FC Bayern gegen 1860 München: Es wird wieder heiß!
Kompany scherzt über Dante
Das erste Stadtderby zwischen dem FC Bayern und 1860 seit 2021 elektrisiert München. Die Rivalität ist weiterhin spürbar - nicht nur zwischen den Fans. Jüngste Ereignisse zwischen den Anhängern sorgen für Brisanz.
Wenn der FC Bayern auf den TSV 1860 München trifft, geht es in München um weit mehr als nur Fußball. Es ist ein Kampf unterschiedlicher Philosophien um die Vorherrschaft in Bayerns Landeshauptstadt – und obwohl am Sonntag „nur“ das kleine Derby in der Regionalliga steigt, ist es auch das ewige Duell Groß gegen Klein.
Ihre Rivalität tragen die Vereine dabei nicht nur auf dem Fußballplatz aus, sondern auch mit Schmähplakaten zwischen den Fanlagern und Sticheleien in der Führungsetage. Vor dem Duell der 2. Bayern-Mannschaft mit Sechzigs erstem Team am Sonntag (14 Uhr) hat der jahrzehntealte Zoff – durch die Abstiege der Löwen mehr und mehr in den Hintergrund gerückt – noch einmal an Fahrt aufgenommen.
Fans von 1860 landen Provokations-Coup bei Meisterfeier des FC Bayern
Rückblende: Bei der Meisterschaftsfeier der Bayern auf dem Marienplatz im Mai dieses Jahres hatte die Rivalität zwischen Rot und Blau einen kuriosen neuen Schwung erfahren. Dabei wirkte auf den ersten Blick alles wie immer.
Der Rekordmeister war gerade dabei, seinen neuesten Erfolg, die 35. Meisterschaft, mit seinen Anhängern zu zelebrieren. Doch dann tauchte ein riesiges Banner über den Köpfen der noch ahnungslosen Bayern-Fans auf, welches diese bereitwillig über den Platz transportierten und für alle Kameras bestens ersichtlich direkt vor dem Balkon platzierten.
Das Transparent zeigte nur scheinbar das Vereinslogo des FC Bayern München – war tatsächlich aber in der Beschriftung abgewandelt durch Beleidigungen wie „FC Bauern“ und „H****söhne“. Die ins Logo geschriebenen Zahlen „1860“ ließen die Verantwortlichen erst einmal nur vermuten.
Anzeige und Hausdurchsuchung wegen Schmähplakat bei 1860-Fan
Während in den sozialen Medien mit Gelächter und Diskussionen reagiert worden war, nahm der FC Bayern diese Schmäh-Aktion deutlich ernster. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung von FCB-Präsident Herbert Hainer hat der Erstligist zuletzt doch strafrechtliche Schritte eingeleitet.
1860-Streich? Dreesen reagiert spöttisch
Eine Hausdurchsuchung bei einem Sechziger-Anhänger kurz vor dem ersten Stadtderby seit 2021 verleiht dem Duell nun eine Extraportion Brisanz.
Die Rivalität wird nicht nur auf den Rängen ausgetragen
Das Schmähbanner auf dem Marienplatz war dabei aber nur eine weitere Episode in einer Rivalität, die durchaus wieder an Temperatur zugenommen hat. Bereits Ende letztes Jahres hatten 1860 und die Bayern für Schlagzeilen gesorgt.
Das Überraschende daran: Die Protagonisten waren keine Fans, stattdessen wurde in den Führungsetagen ausgeteilt. Im Mittelpunkt stand eine Begegnung zwischen 1860-Präsident Gernot Mang und FCB-Präsident Herbert Hainer bei einem Event des Bayerischen Fußballverbands.
