Kevin Vauquelin hat auf der Tour de France eine Entscheidung geschluckt, die ihm sichtbar gegen den Strich ging. Der Franzose lag vor dem Einzelzeitfahren am Dienstag als 31. der Gesamtwertung, doch sein Team Netcompany INEOS bat ihn, im Kampf gegen die Uhr bewusst nicht ans Limit zu gehen.

Vauquelin nahm Tempo raus, wurde auf der 16. Etappe nur 66. und verlor gut fünf Minuten auf Tagessieger Remco Evenepoel – in der Gesamtwertung blieb er dennoch 31.

Kevin Vauquelin sollte beim Einzelzeitfahren nicht ans Limit gehen
Kevin Vauquelin sollte beim Einzelzeitfahren nicht ans Limit gehenKevin Vauquelin sollte beim Einzelzeitfahren nicht ans Limit gehen© IMAGO/Sirotti

„Schwierig, das zu akzeptieren“

Die Vorgaben der sportlichen Leitung machten dem 25-jährigen Normannen am Montagabend schwer zu schaffen. „Das war furchtbar. Es war sehr schwierig für mich, das zu akzeptieren, weil ich ein Kämpfer bin und es liebe, mich zu 100 Prozent zu verausgaben“, sagte Vauquelin. „Ich muss zugeben, ich habe meine Meinung 50-mal geändert – bis 23.30 Uhr, im Gespräch mit dem Chef. Ich konnte nicht mehr.“

Sportlich war das Zeitfahren zwischen Évian-les-Bains und Thonon-les-Bains (26,1 km) eine Demonstration: Evenepoel setzte sich klar durch, Tadej Pogacar wurde Zweiter, Mattias Skjelmose Dritter. Vauquelin dagegen hielt Körner zurück – mit dem klaren Ziel, in den kommenden Tagen aus einer Fluchtgruppe heraus um einen Etappensieg fahren zu können.

Tour de France: Vauquelin verliert sofort Zeit

Für Vauquelin ist es eine Tour mit angezogener Handbremse – zumindest in der Gesamtwertung. Im Vorjahr war er Siebter der Rundfahrt, diesmal begann sein Traum vom Gelben Trikot bereits früh zu bröckeln: Auf der ersten Etappe, einem Mannschaftszeitfahren, warf ihn ein Plattfuß zurück.

„Diese Tour de France ist anders als das, was ich zuvor erlebt habe. Es ist eine Entscheidung, ich stehe dazu – wir werden sehen, ob sie sich auszahlt oder nicht“, erklärte Vauquelin.

Große Hoffnung auf einen Etappensieg

„Angenommen, ich fahre ein super Top-5 im Zeitfahren, das kann mir etwas bringen, aber es kann auch bedeuten, dass mir in den nächsten Etappen ein halbes Rad fehlt – und das könnten wir bereuen, denn ein Etappensieg ist nun mal viel wichtiger. Ich hoffe, die Leute verstehen das und versetzen sich in meine Lage. Nächstes Jahr werde ich auf Gesamtwertung fahren – dann werde ich das Zeitfahren voll durchziehen“, erklärte der Franzose abschließend.