Tadej Pogacar hat die 19. Etappe der Tour de France nach einer furiosen Aufholjagd an der Alpe d’Huez gewonnen. Als Solist stellte er das Ausreißer-Trio Lenny Martinez, Richard Carapaz und Sepp Kuss, setzte sich kurz vor dem Ziel ab und holte sich den Sieg.
Noch mehr Aufsehen als der Sieg erregte die Zeit, die Pogacar für den Anstieg benötigte: 35:27 Minuten für die 13,8 Kilometer – schneller als jede zuvor registrierte Fahrt hinauf. Im Netz löste die Rekordfahrt eine Debatte aus – auch, weil Pantanis Bestmarke aus einer Zeit stammt, die viele Fans mit Doping verbinden.
Tour de France: Armstrong von Pogacar beeindruckt
Lance Armstrong zeigte sich in seinem Podcast The Move vor allem beeindruckt. Pogacar habe „den Asphalt von der Straße gerissen“, sagte der als Doper entlarvte Ex-Rekordsieger. Die Gemeinde sei nun wohl damit beschäftigt, „einzelne Abschnitte neu zu asphaltieren“.
Nach der metaphorischen Darstellung von Armstrong, dessen Tour-Siege allesamt aufgrund von Dopingvergehen aberkannt wurden, diskutierten seine Podcast-Partner, ob man sich mitten in der Pogacar-Ära befinde. Schließlich sei es außergewöhnlich, dass einige der besten Kletterer auf dem Schlussanstieg vier Minuten oder mehr auf Pogacar verloren haben.
Besonders bemerkenswert war auch die Tatsache, dass Pogacar die bisherige Rekordmarke um gleich 1:24 Minuten pulverisierte. Spencer Martin wollte im Podcast daher von Armstrong wissen, ob das die beste Berg-Performance eines Radfahrers der Geschichte war. „Ja“, antwortete dieser sofort, ehe er die Nachfrage stellte, ob die beste Kletter- oder beste Alpe d’Huez-Performance gemeint war. Daraufhin wollte er sich nicht mehr festlegen.
Pogacar habe – wie Armstrong betonte – den Pantani-Rekord jedoch regelrecht „zerschmettert“. Mit einem solchen Vorsprung habe er nicht gerechnet.
Tour de France: Material für die Pogacar-Bestzeit verantwortlich?
Doch wie ist die Fabelzeit von Pogacar überhaupt zu erklären? Die Podcast-Runde sieht das Material als mögliche Ursache an. Zu Pantanis Zeiten sei der Rollwiderstand der Reifen noch schlechter, die Fahrräder etwas schwerer und auch die Kleidung noch nicht so gut gewesen.
Mitentscheidend kann auch der Zeitpunkt der Pogacar-Attacke gewesen sein. Armstrong betonte, dass Pogacar bereits zwölf Kilometer vor dem Ziel angegriffen hatte, was eine „lange Strecke zum Ziel“ sei. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein anderer so früh angreifen würde.
Die frühe Attacke sorgte jedoch dafür, dass der Slowene zwölf der insgesamt 14 Kilometer langen Steigung an seinem persönlichen Limit fahren konnte. Spencer Martin zufolge sei er „die Straße hochgerast“, habe seine „Emotionen komplett im Griff“ gehabt und habe gar nicht erst aus dem Sattel gehen müssen. Zudem profitierte er zwischenzeitlich von Teamkollege Adam Yates, der sich aus der Ausreißergruppe hatte zurückfallen lassen.
Tour de France: Hitzige Pogacar-Diskussionen im Netz
Im Netz hatte es schon direkt nach der Etappe hitzige Debatten gegeben, ob die Pogacar-Rekordfahrt mit sauberen Mitteln überhaupt möglich sei. „Ich glaube, wer bislang (an einem Doping-Vergehen von Pogacar) gezweifelt hat, tut es jetzt nicht mehr. Er war 1:25 Minuten schneller als Pantani“, schrieb ein X-User und untermalte seinen Post mit einem kotzenden Smiley.
„Pogacar hat den Rekord des gedopten Pantani gebrochen. Das ist großartig. Wir haben es hier wirklich mit sauberem Radsport zu tun – und das alles dank Carbon-Rädern und Scheibenbremsen. Das ist Fortschritt! Hört endlich auf, euch Gedanken zu machen, ihr Verschwörungstheoretiker!“, schrieb ein anderer User sarkastisch.
Andere stellten sich hinter Pogacar. „Es ist schwierig, zwei Leistungen zu vergleichen, die 30 Jahre auseinanderliegen, wenn man die Entwicklung von Material und Vorbereitung sieht“, gab ein Rad-Fan zu bedenken.
„Pantani mit einem Rad von 1995. Ernsthaft: Rekorde sind dafür da, gebrochen zu werden. Egal, wie sehr ihr Spitzensportler hasst“, sieht ein anderer User keinen Grund zur Skepsis. „Ihr schreit Skandal, ohne Beweise“, monierte ein weiterer Nutzer.
Die bisherige Richtmarke stammte von Marco Pantani, der 1995 in 36:40 Minuten gestoppt worden war. Lance Armstrong wurde im Jahr 2004 mit 37:36 Minuten gemessen, Jan Ullrich im Jahr 1997 mit 37:40 Minuten. Alle drei haben eine lange Doping-Vergangenheit.