„Gehörig Druck machen“: Kösslers Ansage im Sturmranking

von SID

US-Legionärin Melissa Kössler drängt sich mit einem Doppelpack als Sturm-Alternative auf. Der Sieg gegen Australien gibt gehörig Selbstvertrauen auf dem Weg zur WM.

Feedback

Beim gemütlichen Abendessen mit den U23-Kolleginnen stimmte sich Melissa Kössler gleich auf die nächste Bewährungschance ein. Ihre kleine Kampfansage nach dem perfekten Länderspiel-Abend hatte die Durchstarterin schon vor dem Umzug der deutschen Fußballerinnen von Heidelberg nach Bremen serviert.

Doppelpack nährt WM-Hoffnungen

Das Ziel für das kommende Jahr? „WM – das ist ganz klar. Es wäre eine Lüge, wenn man das nicht zugeben würde“, sagte die 26-Jährige mit breitem Grinsen. Der Auftritt inklusive Doppelpack beim überzeugenden 4:2 (2:1) der DFB-Frauen gegen Australien war beste Eigenwerbung, auch der Bundestrainer wirkte beeindruckt.

„Wenn man es kurz und knapp fassen will, hat sie ihre Chance genutzt“, lobte Christian Wück: „Wenn man zwei Tore als Mittelstürmerin macht, wenn man so agiert in den Zweikämpfen, Bälle verteidigt und verteilt, dann ist es genau das, was wir in unserem Spielsystem brauchen. Sie wird den anderen Mittelstürmerinnen, die wir im Kader haben, gehörig Druck machen.“

Die vermeintlich in der Hierarchie weiter oben stehende Nicole Anyomi oder die krank fehlende Lea Schüller müssen sich anstrengen.

Wück sieht Luft im Angriff

In Abwesenheit der weiter nach einem Kreuzbandriss fehlenden Giovanna Hoffmann ist der Bundestrainer noch nicht ganz glücklich mit seiner Auswahl im Angriffszentrum. „Es ist im Moment noch ausbaufähig“, betonte Wück mit Blick auf die Titeljagd im kommenden Jahr in Brasilien (24. Juni bis 25. Juli).

Kössler bot sich in Karlsruhe mit ihren ersten beiden Toren (23., 30.) im fünften Länderspiel auf jeden Fall an.

DEINE MEINUNG

„Ich bin sehr, sehr froh“, sagte die gebürtige Potsdamerin über ihren Raketenstart in die WM-Saison. Im Januar war die U17-Europameisterin von 2017 von der TSG Hoffenheim zum Denver Summit FC in die US-amerikanische NWSL gewechselt – dem neuen Klub mit „sehr großer Fanbase“, in den unter anderem Ski-Superstar Mikaela Shiffrin investiert.

Parallelen zu Vorbild Müller

Bei Topbedingungen machte sie den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung. „Es ist ein schnelleres Spiel, sehr direkt, deutlich intensiver“, erklärte Kössler. Sie habe dort schon „ganz viel Erfahrung und Robustheit“ dazugewonnen.

Beobachter erkannten gar Parallelen zu ihrem Idol Thomas Müller. „Immer noch mein Vorbild. Cooler Fußballer“, sagte sie in der ARD: „Ob ich mir das jetzt genauer abgeguckt habe, will ich nicht sagen.“

So oder so tat sie der DFB-Elf mit ihrer Spielweise gut. Die weiteren Treffer von Camilla Küver (83.) und Sjoeke Nüsken (90.+4) waren Lohn einer starken Mannschaftsleistung, auch wenn sich das Team zu viele „vermeidbare Fehler“ geleistet habe, so Wück.

Feinschliff fürs Japan-Duell

Folge waren die Gegentreffer von Sam Kerr (45.+1) und Holly McNamara (90.+2), durch die das Spiel enger war als nötig.

Das soll sich bestenfalls schon am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) im Weserstadion gegen Asienmeister Japan verbessern. „Das wird mit Sicherheit nochmal genauso ein knappes und enges Spiel werden“, warnte Wück.

Kössler wird wieder Eigenwerbung betreiben wollen. Schließlich sei der WM-Traum „riesig“, sagte die Angreiferin: „Aber ja, ich lebe ein bisschen von Tag zu Tag, von Camp zu Camp und probiere, mein Bestes zu geben.“