„Er neigt ja dazu, ein bisschen zu übertreiben beim Jubeln.“ Für einen Durchgang bei den Olympischen Spielen tat Philipp Raimund seinem Cheftrainer Stefan Horngacher auf der Kleinschanze daher den Gefallen und verzichtete trotz eines überragenden Sprungs auf einen größeren Gefühlsausbruch.
Am Ende führte es zum gewünschten Erfolg, Gold bei Olympia – und als Belohnung durften die Zuschauer wieder den echten Raimund erleben, denn dieser ist vor allem eines: herrlich authentisch. Das zeigten auch seine ungläubigen Worte „Ach du Scheiße, Alter“ nach seinem goldenen Sprung.
Der gebürtige Göppinger gibt erfrischende Einblicke in seine Gefühlswelt – und scheut auch vor einer klaren Meinung nie zurück – wie zum Beispiel rund um den Anzugsskandal der Norweger rund um die WM. Noch zu Saisonbeginn sprach er davon, dass er dies nicht einfach abhaken könne, da „das gesamte Image des Skispringens in den Dreck gezogen wurde“.
Raimund eckt mit direkter Art an
Raimund weiß, dass er sich mit seiner klaren Haltung nicht überall Freunde macht, aber das ist auch nicht sein Ziel. Selbst sein Trainer Horngacher verriet nun, dass er erst lernen musste, mit ihm umzugehen und, dass es gerade am Anfang durchaus auch das eine oder andere Streitgespräch gab, wo es auch mal „richtig gescheppert“ hätte.
Doch macht man sich die Mühe, Raimund kennenzulernen, stellt man wie der Bundestrainer schnell fest, dass der 25-Jährige nicht nur „ein wahnsinniger Sportler“, sondern auch „ein sehr feiner Mensch“ ist. Einer, den das deutsche Skispringen und generell der Wintersport in Deutschland mit seiner unverblümten Art gut gebrauchen kann.
Einer, der sich nicht wegduckt und weiß, wie man Hürden überwindet, die sich einem in den Weg stellen. Dies beweist Raimund quasi tagtäglich, denn er leidet unter Höhenangst, was für einen Skispringer wenig überraschend nicht ideal ist. Doch der DSV-Adler hat dies zumindest abseits vom Skifliegen inzwischen gut im Griff.
Olympiasieg für Raimund ein Traum
Dass ihm Gleiches auch mit seinen Emotionen sowie seinen Nerven gelingen kann, bewies er nun bei seinen Sprüngen zu Gold eindrucksvoll. Genau das könnte auch der Schlüssel sein, dass aus Raimund nun der konstante Podiumsspringer wird, den man beim Gewinn des Sommer-Grand-Prix vor der Saison bereits bestaunen konnte.
Gut möglich, dass es in Zukunft noch öfter Erfolge von ihm zu bejubeln gibt. Zunächst einmal muss er aber erstmal diesen Gold-Coup realisieren. „Ich hoffe, dass ich morgen nicht aufwache und die Medaille ist nicht mehr da und es war alles ein Traum“, sagte er auf SPORT1-Nachfrage.
Auch nach seinem größten Triumph gab Raimund Einblicke in seine Gedanken – und er darf beruhigt sein: Es ist alles Realität. Das darf nicht nur ihn, sondern auch die deutschen Skisprung-Fans, Reporter und Sponsoren freuen, die mit Raimund auf und neben der Schanze noch viel Spaß haben werden.
Auch wenn er sich seinen „übertriebenen“ Jubel nun womöglich häufiger für den 2. Durchgang aufspart.