Hainer hatte an diesem Abend nicht erkannt, dass der Präsident des Stadtrivalen vor ihm stand. Mang fühlte sich in seiner Ehre verletzt und erklärte: „Ich würde sagen, dass man aus Respekt schon wissen sollte, wen man gegenüber hat. Alle anderen haben das gewusst.“
1860-Präsident Mang teilt gegen Hainer aus: „Bisschen Demut würde guttun“
Doch nicht nur an diesem Verhalten störte sich Mang: „Dann hat sich Hainer noch von allen verabschiedet, dass er jetzt nach Paris zur Champions League müsse und drückte das allen anderen Vereinen rein.“ Mit seiner folgenden Aussage goss der 58-Jährige noch einmal Öl ins Feuer: „Das zeigt wieder: Ein bisschen Demut würde diesem Verein guttun.“
Hainer konnte das Problem nicht verstehen. Er habe den Löwen-Präsidenten schlichtweg nicht gekannt. Der FCB-Boss betonte: „Ich bin hingegangen und habe ihn begrüßt“. Als Reaktion auf Mangs-Attacke konnte aber auch er sich keine Stichelei verkneifen: „Es ist ja nicht so, dass bei Sechzig ein Präsident 25 Jahre da ist.“
FC Bayern ist 1860 München längst um mehrere Ligen enteilt
Wieder einmal waren die unterschiedlichen Spielklassen und finanziellen Situationen der beiden Münchner Vereine zum Auslöser eines Seitenhiebs geworden. Nach Jahren, in denen sich beide Münchner Vereine noch in der Bundesliga duellierten und Sechzig immer wieder mit Derbysiegen die großen Bayern ärgern konnte, trennen die Klubs heute vier Ligen und finanziell Welten.
Der FC Bayern peilt als milliardenschweren europäischen Spitzenklub jedes Jahr die Meisterschaft und den Titel in der Champions League an, die Löwen hingegen mussten sowohl finanzielle als auch sportliche Krisen mit mehreren Abstiegen verkraften. Im Sommer dieses Jahres folgte der Zwangsabstieg in die Regionalliga.
Eine Frage des Respekts?
Nach dem Vorfall in der Führungsetage hatte sich die Rivalität auf die Stadionränge verschoben. Die Bayern-Anhänger ließen die Kritik an ihrem Präsidenten nicht einfach auf sich sitzen und nahmen ihrerseits den Boss ihres Stadtrivalen ins Visier. Beim Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg im November 2025 entrollten sie zwei Spruchbänder mit der Aufschrift: „Respekt muss Mang sich verdienen, du H****sohn.“
Aus dem Streit zwischen den Vereinspräsidenten war ein öffentlicher Schlagabtausch zwischen den beiden Münchner Fanlagern geworden. Mang sah darin eine klare Grenzüberschreitung: „Der FC Bayern hat mich persönlich beleidigt. Das ist ganz weit weg von Respekt“, schimpfte er am folgenden Spieltag. Die Löwen-Anhänger legten ihrerseits mit der Banner-Aktion auf dem Marienplatz nach.
Hochsicherheitsspiel in der Regionalliga – Eberl im Stadion
Ob auf oder neben dem Platz: Zwischen Rot und Blau dürfte die Rivalität beim „kleinen“ Stadtderby zwischen FC Bayern II und TSV 1860 München auch wieder zu spüren sein. Das Aufeinandertreffen der beiden Teams wurde von der Polizei zumindest als ein Hochsicherheitsspiel eingestuft.
Voller Vorfreude witzelte Vincent Kompany am Freitag mit Blick auf seinen Kollegen von der 2. Mannschaft: „Dante hat viel mehr Haare als ich, aber vielleicht nach diesem Spiel nicht mehr.“ Sportvorstand Max Eberl kündigte an, dass er das Spiel selbstverständlich im Stadion verfolgen werde.
Für die Sechziger geht es darum, weiter um die Tabellenführung mitzuspielen. Hinter dem FC Memmingen und dem TSV Buchbach belegen die Löwen mit zwei Spielen Rückstand den 3. Platz der Regionalliga. Bayern II befindet sich aktuell nur auf dem 13. Platz – in der Regionalliga schauen also tatsächlich die Blauen auf die Roten herab.