Der ukrainische Sportminister Matwij Bidny hat die vom IOC beschlossene Wiedereingliederung russischer Athletinnen und Athleten am Tag nach einem tödlichen Raketenanschlag auf Kiew als „besonders zynisch“ bezeichnet. „Russland mit Zugeständnissen zu belohnen, während unsere Hauptstadt um die Opfer dieses brutalen Angriffs trauert, ist der Gipfel der Heuchelei“, sagte Bidny im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Russlands Sportlern und Mannschaften am Dienstag den Weg zurück in den Weltsport geebnet. Unter der Führung von Präsidentin Kirsty Coventry entschied die Exekutive, die seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor viereinhalb Jahren geltenden Empfehlungen an die Weltverbände ebenso aufzuheben wie die Suspendierung des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (ROC).
„Indem das IOC die Beschränkungen lockert, spielt es einem blutrünstigen Aggressor in die Hände“, sagte Bidny.
Entscheidung über neutrale Flagge steht aus
Das IOC hatte argumentiert, dass das ROC in den besetzten Gebieten in der Ukraine keine Regionalverbände mehr kontrolliere. Dem widersprach Bidny: „Die Ukraine liefert dem IOC regelmäßig Beweise dafür, dass Russland seine aktiven Operationen in unseren besetzten Gebieten fortsetzt“, sagte er und verwies auf die Integration lokaler Teams in russische Meisterschaften.
Die Entscheidung darüber, ob Russland 2028 in Los Angeles wieder unter eigener Flagge und mit eigener Hymne starten darf, steht noch aus. Auch verurteilte das IOC den Krieg und erneuerte seine Solidarität mit dem ukrainischen Sport durch finanzielle Hilfen und logistische Unterstützung der Athleten.
Auch Christiane Schenderlein (CDU) als Vertreterin der Bundesregierung versicherte im Gespräch mit dem SID: „Wir stehen ganz fest an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer.“ Sie versprach, die Situation zu beobachten. Die Sportstaatsministerin sagte aber auch: „Es ist nach wie vor so, dass die Sportverbände die Entscheidung treffen.“
DOSB zeigt Verständnis für das IOC
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigte Verständnis für das IOC. Der Weltsport sei „mehr als je zuvor herausgefordert, in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Menschen wirken zu können“.
Man empfehle gleichwohl „derzeit“ seinen Mitgliedsverbänden, „bei der Durchführung von internationalen Wettkämpfen russische Athletinnen und Athleten, wenn möglich, unter neutralem Status teilnehmen zu lassen und die Entsendung von Athletinnen und Athleten zu internationalen Wettbewerben in Russland sorgfältig zu prüfen“.