Es ist erst drei Monate her, da hatte Alexander Zverev die Chance auf den ganz großen Wurf selbst in der Hand.

Novak Djokovic durfte bei den Australian Open nicht antreten, womit der Hamburger bei einem Turniersieg an die Spitze der Tennis-Weltrangliste geklettert wäre. Zugleich hätte er damit seinen ersten Grand-Slam-Titel eingefahren.

Doch die anvisierte Machtübernahme ging in die Hose – Zverev musste bereits im Achtelfinale seine Koffer packen.

Damit nicht genug: Der Deutsche fiel in der Folge in ein Leistungstief, begleitet durch den negativen Höhenpunkt mit seinem Ausraster in Acapulco. Vom „größten Fehler seiner Karriere“ sprach er nach seiner Attacke auf den Schiedsrichterstuhl.

Zverev überzeugt in Monte Carlo bis zum Halbfinale

Nach einem famosen Jahr mit sechs Turniersiegen, gekrönt vom Gewinn der Olympischen Spiele, war Zverev in 2022 zunächst weit von seiner Gala-Form entfernt.

In der vergangenen Woche sah es endlich so aus, als käme der 24-Jährige in seiner Wahlheimat Monte Carlo wieder in Fahrt. Ohne Satzverlust stürmte Zverev ins Viertelfinale. Dort behielt der Weltranglistendritte nach über drei Stunden mit etwas Glück gegen Jannik Sinner die Oberhand.

Doch im Halbfinale war für Zverev mit 4:6, 2:6 gegen Stefanos Tsitsipas Endstation. Nach dem kräfteraubenden Match am Vortag – Tsitsipas hatte dies aber ebenfalls in den Beinen – konnte der Deutsche nicht sein volles Können abrufen. Hinzu kamen Beschwerden am rechten Oberschenkel.

„Dass der bessere Spieler gewonnen hat, ist eindeutig. Dass mein Oberschenkel eine Rolle gespielt hat, ist auch relativ eindeutig“, klagte Zverev im Anschluss bei Sky: „Es passieren weiter Dinge, die ein wenig außerhalb meiner Kontrolle sind, was ärgerlich für mich ist.“

Kann Zverev Formtief von Djokovic nutzen?

Allen Widrigkeiten zum Trotze kann sich der Olympiasieger dennoch weiterhin Hoffnungen auf den Tennis-Thron machen.

Denn der Weltranglistenerste Djokovic sucht aufgrund der wenigen Matchpraxis noch nach seiner Form. Zudem sind Rafael Nadal (4. in der Weltrangliste) sowie Daniil Medwedew (2.) aktuell verletzt – und der Russe wurde zudem von Wimbledon ausgesperrt.

Zverev bestätigte derweil, dass er bei seinem „Heimspiel“ in München und anschließend bei den Turnieren in Madrid und Rom antreten werde. Gutes Omen: In Madrid konnte er bereits zweimal triumphieren, in Rom einmal.

Alexander Zverev wurde nach seinem Ausbruch in Acapulco zu einer achtwöchigen Sperre auf Bewährung verurteilt. Nun spricht der deutsche Tennisstar erstmals über seine Attacke auf den Schiedsrichterstuhl.

Alexander Zverev wurde nach seinem Ausbruch in Acapulco zu einer achtwöchigen Sperre auf Bewährung verurteilt. Nun spricht der deutsche Tennisstar erstmals über seine Attacke auf den Schiedsrichterstuhl.

Um am derzeit verletzten Russen vorbeizuziehen, muss Zverev bei den kommenden drei Turnieren insgesamt 1.745 Punkte sammeln.

Mit Blick auf Platz eins kommt dem Deutschen entgegen, dass Djokovic bei den anstehenden Turnieren unzählige Punkte verteidigen muss. Um den serbischen Superstar letztlich vom Thron zu stoßen, muss Zverev in München, Madrid und Rom 915 Punkte mehr sammeln als sein Kontrahent.

Zverev trauert Chancen nach – und macht Ansage

Dass Zverev gleich zu Jahresbeginn an der Spitze hätte stehen können, wurmt ihn noch immer.

„Am Ende des Tages hatte ich die Chancen oft dieses Jahr, die Nummer eins zu werden“, erklärte er der Schweizer Zeitung Blick.

„Ich weiß, dass ich weiterhin die Chance habe“, schob Zverev hinterher und führte aus: „Aber natürlich muss ich anfangen, mein bestes Tennis zu spielen und auch anfangen, Turniere zu gewinnen.“

Die nächste Chance dazu bekommt er ab dem kommenden Samstag beim ATP-Turnier in München.