Kann Florian Lipowitz in die Leader-Rolle von RedBull-BORA-hansgrohe schlüpfen? So lautete die spannende Frage der deutschen Radsport-Fans vor der ersten Bergetappe bei der diesjährigen Tour de France.
Eine wirkliche Antwort hat die zehnte Etappe noch nicht geliefert. Während der Ire Ben Healy überraschend ins Gelbe Trikot fuhr, verweilten Roglic und Lipowitz in der Gruppe der Favoriten.
Zwar konnten sie am letzten Anstieg Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard nicht ganz folgen, jedoch übernahm Lipowitz in der Verfolgung die Initiative und führte die Verfolger fast wieder ans Hinterrad des Favoriten-Duos.
Lipowitz mit Auftritt zufrieden: „Beine waren ganz gut“
Der deutschen Tour-Hoffnung fehlten als Etappen-Elfter drei Sekunden auf das Duo Pogacar und Vingegaard, Roglic hingegen sechs Sekunden.
„Es war ein superharter Tag. Jeder war am Limit, aber wir können zufrieden sein“, sagte Lipowitz bei der ARD.
Recht viel weiter aus dem Fenster lehnen wollte er sich allerdings nicht. „Die Beine waren ganz gut. Ich glaube, da kann ich positiv in die nächste Woche schauen“, bilanzierte der 24-Jährige, der seine erste Tour de France bestreitet.
Aldag hat bei Lipowitz nur eine Sache auszusetzen
Teamchef Rolf Aldag zeigte sich im Großen und Ganzen glücklich mit der Leistung seiner beiden Top-Fahrer. „Wir sind zufrieden, es war ein Tag wie erwartet. Roglic und Lipowitz haben es gut gemacht, waren defensiv. Lipowitz hat es ein oder zweimal versucht und ist mit den Favoriten angekommen“, erklärte er nach dem Rennen.
Ein klein wenig Kritik musste sich Youngster Lipowitz allerdings auch gefallen lassen. „Wir müssen ihn ab und an zügeln, dass er nicht zu schnell reagiert“, monierte Aldag: „Man muss da nicht immer gleich hinterherfahren.“
Fakt ist: Lipowitz war der präsentere Fahrer im Vergleich zu Roglic. Fast die gesamte Etappe über klebte der Slowene Lipowitz am Hinterrad – wie es für einen Leader auch üblich ist.
Aldag lässt Leader-Frage offen
Aldag zufolge lässt das jedoch keine Rückschlüsse auf die Leader-Rolle im Team zu: „Einmal ist auch Roglic mitgegangen und Flo war dahinter. Das ergibt sich einfach so.“
Es bleibt also zunächst bei einer Doppelspitze bei RedBull-BORA-hansgrohe. Dennoch deutete sich auch auf der zehnten Etappe an, dass Lipowitz wohl ein klein wenig stärker ist. „Er weiß gar nicht, wie stark er ist“, untermauerte Rad-Legende Jan Ullrich jüngst im Podcast mit Rick Zabel.
In der Gesamtwertung liegt Lipowitz jedenfalls als Achter sieben Sekunden vor seinem deutlich erfahreneren Kapitän. Solange das der Fall ist, muss er wohl auch nicht befürchten, zum „Wasserträger“ degradiert zu werden. Der Vorsprung ist aber eben auch nicht groß genug, damit sich die Leader-Frage zu seinem Gunsten entscheiden könnte.