Johannes Liebmann hat sich bei der Schwimm-EM zum absoluten Shooting-Star entwickelt. Nach seinem Triumph über 800 m Freistil mit Europarekord sprach der 19-Jährige im SPORT1-Interview über seinen Erfolg.
Liebmann äußerte sich dabei unter anderem zum aktuellen Hype ums Schwimmen sowie zu seinen Hobbies und verrät, was er darüber denkt, dass sein Rennen bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht live zu sehen war.
SPORT1: Herr Liebmann, Sie sind jetzt Europameister und Europa-Rekordhalter. Wie fühlt sich das einen Tag nach dem großen Erfolg an?
Johannes Liebmann: Es fühlt sich super an. Unglaublich, was ich erreicht habe. Quasi bei der Halbzeit des Wettkampfs schon einen Titel zu haben, ist wirklich krass.
„Bin das Rennen negativ geschwommen“
SPORT1: Sie haben nach der Siegerehrung gesagt, dass Sie sehr selbstkritisch sind und dass sich das Rennen nicht zu 100 Prozent perfekt angefühlt hat. Worin können Sie sich denn noch verbessern?
Liebmann: Meine Form war quasi perfekt, ich habe mich gut gefühlt im Wasser. Allerdings hat man gesehen, dass ich das Rennen negativ geschwommen bin, das heißt: vorne ein bisschen langsamer als hinten. Das war der Taktik geschuldet und hat das Rennen ein bisschen sicherer gemacht für mich. Aber meine Zeit wurde schlechter, als sie vielleicht hätte sein können.
SPORT1: Aktuell herrscht ein gewisser Schwimm-Hype. Und auch Sie selbst haben einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Wie fühlt sich das für Sie an?
Liebmann: Ich spüre auf jeden Fall, dass Schwimmen sehr im Fokus ist. Da ich aber noch recht neu in der Szene bin, kenne ich den Vergleich zu vorher nicht genau.
Schwimm-EM: Liebmann äußert sich zur Märtens-Kritik
SPORT1: Worin könnten die Gründe liegen für die neu gewonnene Popularität?
Liebmann: Generell bin ich überzeugt, dass Schwimmen eine sehr interessante Sportart ist und vielleicht im Schwimmsport so ein bisschen geschlafen wurde die vergangenen Jahre. Zudem ist das deutsche Nationalteam im Moment sehr stark – das erhöht die Aufmerksamkeit noch mal.
SPORT1: Lukas Märtens hat zuletzt Kritik daran geübt, dass Ihr Rennen bei der EM nicht live, sondern zeitversetzt übertragen wurde. Wie stehen Sie dazu?
Liebmann: Ich kann da jetzt nicht viel machen. Ich bin mein Rennen geschwommen und war sehr fokussiert. Erst im Nachhinein habe ich mitbekommen, dass es Probleme gab. Fehler macht jeder mal, auch eben die Öffentlich-Rechtlichen. Das finde ich per se auch nicht schlimm. Trotzdem ist ein bisschen schade, man hätte den Moment vielleicht live einfangen können.
SPORT1: Sie haben einen sehr erfolgreichen Trainer und eine sehr erfolgreiche Trainingsgruppe. Wie ist der Spirit? Und was schauen Sie sich von anderen ab?
Liebmann: Der Spirit ist sehr gut, finde ich. Man schaut sich natürlich etwas ab – und die anderen vielleicht auch bei mir. Das ist für mich sehr hilfreich und wirkt sich positiv aus – vor allem, weil ich im Erwachsenenbereich Fuß fassen kann.
„Schieße gerne über das Ziel hinaus“
SPORT1: Was können sich die anderen bei Ihnen abschauen?
Liebmann: In den Wenden bin ich ziemlich stark, glaube ich – besonders für die längeren Strecken. Ich bin sehr ehrgeizig – und schieße auch gerne mal über das Ziel hinaus.
SPORT1: Bundestrainer Bernd Berkhahn ist erst am Donnerstag angereist. Wie waren da die Absprachen – und wie war es für Sie, die EM selbst zu managen?
Liebmann: Aufregend. Ich habe vergangenes Jahr bereits die JEM und die JWM ohne Bernd gemacht. Das heißt, ich hatte schon ein bisschen Erfahrung ohne Cheftrainer. Aber die Absprache war trotzdem gut. Wir telefonieren meist vor den Rennen, gehen die Taktik noch mal durch. Er macht mir ein bisschen Mut. Das ist gar nicht so schlecht, wenn ich ein bisschen zittrig bin.
SPORT1: Wo sehen Sie sich in drei Jahren?
Liebmann: Hoffentlich immer noch hier – und am besten vorne dabei. Ich lasse es auf mich zukommen, gebe mein Bestes, dann schauen wir mal, was wird.
SPORT1: Haben Sie Hobbys neben dem Sport? Und bleibt dafür Zeit?
Liebmann: Eigentlich nicht. Aber ich spiele sehr gerne Gesellschaftsspiele oder Kartenspiele mit meiner Familie. Allerdings sehe ich meine Familie nicht so oft im Jahr.
SPORT1: Gewinnen Sie beim Kartenspielen?
Liebmann: Meistens schon, ja (lacht). Die strategisch anspruchsvolleren Spiele spiele ich gerne mit meinem Vater und mit meinen Geschwistern. Und wenn ich allein zu Hause bin, dann setze ich mich meistens an den PC, zocke mit einem alten Schulfreund. Das hilft, um den Kopf freizubekommen.