Das wurde aus Ost-Ikone Olaf Ludwig

von SPORT1
Das wurde aus Ost-Ikone Olaf Ludwig

Heute vor 38 Jahren triumphierte DDR-Ass Olaf Ludwig beim Straßenrennen von Olympia in Seoul - nicht die einzige große Errungenschaft der Radsport-Legende aus Gera.

Olaf Ludwig ist aus der Zeit gefallen – und wenn er ehrlich ist, ist er darüber auch ganz glücklich.

„Die Rennfahrer leben heute in einem Schlaraffenland, aber müssen sich in einem gläsernen Käfig bewegen“, sagte der ehemalige Weltklasse-Radsportler im Jahr 2020, als er seinen 60. Geburtstag feierte: „Schlafen, Aufstehen und Radfahren: Ob das wirklich das Paradies ist, muss jeder für sich entscheiden.“

Mit Tadej Pogacar, Florian Lipowitz und Co. würde der „Eddy Merckx des Ostens“ also nicht tauschen wollen. Und überhaupt: „Mit meinem Gewicht von damals würde ich heutzutage ja durchfallen“, sagte Ludwig. Etwas mehr als 80 Kilogramm brachte er zu seinen aktiven Zeiten auf die Waage. Recht viel für einen Radprofi.

Doch der „schwere Ludwig“ fuhr trotzdem in der Weltspitze mit – und machte sich heute vor 38 Jahren mit seinem Olympiasieg in Seoul unsterblich.

Olaf Ludwig: Größter Coup bei Olympia 1988

Acht Jahre nachdem Ludwig 1972 eine Etappe der Friedensfahrt in seiner Geburtsstadt Gera als 12-Jähriger verfolgt hatte, war der Sohn eines Maschinisten aus dem Stadtteil Thieschitz selbst Starter bei der „Tour de France des Ostens“. Weitere neun Jahre darauf hatte er zweimal die Gesamtwertung und insgesamt 36 Etappen gewonnen.

„Die Friedensfahrt war eine Riesennummer“, erinnerte sich Ludwig, für den es aber noch weitaus größer weitergehen sollte.

Als „Staatsamateur“ der DDR triumphierte Ludwig 1988 in Seoul auf der Straße vor den BRD-Konkurrenten Bernd Gröne und Christian Henn. Staatschef Erich Honecker verlieh Ludwig den Vaterländischen Verdienstorden, zum zweiten Mal nach 1986 wurde er auch zum DDR-Sportler des Jahres gewählt.

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Grünes Trikot bei der Tour de France 1990

Nach dem Mauerfall trat Ludwig als Profi bei den wichtigsten Rennen der Welt an – und schaffte auch in diesem Bereich große Errungenschaften.

Dem Team Telekom bescherte er bei der Tour de France den ersten Etappensieg der Mannschaftsgeschichte. Am Ende seiner Laufbahn feierte er drei Etappensiege beim wichtigsten Radrennen der Welt, einmal sogar auf dem prestigeträchtigen Schlussabschnitt auf den Champs-Elysees. 1990 gewann Ludwig das Grüne Trikot des Sprintbesten.

Der Sieg bei seinem Lieblingsrennen Paris-Roubaix fehlt hingegen in seiner Sammlung. Mit seiner aktiven Laufbahn ist er dennoch „voll und ganz zufrieden“.

Bitteres Ende beim Team Telekom

Ungern spricht Ludwig über seinen endgültigen Abschied vom Radsport, den er 2006 erlebte. Nach seiner Rückkehr zum Team Telekom war er als Teamchef tätig, als die Doping-Anschuldigungen gegen Jan Ullrich enthüllt wurden. Nach dem Skandal kehrte Ludwig dem professionellen Radsport den Rücken. Ob freiwillig oder nicht – darüber bewahrt er Stillschweigen. „Das ist so, das kann man nicht mehr ändern“, sagte er.

Olaf Ludwig beim Radrennen Rund um den Dom in Magdeburg 2025
Olaf Ludwig beim Radrennen Rund um den Dom in Magdeburg 2025Olaf Ludwig beim Radrennen Rund um den Dom in Magdeburg 2025© IMAGO/Zoonar

Den Radsport von heute sieht der inzwischen 66-Jährige zwiespältig: „Es ist ein Krieg an allen Fronten um das beste Material ausgebrochen. Doch am Ende zählt nicht nur das Material, sondern das Gesamtpaket eines Fahrers“, befand er.

Auch nach seinem Rückzug aus dem Profigeschäft ist der Radsport Ludwigs Lebensthema geblieben: Seit 2008 organisiert er mit dem früheren Friedensfahrt-Organisator Jörg Strenger Radtouristik-Fahrten. Im kommenden Jahr geht es für Ludwig und seine Mitstreiter wieder ins bulgarische Pirin-Gebirge.


Mit Sport-Informations-Dienst (SID)