Die Wetterkapriolen sind Schnee von gestern, der Himmel leuchtet wieder stahlblau über dem Olympia-Ort Yanqing.
Doch in ihrem Kopf, berichtet Ski-Star Mikaela Shiffrin, sei es noch immer „bewölkt“. Die dunklen Tage in China haben Spuren hinterlassen bei der größten Skirennläuferin der Gegenwart.
Vier Rennen, zweimal das ebenso bittere wie tränenreiche Aus, ein neunter und ein 18. Platz – eine enttäuschende Bilanz. Die letzte Chance auf eine Einzelmedaille hat die 26-Jährige am Donnerstag (ab 3.30 Uhr im LIVETICKER) in der alpinen Kombination. (DATEN: Der Zeitplan von Olympia 2022)
Spätestens seit der Abreise der angeschlagenen Slalom-Olympiasiegerin Petra Vlhova, bei der WM noch Zweite hinter Shiffrin, gilt die US-Amerikanerin als Topfavoritin. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)
Shiffrin „emotional müde“
Aber was heißt das schon nach all den Tiefschlägen? „Emotional müde“, habe sie sich gefühlt, erzählt Shiffrin offenherzig, und mit dieser „Dumpfheit“ im Kopf fahre es sich nicht schnell.
„Es war hart, all die Schlagzeilen zu lesen: rausgeflogen, gescheitert, hat die Welt enttäuscht“, meint sie getroffen. Aber es stimme ja, auch sie selbst betrachte diese Spiele als „Fehlschlag“. Bis jetzt.
Beim Date mit ihrem Freund Aleksander Aamodt Kilde, der in Peking Silber und Bronze gewann, versuchte sie am Valentinstag, auf andere Gedanken zu kommen. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)
Aber auch da ging es, natürlich, wieder ums Skifahren. „Stunden über Stunden“ habe sie Video-Analyse betrieben, sagt sie, „ich neige dazu, zu viel nachzudenken – und das macht es schwierig, frei zu fahren“.
Shiffrin mit Problemen bei der Abfahrt
Das scheinbar Spielerische hat Shiffrin immer ausgezeichnet, ihr Instinkt für diesen halsbrecherischen Sport. Dass sie sich darauf nicht mehr verlassen kann, hat sie tief verunsichert.
In der Abfahrt habe sie sich wie eine Anfängerin beim Crashkurs gefühlt, gesteht sie. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)
Ihr Problem: In der Kombi ist das die erste Teildisziplin. Die Abfahrt und der folgende Slalom könnten „unterschiedlicher nicht sein“, sagt Shiffrin, „es ist, als würde man zwei verschiedene Sportarten an ein und demselben Tag ausüben“.
Was, wenn es wieder schiefgeht? Sie könnte auf ihre Olympiasiege 2014 und 2018 oder die anderen zwölf Medaillen bei Großereignissen verweisen, sagt sie, „aber das nimmt mir nichts von dem Schmerz“. Die Wolken in ihrem Kopf vertreibt nur der Erfolg.