Knapp vier Minuten vor dem Ende erhoben sich die Fans im Chase Center von San Francisco von ihren Plätzen und brachen in Jubelstürme aus.
Sie huldigten einem Mann, der auf dem Feld einmal mehr Historisches geleistet hat: 50 Punkte und zehn Assists in einem Spiel. So etwas ist selbst Stephen Curry von den Golden State Warriors zuvor noch nie passiert. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)
An diesem Montagabend aber gelang ihm beim 127:113-Erfolg gegen die Atlanta Hawks alles: Assists, Freiwürfe, Floater – und natürlich seine Spezialität, die Dreier von allen erdenklichen Distanzen und Winkeln zum Korb.
Neun seiner 19 Versuche aus mindestens 7,24 Meter Entfernung fanden ihr Ziel, dazu versenkte Curry alle 13 Freiwürfe.
Kerr über Curry: „Immer noch unglaublich“
„Eigentlich könnte ich sagen, dass ich so etwas noch nie gesehen habe. Aber das stimmt nicht. Ich sehe das nun schon seit sieben Jahren. Aber es ist immer noch unglaublich“, schwärmte Warriors-Coach Steve Kerr von der Punkte-Show seines Superstars.
Kerr war zu seiner aktiven Zeit selbst ein gefürchteter Scharfschütze von jenseits der Dreipunkte-Linie. Zwei Spielzeiten beendete er mit einer Quote von über 50 Prozent als bester Dreierschütze der Liga.
Dreimal wurde er zusammen mit Michael Jordan und den Chicago Bulls NBA-Champion. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)
Wann holt Curry Dreierkönig Ray Allen ein?
Doch von Currys Statistiken ist nicht nur Kerr meilenweit entfernt.
Mit 2884 verwandelten 3ern fehlen ihm nicht einmal mehr 100, um Ray Allen (2973) als bester Distanzschütze in der NBA-Historie zu entthronen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)
Trifft er so weiter wie gegen die Hawks, könnte er diesen Rekord in zehn Spielen schon knacken.
Dabei fällt es auch ihm selbst immer noch schwer, solche Explosionen wie am Montagabend zu erklären.
„Wenn du die ersten beiden getroffen hast, bekommst du einen Rhythmus. Dann hast du einfach ein gutes Gefühl, wenn der Ball deine Hand verlässt“, sagte der 33-Jährige, der schon jetzt (fast) sämtliche Dreierrekorde hält und damit das gesamte Spiel in der NBA revolutioniert hat.
Distanzwürfe von Curry als Trumpf im Titelrennen
Seit die Liga in der Saison 1979/80 die Dreipunkte-Linie eingeführt hat, um die Würfe aus der Distanz angemessener zu würdigen, wurden die Scharfschützen bei den Teams immer wichtiger.
Zu einem entscheidenden Faktor, wenn es um Meisterschaften ging, wurden die Dreipunktwürfe aber erst mit Curry.
Er war der erste Spieler, der in einer Saison über 400 Dreier verwandelte. In vier unterschiedlichen Spielzeiten, darunter die Meistersaison 2016/17, erzielte er mehr als 300 Dreier bei einer Quote von jeweils über 40 Prozent.
Auch die vergangene Saison schloss er mit diesen Wahnsinns-Quoten ab, konnte aber – weitgehend auf sich alleingestellt – sein Team dennoch nicht in die Playoffs führen.
Nun sieht das anders aus. Curry und die Warriors haben neun der ersten zehn Spiele gewonnen und sind auf dem besten Weg, nach zwei Jahren wieder in die Postseason einzuziehen.
Curry macht Warriors zum Titel-Mitfavoriten
Das hat auch damit zu tun, dass das Team um Curry herum besser geworden ist.
Vor allem aber liegt es am siebenmaligen All-Star selbst, dass aus den Warriors zumindest wieder ein Mitfavorit auf den Titel geworden ist.
Warum das so ist, hat nicht erst das Spiel gegen die Hawks beispielhaft gezeigt.
Schon in der Partie gegen die Los Angeles Clippers wurde er zum Matchwinner, als er das Spiel mit einem Dreier fast von der Mittellinie kurz vor dem Ende zugunsten seines Teams drehte. Am Ende stand er bei 45 Punkten.
„Lawine“ Curry bricht über die Hawks herein
Auch gegen Atlanta war Curry nicht nur Topscorer, sondern hielt seine Mannschaft auch in schwierigen Phasen im Spiel.
Als in der ersten Halbzeit nur noch vier Minuten zu spielen waren, lagen die Hauherren mit 15 Punkten hinten. Dann traf Curry zwei Dreier, gab zwei Assists – und schon waren die Warriors wieder dran.
„Der Wurf, der uns wieder bis auf vier Punkte heranbrachte, hat uns über die Pause bis ins dritte Viertel getragen“, sagte Curry. Ab diesem Zeitpunkt habe er darauf gehofft, dass seine Dreier nun über den Gegner hereinbrächen wie eine Lawine – „und so ist es gekommen“.
Die Fans jedenfalls stimmten in der Arena schon mal laute „MVP“-Rufe an. Und Coach Kerr sagte über seinen Superstar: „Ich denke, er ist in der besten Form seines Lebens. Er ist eine Maschine auf dem Feld.“
Wer würde ihm nach dieser Curry-Show widersprechen wollen?