so überraschend wie beängstigend zugleich. Beängstigend vor allem für die Konkurrenten in der spektakulärsten Basketball-Liga der Welt. Überraschend, weil alles so schnell ging.

Die Spurs schalteten auf dem Weg in die Finals OKC aus
Die Spurs schalteten auf dem Weg in die Finals OKC ausDie Spurs schalteten auf dem Weg in die Finals OKC aus© IMAGO/EPA

So schnell, dass in den US-Medien überall von „years ahead of schedule“, also „dem Zeitplan um Jahre voraus“ geschrieben wird, wenn von der Entwicklung der aktuellen Mannschaft um Superstar Victor Wembanyama die Rede ist.

Diese hat vor wenigen Tagen erst die äußerst spannenden Conference Finals im siebten und alles entscheidenden Spiel gegen die Oklahoma City Thunder gewonnen. Jenes Team also, das im vergangenen Jahr den Titel gewann und dem bislang die größten Chancen zugesprochen wurden, eine Erfolgsära in der NBA zu starten.

NBA: Titelverteidiger OKC überraschend entthront

Schließlich hat der nun entthronte Titelverteidiger OKC mit Shai Gilgeous-Alexander den alten und neuen MVP in seinen Reihen, dem noch viele weitere außergewöhnliche Jahre zugetraut werden. Neben dem 27-Jährigen haben bei den Thunder weitere Leistungsträger wie Chet Holmgren (24) und Jalen Williams (25) ihre besten Jahre wohl noch vor sich.

Gegen die Spurs reichte es dennoch nicht. Was vor allem daran gelegen hat, dass deren Starspieler eben noch besser harmonierten und ihre jeweiligen Gegenspieler dominierten – und das zum wichtigsten Zeitpunkt.

Beispielhaft dafür standen die 22 Punkte und 7 Rebounds von Wembanyama in Spiel 7, in dem sein Gegenüber Holmgren auf lediglich 4 Punkte und 4 Rebounds kam.

Fast schon symbolisch für den Hunger der Spurs auf den ersten Titel seit zwölf Jahren stand die Reaktion des Franzosen nach dem 111:103-Sieg in Spiel sieben bei OKC.

Wembanyama: „Es ist, als hänge mein Leben davon ab“

Überwältigt von diesem Moment schrie er seine Freude heraus, schüttelte immer wieder den Kopf und umschloss alle Teamkollegen mit seinen endlos langen Armen – die Augen waren feucht. „Ich will so sehr siegen. Es ist, als hinge mein Leben davon ab“, sagte er über den vorläufigen emotionalen Höhepunkt seiner Karriere.

Der nächste soll schon in wenigen Tagen folgen, wenn es gegen die New York Knicks (ab Do., 2.30 Uhr) in den NBA-Finals um den ultimativen Preis im Klub-Basketball geht. Die Knicks um ihren überragenden Guard Jalen Brunson sind bislang nur so durch die Playoffs gepflügt und haben die letzten beiden Serien jeweils mit 4:0 gewonnen.

Nun aber geht es gegen Wembys Spurs. Und der 22-Jährige kündigte nach dem Sieg über OKC schon mal an, was ihm der Gewinn des NBA-Titels bedeuten würde. „Die Larry O’Brien Trophy zu gewinnen, ist ein Kindheitstraum“, sagte er. Die Bedeutung lasse sich „kaum in Worte fassen. Es ist fast so etwas wie der Sinn meines Lebens“.

Dass er sich diesen Traum in den kommenden Jahren sogar gleich mehrmals erfüllen wird, daran zweifelt in der Basketball-Welt kaum jemand. Denn die zukünftigen Erfolgsaussichten der Spurs gelten spätestens seit dem Sieg in den Western Conference Finals als überragend.

Dabei gilt der 2,24 Meter große Ausnahmespieler als entscheidendes Puzzleteil. Er kann nicht nur aus der Nahdistanz punkten, rebounden und blocken. Er ist auch ein gefürchteter Dreipunkteschütze.

Emotionale Szenen! NBA-Star ringt um Fassung

Emotionale Szenen! NBA-Star ringt um Fassung

Die San Antonio Spurs sind nicht nur Wembanyama

Aber die Spurs haben eben nicht nur Wembanyama. Mit einer Mischung aus hervorragender Arbeit mit Talenten und ein wenig Glück bei den Drafts der vergangenen Jahre ist es ihnen gelungen, ein Team zusammenzustellen, das die kommende Dekade dominieren kann.

Bemerkenswert: Von den drei Stars im Team ist Wembanyama mit seinen 22 Jahren der Älteste! Stephon Castle mit 21 Jahren und Dylan Harper mit 20 Jahren sind noch jünger als der Franzose. Beide Guards stehen nicht nur für die hervorragende Langzeitperspektive in San Antonio, sondern auch dafür, wie gut Coach Mitch Johnson Talente entwickeln kann.

Dabei sorgt das Duo schon jetzt dafür, dass die Spurs nicht nur offensiv zu den besten Teams der NBA zählen, sondern auch über eine gefürchtete Defensive verfügen.

Nach Wembanyama, den sich die Spurs 2023 an Nummer 1 des Drafts sicherten, holten sie sich Castle im Jahr darauf an Nummer 4. Vor dieser Saison hatten sie das Glück, Harper an Nummer 2 auszuwählen, obwohl die Wahrscheinlichkeit auf den Top-2-Pick nur bei 6,3 Prozent lag.

Die Erfolge der Spurs – auch das gehört zur Wahrheit – sind seit jeher eng mit ihren Draft-Picks verbunden. Nach David Robinson 1987 und Tim Duncan 1997 war Wembanyama der dritte Nummer-1-Pick, den sich die Spurs angelten. Robinson gewann zwei Titel mit der Franchise, Duncan sogar alle fünf!

Doch auch Spieler, die die Spurs nicht an den vorderen Positionen gezogen haben, wie beispielsweise Tony Parker oder Manu Ginobili, wurden zu Superstars und mehrmaligen NBA-Champions.

Holen die Spurs ihren ersten NBA-Titel ohne Popovich?

Alle wurden geschult und geprägt von Trainerlegende Gregg Popovich, der auch Wembanyama in dessen ersten eineinhalb NBA-Jahren als Headcoach und Mentor unter seine Fittiche nahm – bis ein Schlaganfall seine Erfolgskarriere beendete.

„Ich weiß noch nicht, was ihm das bedeutet. Ich muss jetzt ganz schnell mit ihm reden“, sagte Wembanyama über Coach Pop. Er weiß, dass er dem 77-Jährigen viel zu verdanken hat. „Er hat so viel durchgestanden, das können wir uns nicht einmal vorstellen.“

Bislang haben die Spurs sämtliche Titel mit Popovich gewonnen. Der erste ohne ihn ist nur noch eine Frage der Zeit.

Für die Knicks heißt das: Sie sollten lieber jetzt den Titel holen. Es könnte einstweilen ihre letzte Chance sein.