Nicht zum ersten Mal sorgen die Spielansetzungen auf der ATP-Tour für reichlich Unmut. Beim Turnier in Paris-Bercy wird aufgrund des dichtgedrängten Programms gleich mehrfach bis weit nach Mitternacht gespielt – was abermals zu einer Kuriosität führte. Jannik Sinner, seit Wochen einer der formstärksten Spieler der Tour, beendete seine Zweitrundenpartie gegen den US-Amerikaner McKenzie McDonald erst in den frühen Morgenstunden.

Zwar setzte sich der favorisierte Italiener in drei Sätzen durch und verwandelte den Matchball kurz nach halb drei Uhr morgens, dennoch betonte er unmittelbar nach dem Match: „Ich weiss nicht, ob ich das Achtelfinale spielen werde. Ich schaue, wie es mir geht, wenn ich aufwache.“ Schließlich hätte er laut Spielplan schon rund 15 Stunden später erneut antreten müssen.

Gesagt, getan. Sinner ließ seinen Worten prompt Taten folgen und zog am Donnerstagmittag die Reißleine. „Ich hatte weniger als zwölf Stunden Zeit, mich auszuruhen und mich auf das nächste Spiel vorzubereiten. Ich muss die richtige Entscheidung für meine Gesundheit und meinen Körper treffen“, erklärte der 22-Jährige sein freiwilliges Aus. Wegbegleiter und Konkurrenten kritisierten die ATP anschließend scharf.

Sinner-Ansetzung: „Was für ein Witz“

„Sie kümmern sich überhaupt nicht um die Gesundheit der Spieler“, polterte Sinners Trainer Darren Cahill in Richtung des Tennis-Weltverbandes vor und erhielt viel Zustimmung.

Auch Casper Ruud wurde deutlich. „Bravo ATP-Tour. Wie kann einer der besten Spieler der Welt sich erholen und so bereit wie möglich sein, wenn er sein letztes Spiel am Morgen um 2:37 Uhr beendet hat. 14,5 Stunden, um sich zu erholen – was für ein Witz“, schrieb der Norweger auf X (ehemals Twitter).

In die gleiche Kerbe schlug Stan Wawrinka. „Es ist verrückt. Das Turnier kümmert sich nicht und die ATP macht einfach, was das Turnier will. Es ist immer die gleiche Geschichte,“ meinte der Schweizer, der aus Erfahrung sprach. „Am Montag war ich um 2:30 Uhr fertig und sollte am nächsten Tag um 15 Uhr spielen“, so der letztlich sowieso ausgeschiedene Wawrinka.