Wie Pippen vom Jordan-Partner zum großen Neider wurde
So spektakulär lebte Jordan zu Bulls-Zeiten
Scottie Pippen geht als einer der erfolgreichsten Spieler der NBA in die Geschichte rein. Diese Erfolge reichen ihm aber nicht, weil er nach eigener Meinung zu sehr im Schatten von Michael Jordan steht. Heute feiert er Geburtstag.
Sechs NBA-Titel, zwei Olympiasiege und Mitglied in der Hall of Fame – kaum ein Basketballer kann so viele Erfolge vorweisen wie Scottie Pippen. Und trotzdem fällt sein Name in der Konversation über die besten Spieler aller Zeiten so gut wie nie.
Vor seinem kongenialen Partner Michael Jordan sieht ihn tatsächlich wohl keiner. Etwas, dass Pippens Leben bis heute belastet und sein Verhältnis zum Mega-Star stark einschränkt.
Heute feiert Pippen seinen 61. Geburtstag. Zu einer möglichen Geburtstagsfeier wird er Jordan wohl kaum einladen. Und das, obwohl beide Karrieren ohne den jeweils anderen nie so erfolgreich geworden wären.
Pippen war das fehlende Puzzleteil der Bulls-Dynastie. Und doch verbrachte er große Teile seines Lebens im Schatten eines Mannes, der zum größten Basketball-Mythos der Sportgeschichte wurde.
Pippen galt lange nicht als gut genug für die NBA
Dabei sollte Pippen eigentlich froh sein, dass er überhaupt solch eine Weltkarriere hinlegte. Denn nichts deutete zunächst auf eine der größten Karrieren der Basketball-Geschichte hin.
Der heute 61-Jährige wurde 1965 im kleinen Hamburg im US-Bundesstaat Arkansas geboren. Er war der jüngste von zwölf Geschwistern und galt als Kind nicht als absolutes Top-Talent. Ein Angebot eines großen Colleges erhielt er deshalb auch nicht.
Erst an der kleinen University of Central Arkansas erhielt er eine Chance. Dort arbeitete er anfangs sogar als Teammanager, ehe er sich mit starken Leistungen und wohl auch durch einen enormen Wachstumsschub von 1,85 Meter auf 2,03 Meter in den Fokus der NBA spielte.
1987 wurde Pippen an fünfter Stelle gedraftet und landete anschließend bei den Chicago Bulls. Dort sollte er schon bald die perfekte Ergänzung zu Jordan werden.
Pippen revolutionierte den Basketball
Der 2,03 Meter große Forward revolutionierte quasi die Rolle auf seiner Position. Pippen verteidigte mehrere Positionen gleichzeitig, organisierte Angriffe wie ein Point Guard und war gleichzeitig einer der besten Flügelverteidiger seiner Generation. Viele Experten sehen ihn bis heute als Prototyp des modernen Point Forward.
Sein Skillset ergänzte zudem das des hyperathletischen Jordan perfekt. Zusammen führten sie die Bulls zwischen 1991 und 1998 zu sechs NBA-Meisterschaften. Während Jordan die Schlagzeilen dominierte, erledigte Pippen einen Großteil der Arbeit im Hintergrund. Sie gelten bis heute als eines der erfolgreichsten Duos der Sportgeschichte.
Wie gut Pippen war, zeigen auch seine zahlreichen individuellen Auszeichnungen. Gleich siebenmal wurde er All Star. Zudem wurde er achtmal ins All-Defensive First Team gewählt. In seiner Zeit bei den Bulls legte er zwischen 1987 und 1998 17,7 Punkte, 6,7 Rebounds, 5,3 Assists und 2,1 Steals pro Spiel auf.
Besonders bemerkenswert war auch die Saison 1993/94, als Jordan zum Baseball gewechselt war und Pippen als Top-Star des Teams die Bulls mit 22,0 Punkten, 8,7 Rebounds, 5,6 Assists und 2,9 Steals zu 55 Siegen führte und im MVP-Rennen Dritter wurde.
