Die märchenhafte Reise endet gegen den Topfavoriten: Jan-Lennard Struff hat im Viertelfinale von Wimbledon eine Sensation im Duell mit Jannik Sinner und damit den Einzug in die Runde der letzten vier verpasst.

Der Warsteiner unterlag dem italienischen Weltrangliste und Titelverteidiger trotz eines couragierten Auftritts 5:7, 6:7 (4:7), 3:6, kann nach dem besten Grand Slam seiner Karriere aber erhobenen Hauptes die Heimreise aus dem All England Club antreten.

Jan-Lennard Struff musste sich Jannik Sinner geschlagen geben
Jan-Lennard Struff musste sich Jannik Sinner geschlagen gebenJan-Lennard Struff musste sich Jannik Sinner geschlagen geben© IMAGO/Sports Press Photo

Tennis: Sinner mit anerkennenden Worten für Struff

Struff sei „ein sehr, sehr harter Gegner“ gewesen, sagte Sinner: „Er verdient alles, was er in seiner Karriere erreicht hat. Er ist eine großartige Person abseits des Platzes.“

Vor dem Rasenklassiker hatte Struff seit Oktober bei keinem Turnier im Hauptfeld zwei Matches gewonnen. Nun feierte Struff im 47. Anlauf seine Viertelfinal-Premiere bei einem der vier großen Turniere. Mit seinen 36 Jahren ist er zudem der älteste Spieler, der seit der Einführung des Profitennis 1968 zum ersten Mal in der Runde der letzten acht in Wimbledon und überhaupt bei einem Grand Slam stand.

Gegen einen wieder nicht überragenden Sinner zeigte Struff eine gute Leistung. Doch während er sich in den entscheidenden Momenten Fehler leistete, blieb der Italiener unter Druck stets cool.

Wimbledon: Sinner gegen Djokovic oder Auger-Aliassime

Der Südtiroler zog zum dritten Mal beim bedeutendsten Tennisturnier des Jahres in die Vorschlussrunde ein, dort könnte nun am Freitag eine Neuauflage des letztjährigen Halbfinals gegen Major-Rekordgewinner Novak Djokovic warten. Der Serbe trifft auf den kanadischen Weltranglistendritten Félix Auger-Aliassime.

Bei seinen vier vorangegangenen Siegen in Wimbledon hatte Struff mit seiner kämpferischen Einstellung die Herzen des Publikums erobert, immer wieder arbeitete er sich aus schier aussichtslosen Situationen. Und so war die Unterstützung auch vor dem Duell mit dem schier übermächtigen Sinner groß.

Hummels und Höwedes fiebern mit Struff mit

„Was für ein geiles Turnier, dass du spielst. Und ich würde sagen: Wenn man Sinner schlagen kann, dann nach den Auftritten von dir bisher“, sagte Rio-Weltmeister Mats Hummels in einer Grußbotschaft bei Instagram. „Viel Glück“, ergänzte dessen früherer DFB-Teamkollege Benedikt Höwedes, „ganz Deutschland drückt dir die Daumen.“

Bei Temperaturen um die 30 Grad ließ Struff zunächst mit seinem kräftigen Aufschlag nichts anbrennen. Sinner selbst hatte Probleme, musste bei eigenem Service mehr kämpfen und blickte immer wieder fragend in Richtung seiner Box. Beim Stand von 5:5 schnappte der Favorit aber plötzlich eiskalt zu, holte sich das Break und wenig später den ersten Satz.

Sinner sicherte sich dann schnell das nächste Break. Doch in einem Match auf Augenhöhe konterte das „Stehaufmännchen“ Struff sofort – und vergab später einen Satzball zum Ausgleich. In seinem zehnten Tiebreak des Turniers patzte er aber entscheidend. Mit der komfortablen Führung im Rücken ging Sinner dann den letzten Schritt und sorgte für das Ende von Struffs Reise.