Nathalie Pohl: Ihr Vater rettete ihr das Leben

Als Extremschwimmerin Nathalie Pohl um ihr Leben bangen musste
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Als Extremschwimmerin Nathalie Pohl um ihr Leben bangen musste

Im SPORT1-Podcast "Deep Dive" blickt Nathalie Pohl auf unvergessliche Momente ihrer bisherigen Karriere als Extremschwimmerin zurück. Sie spricht über Grenzsituationen, ihren Ansporn - und berichtet, wie ihr Vater ihr Leben rettete.

Kurz vorm Ertrinken, Schwimmen mit einer Körpertemperatur von unter 30 Grad und nachts im Meer unterwegs: Nathalie Pohl sucht die heftigsten Herausforderungen. Sie gehört zu den erfolgreichsten Extremschwimmerinnen der Welt und hat als erste Deutsche überhaupt die Ocean’s Seven gemeistert – die sieben herausforderndsten Schwimmstrecken der Erde.

Pohl hat auf ihren Expeditionen bereits lebensgefährliche Situationen erlebt. Doch selbst dramatische Rückschläge haben die 32-Jährige nicht davon abgehalten, weiter an ihrem Traum festzuhalten. Im SPORT1-Podcast Deep Dive mit Host Lenny Peteanu lässt sie einige ihrer Erlebnisse Revue passieren.

Nathalie Pohl ist Deutschlands profilierteste Extremschwimmerin
Nathalie Pohl ist Deutschlands profilierteste ExtremschwimmerinNathalie Pohl ist Deutschlands profilierteste Extremschwimmerin© IMAGO / Ingo Kutsche

Ihr Vater rettete ihr das Leben

Es sollte der erste große Schritt auf dem Weg zu ihrem Traum, den Ocean’s Seven, werden – und endete beinahe tödlich. 2015 wagte Pohl erstmals die Durchquerung des knapp 40 Kilometer Ärmelkanals zwischen England und Frankreich.

Nach knapp zwölf Stunden nahm das Vorhaben dann eine gefährliche Wendung: Weit vor der Küste Frankreichs verlor die 32-Jährige die Kontrolle über sich selbst. Ihr Vater, der die Expedition auf einem Boot begleitete, erkannte die Gefahr und rettete sie aus den Fängen des Meeres.

„Es war kurz vor extrem knapp, dass ich es überhaupt überlebe“, erinnerte sich Pohl in Deep Dive. „Ich habe super viele Fehler gemacht“. Mit einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung war die Extremsportlerin nach diesem lebensgefährlichen Vorfall im Krankenhaus aufgewacht. Zu viel Salzwasser und die falsche Position beim Schwimmen hinter dem Boot waren der damals 20-Jährigen zum Verhängnis geworden.

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„Das sind dann schon so Momente, wenn man dann im Krankenhaus aufwacht“, resümierte Pohl, in denen sie sich selbst gefragt hatte, „habe ich jetzt die richtige Entscheidung getroffen, diesen Sport oder dieses Freiwasserschwimmen überhaupt weiterzumachen?“.

Doch wider aller Erwartungen und kritischer Stimmen aus ihrem persönlichen Umfeld war sich Pohl sicher: „Ich kann das schaffen“. Knapp ein Jahr später, im Oktober 2016, stellte Pohl genau das unter Beweis. Der Wille, sich ihren Traum von einer Ärmelkanal-Durchquerung zu erfüllen, hatte gesiegt. „Je mehr Sachen nicht klappen, desto mehr will ich etwas haben, desto mehr will ich es mir selbst beweisen am Ende“, erklärte die Extremschwimmerin, „so war das schon immer, so bin ich einfach“. Die erste von sieben Stationen der Ocean’s Seven hatte sie bezwungen.

Im Nachhinein ist Pohl froh über diese gewonnene Erfahrung. „Wenn damals alles reibungslos funktioniert hätte“, sagte sie, „hätte ich vielleicht gar nicht gemerkt, was es eigentlich heißt und wie extrem dieser Sport ist“. Diese Nahtoderfahrung helfe ihr, die Ehrfurcht vor der Natur und vor dem Sport nicht zu verlieren.

Nicht nur im Wasser warteten Gefahren auf Pohl

Doch nicht nur das Gewässer selbst brachte Pohl an ihre Grenzen. Auch eine vermeintlich harmlose Bootstour hatte sich für die 32-Jährige zu einem Albtraum entwickelt. Die Expedition nahm ein Ende, bevor Pohl überhaupt das Wasser berührt haben sollte.