Pippen tönte: „Ohne mich hätte es den großen Jordan nicht gegeben“
Doch seine Kritiker, die ihn eben nur als Sidekick vom großen Michael Jordan sahen, wurde er auch mit dieser starken Saison nicht los. Wohl auch, weil es am Ende eben nicht für den Meistertitel reichte. Als Jordan zu den Bulls zurückkehrte, kamen auch wieder die NBA-Meisterschaften nach Illinois zurück.
Pippen-Kritiker fühlten sich bestätigt. Während Jordan zum globalen Sportphänomen wurde, blieb Pippen für viele Fans lediglich die Nummer zwei. Diese Wahrnehmung nagte jahrelang an ihm. In seiner Autobiografie „Unguarded“ beschrieb er 2021 deutlich, wie sehr ihn die dauerhafte Rolle als Jordans Helfer störte.
Dabei stellte er sogar eine steile These auf: „Ohne mich hätte es kein einziges Meisterschafts-Banner gegeben. Auch den großen Michael Jordan, wie wir ihn kennen, hätte es nicht gegeben.“
Jordan-Doku sorgt für endgültigen Bruch
Für den endgültigen Bruch der einstigen kongenialen Partner sorgte dann die ESPN– und Netflix-Dokumentation „The Last Dance“ über die erfolgreichen 90er der Chicago Bulls.
Pippen warf der Dokumentation vor, Jordan auf ein Podest zu stellen und die Leistungen der übrigen Spieler herunterzuspielen. „Ich war nichts weiter als ein Requisit“, schrieb Pippen in seinem Buch: „Er nannte mich seinen besten Teamkameraden aller Zeiten. Herablassender hätte er kaum sein können.“
Während die Fans die Dokumentation feierten, verärgerte sie ihn zutiefst. Er empfand die Darstellung nicht als Wertschätzung, sondern als erneute Bestätigung seiner so verhassten Nebenrolle.
Jordan immer voll des Lobes für Pippen
Im Anschluss schoss Pippen in der Öffentlichkeit gleich mehrmals gegen seinen ehemaligen Teamkollegen. Zudem positionierte er sich in vielen Diskussionen oft äußerst auffällig auf der Seite von Jordan-Kritikern.
Und MJ selbst? Der hielt sich stets zurück oder lobte seinen ehemaligen kongenialen Partner sogar. „Immer wenn Sie über Michael Jordan sprechen, sollten sie auch über Scottie Pippen sprechen“, sagte er beispielsweise in seiner Dokumentation.
„Alle sagen, ich habe all diese Meisterschaften gewonnen. Aber ich habe nicht ohne Scottie Pippen gewonnen“, sagte Jordan an anderer Stelle: „Ich werde nie wieder solch einen Partner finden, der so wichtig war, wie Scottie Pippen.“
Angespannt bleibt ihr Verhältnis trotzdem – und dass, obwohl beide im Anschluss an die Doku sogar über das Thema sprachen, wie Pippen enthüllte. Er habe Jordan seine Enttäuschung über die Dokumentation persönlich mitgeteilt. Dessen Reaktion sei vergleichsweise nüchtern ausgefallen: Er habe die Kritik akzeptiert und ihm gesagt: „Hey, du hast recht!“ Ob Jordan das selbst auch wirklich so sieht, ist aber unklar.
Pippen verhalf Jordan zu seinem unantastbaren Status
Genauso unklar ist, ob das angespannte Verhältnis der beiden Mega-Stars noch zu kitten ist. Fest steht: Ohne Michael Jordan hätte Scottie Pippen wohl nie sechs Meisterschaften gewonnen. Ohne Pippen wäre Jordan aber kaum zu jener Basketball-Ikone geworden, als die ihn die Welt heute kennt.
Genau darin liegt die Tragik dieser Beziehung. Der eine wurde zum Mythos. Der andere half dabei, den Mythos zu erschaffen, fühlte sich dafür aber nie ausreichend gewürdigt. Aus fehlender Wertschätzung entwickelte sich über die Jahre dann sogar echter Neid.
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Am Ende werden die sechs Titel die beiden für immer verbinden. Doch während Jordan als unantastbare Ikone in die Sportgeschichte einging, kämpft Pippen bis heute um seinen Platz im selben Kapitel.