Nach Denise Herrmanns Goldmedaille im Einzelrennen haben die deutschen Biathletinnen im Sprint ihr schlechtestes Olympia-Ergebnis der Geschichte eingefahren.
Vier Tage nach ihrem Triumph im Klassiker war Herrmann in Zhangjiakou über 7,5 km nach zwei Strafrunden weit abgeschlagen und musste sich mit Rang 22 begnügen.
Die fehlerfreie norwegische Topfavoritin Marte Olsbu Röiseland holte sich nach dem Sieg mit der Mixed-Staffel schon ihre zweite Goldmedaille in Peking, zudem war sie im Einzel Dritte geworden. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)
Die elfmalige Weltmeisterin siegte im Sprint vor der Schwedin Elvira Öberg (0 Strafrunden/+30,9 Sekunden) und der Italienerin Dorothea Wierer (0/+37,2), Norwegen übernahm damit vorerst wieder Platz 1 im Medaillenspiegel vor Deutschland (SERVICE: Der Medaillenspiegel).
Als beste Deutsche kam nur die fehlerfreie Olympia-Debütantin Vanessa Voigt als 18. gerade noch in die Top 20.
So schlecht wie noch nie
Für das zuvor schlechteste Sprint-Ergebnis bei Olympischen Winterspielen, bei denen die Biathletinnen seit 1992 um Medaillen kämpfen, hatten die Athletinnen des Deutschen Skiverbandes (DSV) 2014 in Sotschi gesorgt. Damals war Evi Sachenbacher-Stehle als beste Deutsche Elfte geworden.
„Damit kann ich unter dem Strich natürlich nicht zufrieden sein“, sagte Herrmann in der ARD über ihre Leistung.
Preuß den Tränen nahe
In die Verfolgung am Sonntag (10 Uhr im LIVETICKER) geht Herrmann mit einer großen Hypothek, der Rückstand auf Röiseland beträgt 1:45,1 Minuten. Voigt geht 13,7 Sekunden vor Herrmann ins Rennen. (DATEN: Der Zeitplan von Olympia 2022)
Auch Franziska Preuß (2 Strafrunden/+1,57,1 Minuten) und Vanessa Hinz (3/+2,40,0) blieben im Sprint deutlich hinter den Erwartungen zurück. Läuferisch konnten die DSV-Starterinnen mit den Topathletinnen nicht mithalten.
Vor allem Preuß, die wegen einer Fußverletzung nach einem Treppensturz und einer Corona-Infektion eine zweimonatige Wettkampfpause hatte einlegen müssen, war untröstlich.
„Mich nervt es einfach richtig, weil ich nicht die Biathletin sein kann, die ich sein möchte und eigentlich auch bin“, sagte sie den Tränen nahe: „So sehe ich auch einfach keinen Sinn mehr weiterzumachen.“
Nach einem fehlerfreien Liegendschießen sei sie stehend „viel zu verkopft“ gewesen: „Die Lockerheit ist komplett weg. Mir geht es auf der Strecke auch nicht gut.“
Herrmann mit „blödem“ Fehler
Herrmann, die über die kürzeste aller Renndistanzen schon drei Weltcupsiege gesammelt hatte, ärgerte sich über ein Malheur beim ersten Schuss des Liegendanschlags.
„Aus Versehen ist der erste Schuss schon rausgekommen“, sagte die 33-Jährige: „Einfach den Abzug schon zu betätigen, obwohl man noch nicht auf der Scheibe ist, das kann passieren – aber es ist natürlich blöd, wenn es beim ersten Schuss und im Olympia-Rennen passiert.“
Dennoch wollte sie den Sprint schnell abhaken. „In der Verfolgung heißt es Angriff nach vorn“, sagte Herrmann – auch wenn die Ausgangslage alles andere als gut ist. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)