Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) aufgefordert, sich bei den Sommerspielen 2028 in Los Angeles vor möglicher politischer Einflussname im Stile der „Causa Balogun“ zu wappnen – und gibt sich zugleich keinen Illusionen hin. „Die Olympische Bewegung muss festlegen, wie man das verhindert“, sagte Fricke im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) und setzte hinzu: „Zu 100 Prozent wird das nicht zu verhindern sein.“

Er persönlich „würde es übrigens bekannt machen, wenn mich einer anruft und versucht, Druck auszuüben. Bisher gab es das aber nicht“, führte der 60-Jährige aus, der seit einem knappen Jahr das Hauptamt beim Deutschen Olympischen Sportbund bekleidet.

Als die telefonische Intervention von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino wegen der Rotsperre von US-Torjäger Folarin Balogun bei der Fußball-WM publik wurde, sei er eher enttäuscht als überrascht gewesen, erläuterte Fricke: „Wir sind als DOSB nicht naiv. Als wir das gesehen haben, haben wir sofort gefragt: Und was bedeutet das für LA? Die Tatsache, dass anscheinend jemand anrufen kann und dann Änderungen kommen, lässt eine Frage zu: Wo wird noch angerufen – und wir kriegen es gar nicht mit? Die Gefahr ist groß, dass Politik versucht ist, zu sagen: Ich entscheide das.“

Mit skeptischer Distanz beobachtet Fricke auch die Entwicklungen in Russland nach der weitgehenden Wiederaufnahme des Landes in den organisierten Weltsport durch das IOC. „Ich habe ausdrücklich kein Vertrauen in die sportliche Führung Russlands“, erklärte der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete: „Ich mache mir auch nichts vor, in totalitären Systemen wird auf jeden Einzelnen Druck ausgeübt. Ich muss genau gucken, wo ist die Grenze, was geht, was geht nicht. Daher unterstützen wir Lösungen, die sportliche Begegnungen unter fairen Bedingungen möglich machen. Alle Versuche, einfache Lösungen zu finden, springen bei der Komplexität des Themas zu kurz.“