Zverevs Bruder stichelt gegen Sinner und Alcaraz
Zverevs US-Open-Triumph im Video
Klare Kante! Mit deutlichen Worten weist Mischa Zverev im SPORT1-Interview die Kritiker seines Bruders Alexander in die Schranken, stichelt gegen dessen Rivalen - und spricht offen über ein ausstehendes Ziel.
Gut eine Woche ist es her, dass Alexander Zverev die US Open gewonnen hat. Für den 29-Jährigen war es der zweite Grand-Slam-Titel seiner Karriere nach dem Triumph in Paris.
Am Wochenende war Zverev im westfälischen Halle gleich wieder im Davis Cup im Einsatz und führte das deutsche Team in die Finalrunde, die im November in Bologna stattfindet.
Im Rahmen einer Club Tour sprach SPORT1 in Aschaffenburg mit seinem Bruder und Manager Mischa Zverev. Dieser konterte die Kritiker seines Bruders und formulierte anspruchsvolle neue Ziele.
SPORT1: Wie sind die letzten Tage seit dem US-Open-Sieg verlaufen?
Zverev: New York war schön, emotional und hat viel Spaß gemacht. Das war eine schöne Reise. Dann ist man nach Hause gekommen. Sascha war nur ganz kurz zuhause und ist dann am Donnerstag wieder zum Davis-Cup gefahren.
Davis Cup? „Wir haben nicht gesagt: auf gar keinen Fall spielen“
SPORT1: Dass Sascha beim Davis Cup startet, war vorher nicht ganz klar. Ihr habt überlegt, ob er lieber eine Pause einlegt …
Zverev: Körperlich braucht der Mensch eine Pause nach so einer Reise. Aber ich habe auch gesagt: Wenn du das im Kopf locker angehen kannst, dann spiel. Matchpraxis ist schön, du bist mit den Jungs zusammen, du hast gute Laune, das ist eine schöne Atmosphäre. Nimm das gerne mit. Wir haben nicht gesagt: auf gar keinen Fall spielen. Es ist eher so, dass du auf deinen Körper hören musst. Wenn du völlig platt bist und Verletzungsgefahr besteht, dann natürlich nicht. Aber wenn du das Gefühl hast, dass es vom Körper her geht und du nicht komplett platt im Kopf bist, dann spielt man – klar. Und dann spielt man auch immer sehr, sehr gerne für sein Land. Das hat man auch in der Vergangenheit gesehen.
SPORT1: Paris und die US Open – kann man die beiden Siege miteinander vergleichen? Wenn ja, welcher ist mehr wert?
Zverev: Der erste Grand Slam ist immer etwas Besonderes. Vielleicht war Paris auch emotional für alle anstrengender, weil es zum ersten Mal passiert ist. Man hat so lange darauf gewartet und New York war für mich fast schöner, weil ich die Reise in New York vielleicht ein bisschen mehr genießen konnte. Die war auch kurios mit den ersten beiden Matches. Beide gingen über fünf Sätze und wir sind immer ganz spät im Bett gewesen an dem Tag. Aber insgesamt war das auch eine spannende und interessante Woche. Und weit über 20.000 Menschen im Arthur-Ashe-Stadion machen einfach mehr Lärm als der Philippe-Chatrier in Paris.
"Das ist total nervig": Dieses Zverev-Detail lässt aufhorchen
SPORT1: Trotz seines zweiten Grand-Slam-Titels gibt es weiterhin Kritiker, die seine Erfolge relativieren. Jannik Sinner war nicht dabei, Carlos Alcaraz kam nach langer Verletzung erst kurz vor den US Open zurück, heißt es. Und dann ist auch noch die Debatte aufgekommen, dass Sascha sich vor seinen Aufschlägen zu lange Zeit nimmt. Wie sieht er das, wie kommt das bei ihm an?
Zverev: Ich glaube, das interessiert keinen (lacht). Es ist genauso, als wenn man einen Grand Slam gewinnt und jemand sich über die Farbe der Socken beschwert. Es gibt immer irgendwas, worüber man schreiben oder was sagen kann. Das ist völlig normal, wenn man sich jetzt die letzten 25 Jahre anschaut. Irgendwann war es Lleyton Hewitt mit seinem „Come on“, dann war es Rafael Nadal mit seinen Ritualen vor dem Aufschlag, dann war es Sharapova mit ihrem Stöhnen. Das ist immer so, das wird auch immer so bleiben. Wenn jemand gewinnt und Erfolg hat, wird es immer jemanden geben, der sagt: Das und das gefällt einem persönlich jetzt nicht.
„Was heißt fehlende Anerkennung?“
SPORT1: Aber spürt er diese fehlende Anerkennung?
Zverev: Nein, also was heißt fehlende Anerkennung? Warum waren die nicht dabei? Weil sie verletzt waren. Warum ist man verletzt? Weil man irgendwo einfach nicht stark genug ist oder weil man übertrieben hat. Weil man nicht auskuriert hat, wenn es sein musste. Es gibt ja einen Grund. Es war nicht einfach so, dass sie keine Lust haben. In dem Sinne muss man sagen: Guck mal, Sascha ist älter als die Spieler, aber er ist dabei, er ist fit. Diesen jüngeren Spielern müsste man sagen: Ja, ein jüngerer Motor muss nicht besser laufen. Deswegen sehe ich das überhaupt nicht so, als könnte man es kleinreden. Er ist seit so vielen Jahren dabei. Er hatte eine unfassbare Verletzung 2022, bei der teilweise einige gesagt haben, dass er nie wieder so zurückkommen wird, wie er früher war – und dann kommt er zurück und spielt so. Also, wie gesagt, es wird immer jemanden geben, der irgendwas sagt.
SPORT1: Es kann jetzt eigentlich nur noch ein Ziel geben: Nummer eins, oder?
Zverev: Es gibt viele Ziele im Leben. Aber ja, auf dem Papier wäre das ein Ziel, das man noch erreichen könnte.
SPORT1: Wann könnte man das erreichen?
Zverev: Das weiß man leider nie. Aber die Chance besteht. Wir arbeiten darauf hin und wir gucken, was auf uns zukommt.