Historische Radsport-Mission vollendet
Remco Evenepoel krönt sich mit einem dramatischen Finish erstmals zum Straßen-Europameister. Der Belgier macht sein Super-Jahr damit komplett.
Über seinen historischen Triumph konnte sich Remco Evenepoel erst mit Verzögerung freuen. Quasi auf der Ziellinie war er mit dem vermeintlich schon enteilten Italiener Giulio Ciccone gerade noch so gleichgezogen, dann begann das lange Warten auf das Zielfoto. Schließlich entschieden Millimeter zugunsten des Belgiers – der mit dem erstmaligen Gewinn des EM-Titels auf der Straße Geschichte schrieb und sein Superjahr 2026 um einen weiteren Erfolg ergänzte.
„Es ist unglaublich“, sagte Evenepoel nach dem 196,2 Kilometer langen Rennen von der slowenischen Hauptstadt Ljubljana nach Sencur am Sonntag, „ich dachte, ich hätte gewonnen, aber man kann sich nie ganz sicher sein.“ Der fotografische Beweis bestätigte Evenepoels Vorahnung, der nun als erster Fahrer der Geschichte Welt-, Europa- und nationaler Meister sowie Olympiasieger ist.
Evenepoel schafft historischen Triumph
„Ich habe bereits jede Meisterschaft im Profiradsport gewonnen, also denke ich, wir können stilvoll feiern“, betonte der 26-Jährige die besondere Bedeutung dieser Titelsammlung. Fast noch beeindruckender aber liest sich seine bisherige Bilanz für das Jahr 2026, dem ersten in seinem neuen Team Red Bull-Bora-hansgrohe an der Seite des besten deutschen Profis Florian Lipowitz.
Der im August 2025 bekannt gegebene Wechsel war begleitet worden von der Debatte, ob nun Alphatier Evenepoel oder aber der eher ruhige Lipowitz die Chefrolle einnehmen würde. Der Neuzugang selbst zeigte sich davon unbeeindruckt, überzeugte stattdessen schon zu Beginn des Jahres etwa mit Siegen bei der Valencia-Rundfahrt und dem Amstel Gold Race in den Niederlanden.
Auch bei der Tour de France ließ sich Evenepoel von der anfänglich noch offenen Kapitänsfrage nicht aufhalten. Mit zwei Etappensiegen untermauerte er seine Stärke; als Lipowitz nach einem Sturz ausschied, waren jegliche Diskussionen ohnehin beendet – und Evenepoel fuhr auf Platz zwei der Gesamtwertung.
Evenepoel ist auch Olympiasieger und Weltmeister
Historisches gelang dem Olympiasieger von Paris dann vor zwei Wochen, als er sich bei der WM in Montréal als erster Fahrer zum vierten Mal nacheinander den Titel im Einzelzeitfahren sicherte. Doch in Kanada musste Evenepoel auch eine Enttäuschung verkraften: Im Straßenrennen reichte es statt für das angepeilte Gold nur zu Rang zwölf.
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Ein kleiner Kratzer in der Jahresbilanz – der aber womöglich half, die Kräfte für den EM-Triumph am Sonntag zu bündeln. „Diese Leistung war ehrlich gesagt wirklich schwer für mich nach der Enttäuschung bei der WM“, erklärte Evenepoel nach dem Titelgewinn – die Erleichterung danach war dafür umso größer.