Mitten in der Nacht hatte sich die Gruppe rund um die Extremsportlerin mit einem Fischerboot auf den Weg zum Startpunkt ihrer neuen Etappe gemacht, der japanischen Tsugarustraße – einem der abgelegensten Orte der Ocean’s Seven.

„Auf einmal hört man einfach nur so einen super lauten Knall“, schilderte die 32-Jährige das Geschehen im SPORT1-Podcast. Das Fischerboot war gegen eine zehn Meter hohe Felswand gefahren. „Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie das passieren konnte.“ Das Boot begann mit Wasser vollzulaufen und zu sinken. Doch damit nicht genug: Durch den Zusammenstoß war der Kapitän bewusstlos zu Boden gegangen. Die Rettung der Gruppe verzögerte sich aufgrund diverser Missverständnisse.

„Ich habe dann angefangen zu weinen“, brachte Pohl ihre damalige Hilfslosigkeit zum Ausdruck. Pohl überlebte, musste aber zwei gebrochene Rippen in Kauf nehmen. „Das sind natürlich Momente, die vergesse ich bis heute nicht. Also es waren wirklich sehr, sehr, sehr extreme Erfahrungen, die wir da gemacht haben.“

Nathalie Pohl bei ihrer Zielankunft in Köln. Sie schwamm im Sommer 2026 200 Kilometer durch den Rhein für den guten Zweck
Nathalie Pohl bei ihrer Zielankunft in Köln. Sie schwamm im Sommer 2026 200 Kilometer durch den Rhein für den guten ZweckNathalie Pohl bei ihrer Zielankunft in Köln. Sie schwamm im Sommer 2026 200 Kilometer durch den Rhein für den guten Zweck© IMAGO/Panama Pictures

Mit Delfinen schwimmen?

Glücklicherweise kann Pohl aus heutiger Perspektive sagen, dass es nicht nur „dramatische Szenen“ in ihrer langjährigen Schwimmkarriere gab. Eine tierische Begegnung in Neuseeland beweist genau das.

Mit dem Ziel, die Cookstraße, eine weitere Station der Ocean’s Seven, zu durchqueren, nahm sie den Kampf mit den Wellen von Neuseelands Meerenge auf. Die Überraschung folgte kurze Zeit später: Nach zwei, drei Stunden gesellten sich rund 20 Delfine zur Extremschwimmerin und begleiteten sie auf ihrer Tour – auch bei Trinkpausen. „Man hat wirklich richtig gesehen, die haben an der Seite gewartet, bis ich fertig getrunken habe und sind dann wieder weiter geschwommen“, berichtete Pohl von dieser fast unglaublichen Erfahrung.

„Ich kann immer wiederkommen und es nochmal versuchen“

Nach neun Jahren konnte Pohl schlussendlich ihren riesigen Erfolg verkünden: Als erste deutsche Frau hatte sie die Ocean’s Seven bewältigt.

Die letzte Station, der Nordkanal zwischen Irland und Schottland, hatte es dabei noch einmal in sich gehabt und Pohl auch körperlich an ihre Grenzen gebracht. Während des Schwimmens war ihre Körpertemperatur auf unter 30 Grad gesunken. „Der Arzt hat sich so krass erschrocken, der hat gesagt: Wie kannst du gerade noch hier sein?“, erzählte die Marburgerin von ihrer letzten Etappe der Ocean’s Seven.

Doch was treibt Pohl immer wieder an, sich solchen Extremsituationen zu stellen? Ein ganz bestimmter Gedanke: „Das Meer bleibt ja immer da am Ende. Ich kann immer wiederkommen und es nochmal versuchen. Das habe ich mir bei meinen gescheiterten Versuchen ganz, ganz oft gedacht. Es sollte an dem Tag dann einfach nicht sein“.

Pohls Weg zeigt, wie viel Durchhaltevermögen, mentale Stärke und Mut es braucht, um selbst scheinbar unerreichbare Ziele zu verwirklichen. „Der Schwimmsport hat mein Leben verändert. Ich wäre nicht die Person, die jetzt hier sitzt, hätte ich nicht mit dem Schwimmen angefangen“, fasste die 32-Jährige bei Deep Dive ihre Beziehung zum Schwimmen zusammen.