Tim Merlier riss jubelnd die Arme in die Höhe, als er die deutschen Sprinter der letzten Chance auf einen Tagessieg bei der Tour de France beraubt hatte. Im von einem schweren Sturz überschatteten Finale der 12. Etappe feierte der König des Massensprints seinen dritten Tageserfolg und rückte nach der Enttäuschung des Vortages die Hierarchie der schnellen Männer zurecht.

In der Burgunderstadt Chalon-sur-Saone ließ Ex-Europameister Merlier (Soudal Quick-Step) der Konkurrenz keine Chance. Die noch sieglosen deutschen Sprint-Hoffnungen um Max Kanter, der als bester Deutscher Siebter wurde, dürften nach der mutmaßlich letzten Sprintentscheidung bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt leer ausgehen. 

Fernando Gaviria Rendon stürzte im Finale der 12. Etappe schwer
Fernando Gaviria Rendon stürzte im Finale der 12. Etappe schwerFernando Gaviria Rendon stürzte im Finale der 12. Etappe schwer© IMAGO/Belga

Tour de France: Heftiger Sturz! Favoriten um Lipowitz im Glück

Merlier verwies nach 179,1 km den Niederländer Olav Kooij (Decathlon-CMA CGM) vor Jasper Philipsen (Belgien/Alpecin-Premier Tech) auf die Plätze. Bei dem Sturz ging unter anderem Fernando Gaviria zu Boden ging. Der Kolumbianer ist böse auf die Schulter gefallen, dadurch hat es auch Jonas Abrahamsen und weitere Fahrer erwischt. Die Klassement-Favoriten um Tadej Pogacar und Florian Lipowitz überstanden die Aktion ebenso unbeschadet wie Kanter.

„Der Sturz war, glaube ich, zwei oder drei Positionen hinter mir“, schilderte Kanter im Gespräch mit der ARD. „Ich glaube, es ist von rechts nach links eine Welle gegangen. Dann hat, glaube ich, ein Fahrer sein Vorderrad am Hinterrad von jemand anderem aufgehängt.“ Einige andere hatten weniger Glück. „Es gab viel Blut“, beschrieb ARD-Kommentator Florian Naß den Vorfall.

Pogacar bleibt Gesamtführender

Zu Beginn des Tages sorgte der unermüdliche Baptiste Veistroffer (Lotto-Intermarché) einmal mehr für die erste Attacke. Damiano Caruso (Bahrain Victorious), Ewen Costiou (Groupama-FDJ United) und Matteo Verchér (Total Energies) schlossen sich wenig später an und konnten sich ebenfalls vom Peloton absetzen. Die Flucht des Quartetts hatte allerdings nie Aussicht auf Erfolg. Knapp 30 Kilometer vor dem Ziel wurde Veistroffer als Letzter eingeholt.

Danach nahm das Rennen noch einmal an Fahrt auf. Quinn Simmons (Lidl-Trek) setzte eine weitere Attacke und riss eine neue Gruppe mit sich. Insgesamt 14 Fahrer schafften den Sprung, darunter auch namhafte Profis wie Mauro Schmid (Team Jayco AlUla) und Filippo Ganna (INEOS Grenadiers). Wirklich absetzen konnte sich die Ausreißer allerdings nicht, mehr als rund 20 Sekunden Vorsprung auf das Hauptfeld waren nie drin. Anschließend übernahmen die Sprinterteams das Kommando.

In der Gesamtwertung bleibt alles beim Alten. Pogacar verteidigte das Gelbe Trikot souverän und führt mit einem komfortablen Vorsprung. Dahinter folgt Jonas Vingegaard mit einem schon großen Rückstand von 3:36 Minuten. Rang drei belegt Remco Evenepoel (+4:06 Minuten), dessen Teamkollege Lipowitz hat als bester Deutscher weiterhin den sechsten Platz inne (+4:44 Minuten). 

Tour de France: Es wird wieder bergiger 

Die Etappe zum Durchschnaufen ist für die Klassement-Fahrer nun schon wieder vorbei. Am morgigen Freitag steht mit 205,8 Kilometern das längste Teilstück der diesjährigen Tour de France auf dem Programm. Von Dole führt das Peloton zunächst über weite Strecken durch vergleichsweise flaches Terrain, ehe das Profil im Finale deutlich anspruchsvoller wird. 

Auf den letzten rund 50 Kilometern warten mit dem Col des Croix und vor allem dem Ballon d’Alsace die beiden entscheidenden Anstiege. Dort dürfte sich letztlich auch herausstellen, wer um den Etappensieg kämpfen kann.