Erneut deutliche Worte von Lance Armstrong! Der frühere Rekordsieger der Tour de France hat die Ereignisse bei der 10. Etappe rund um die beiden Teamkapitäne von Red Bull–Bora–Hansgrohe, Florian Lipowitz und Remco Evenepoel, scharf kritisiert.

„Ich habe ein echtes Problem damit“, begann der 54-Jährige in seinem Podcast The Move und richtete seine Kritik vor allem an Evenepoel: „Er war abgehängt worden, und als man ihn im Ziel interviewte, hat er versucht, die Sache so schön wie möglich darzustellen.“

Lance Armstrong kritisierte das Verhalten von Remco Evenepoel
Lance Armstrong kritisierte das Verhalten von Remco EvenepoelLance Armstrong kritisierte das Verhalten von Remco Evenepoel© IMAGO/Michael Potts

Armstrong bezog sich auf die Szene bei der 10. Etappe am langen Schlussanstieg. Dort hatte Lipowitz seinen Teamkollegen zunächst distanziert, ehe er auf Anweisung der Teamleitung Tempo herausnahm und auf Evenepoel wartete.

Tour de France: Erst muss Lipowitz warten, dann jubelt Evenepoel

Kurz vor dem Ziel setzte Evenepoel schließlich zu einer Sprintattacke an und schnappte sich nach seinem Einbruch noch Rang zwei. Lipowitz musste sich trotz der zwischenzeitlich sichtbar stärkeren Beine mit Platz vier begnügen.

Evenepoel habe „zwar aufgeholt, aber dann hat er attackiert, und das ist ja alles gut und schön“, meinte Armstrong, dessen sieben Tour-Siege ihm nach dem Einsturz seines Dopingsystems aberkannt worden waren. „Aber dieser Zug am Ende – wie er zurückblickt, was soll man da sagen?“

Der US-Amerikaner fuhr fort: „Ich weiß nicht, wonach er Ausschau gehalten hat. Es sah jedenfalls ganz so aus, als hätte er nach seinem Teamkollegen Florian Lipowitz Ausschau gehalten.“

Armstrong mit Klartext: „Das macht keinen guten Eindruck“

Armstrongs früherer Edelhelfer George Hincapie sprach von einem „psychologischen und mentalen Spiel“. Evenepoel und Lipowitz würden mit aller Kraft um den zweiten Platz kämpfen, meinte der US-Amerikaner.

Podcast-Partner Bradley Wiggins pflichtete ihm bei: „Sie stehen im Konkurrenzkampf miteinander. Ich würde aber eher sagen, dass Remco mit Lipowitz im Wettbewerb steht als umgekehrt.“

Für Armstrong ein Unding: „Das macht aber keinen guten Eindruck“, schaltete er sich erneut ein. „Intern macht das einen schlechten Eindruck.“

Evenepoels „Endspurt hätte es nicht gebraucht“

Auch Wiggins, Tour-Sieger von 2012, erkannte an: „Er hat sich da ein bisschen das Gesicht gewahrt, aber diesen Endspurt hätte es nicht gebraucht.“

Nach der 10. Etappe belegte Evenepoel in der Gesamtwertung Rang drei, Lipowitz lag mit 38 Sekunden Rückstand auf Platz sechs.

Die teaminterne Dynamik dürfte auch in den kommenden Tagen ein Thema bleiben: Während Lipowitz an den langen Anstiegen bislang den stärkeren Eindruck hinterließ, zeigte Evenepoel dort erneut Schwächen – und trotzdem scheint es, als müsse sich der Deutsche dem Belgier ein ums andere Mal unterordnen.