Die ersten Gewinner und Verlierer unter Klopp
"Sehr verrückt!" DFB-Neuling kann sein Glück nicht glauben
Die erste Abstellungsperiode unter Jürgen Klopp ist vorbei – und die ersten Gewinner und Verlierer stehen fest. Einige Spieler nutzten ihre Chance und spielten sich nachhaltig ins Rampenlicht. Andere enttäuschten und müssen bereits um eine erneute Nominierung bangen. Und dann ist da noch Joshua Kimmich, der in eine ganz eigene Kategorie fällt.
Viel Zeit hatten die DFB-Spieler nicht, um Jürgen Klopp von sich zu überzeugen. Dennoch gelang es einigen Spielern in kürzester Zeit, auf sich aufmerksam zu machen. Während sich gerade zwei Freiburger zu den überraschenden Gewinnern zählen dürfen, müssen vor allem drei Offensivspieler um eine erneute Nominierung bangen. Kapitän Joshua Kimmich zählt zu einer eigenen Kategorie. SPORT1 fasst die Gewinner und Verlierer der ersten Klopp-Wochen zusammen.
Freiburger Duo begeistert unter Jürgen Klopp
DIE GEWINNER
Philipp Treu: Er war DER Senkrechtstarter der DFB-Elf. Treu kam in drei von vier Spielen zum Einsatz und sammelte unter Klopp die meisten Spielminuten. Seit seinem Debüt beim Unentschieden in Amsterdam gegen die Niederlande machte er sich nahezu unverzichtbar und hat das Zeug dazu, auf der rechten Abwehrseite in die Fußstapfen seiner großen Vorbilder Joshua Kimmich und Philipp Lahm zu treten. Treu dürfte ab sofort zum festen DFB-Gerüst gehören. Mit seiner Mentalität ist er schon jetzt einer von Klopps Lieblingsspielern.
Derry Scherhant: Auch Treus Freiburger Mannschaftskollege begeisterte. Allein die Nominierung war aufgrund seines ungewöhnlichen Karrierewegs bereits ein voller Erfolg: Erst mit 18 Jahren wechselte Scherhant in ein Profi-NLZ zu Hertha BSC. In Griechenland war er über weite Strecken Deutschlands bester Mann und erhielt dafür sogar ein Sonderlob von Lothar Matthäus. Auch darüber hinaus war Scherhant eine echte Bereicherung: stark im Eins-gegen-Eins und mit unglaublichem Zug zum Tor.
Tom Bischof: Major Tom – völlig losgelöst! Bischof reiste von der U21 zu Klopp und lieferte gleich in seinem ersten Spiel beim Sieg gegen Serbien in München einen überragenden Auftritt ab. Auch in Thessaloniki war er wahnsinnig fleißig und prägend für das deutsche Spiel. Damit ist Bischof eine ernsthafte Option auf der Sechserposition. Eigentlich will er im Sommer bei der U21-EM mitspielen. Gut möglich allerdings, dass Klopp größere Pläne mit ihm hat.
Jonas Urbig: Der Torhüter mit den meisten Einsatzminuten. Urbig musste in zwei Spielen zwar nur einmal ernsthaft eingreifen, tat dies gleich in der ersten Minute in Griechenland aber bravourös und strahlte – abgesehen von einem Wackler gegen Serbien – große Sicherheit aus. Sein Vorteil: Bei den Bayern ist er nur die Nummer zwei, weshalb Klopp ihm Spielrhythmus geben wollte. Bei jedem anderen Klub wäre der Manuel-Neuer-Klon mit dieser Rolle wohl auf keinen Fall ein Kandidat für das DFB-Team.
Yann Aurel Bisseck: Wo immer er auch war, gab es kein Durchkommen – egal ob in der Luft oder am Boden. Bisseck durfte in Augsburg gegen Griechenland ran und überzeugte in seinem zweiten Länderspiel auf ganzer Strecke. Vor allem im Zweikampf agierte der Mailänder resolut. Selbst Jonathan Tah wunderte sich anschließend darüber, dass Bisseck noch nicht mehr Länderspiele auf dem Buckel hat. Das dürfte sich in Zukunft ändern.
Für diese DFB-Stars wird es eng
DIE VERLIERER
Nick Woltemade: Riesengroß, aber doch nicht zu sehen. Woltemade blieb in beiden Partien ohne nennenswerte Aktionen und semmelte gegen Serbien seine größte Chance aus zwei Metern über den serbischen Kasten. In Turin braucht er schnellstmöglich Minuten, Tore und somit Selbstvertrauen, wenn er seinen Platz im DFB-Team behaupten will.
Said El Mala: Seine beste Szene hatte er in Griechenland nach Spielende, als er einem Fan seine Schuhe schenkte. Sportlich konnte sich El Mala unter Klopp dagegen nicht wirklich empfehlen. Auch aufgrund der großen Konkurrenz dürfte er um eine weitere Nominierung im November bangen. Allerdings: Wenn er den Ball am Fuß hat, liegt zumindest fast immer ein Hauch von Gefahr in der Luft.
Jonathan Burkardt: Der Lieblingsgegenspieler der Griechen: Wurde gleich durch zwei Tunnler düpiert, stand beim Wirtz-Kopfball unglücklich im Weg – diese Aktionen spiegelten sein Wirken wider. Wie Woltemade hatte auch er einen sehr schweren Stand. Dazu kam etwas Pech, dass sein vermeintlich erstes Länderspieltor aberkannt wurde. Kein Wunder, dass Niclas Füllkrug nach diesen Vorstellungen bereits mit den Hufen scharrt.
David Raum: Er galt schon vor der Länderspielpause als Wackelkandidat, weil Brown auf der linken Seite gesetzt scheint. Selbst sein bisheriger Konkurrent Maximilian Mittelstädt machte eine bessere Figur als Raum. Der Leipziger hat etwas von seiner Aura und seine Rolle als Hoffnungsträger eingebüßt und muss sich jetzt wieder rankämpfen – Eine Aufgabe, mit der er sich auskennt.
Vitaly Janelt: Er galt als Hoffnungsträger – als jemand, der perfekt zur Kloppschen Spielweise passt. Der Bundestrainer lobte ihn und auch er selbst trat vor den Mikros sehr selbstbewusst auf. Am Ende sprang allerdings nur ein Mini-Einsatz über zwei Minuten heraus. Janelt selbst hatte bereits betont, dass diese Nominierung mit 28 Jahren möglicherweise seine letzte Chance sei. Die könnte er vertan haben.
Und was passiert mit Kimmich?
DER GRENZFALL
Joshua Kimmich: Wer als Kapitän dabei sein will, aber nicht in beiden Kadern stehen darf, kann kaum als Gewinner gelten. Allein, dass es überhaupt Diskussionen um Kimmich gibt, spricht Bände. Und dennoch: Sein aktuelles Image ist deutlich schlechter als seine Leistungen auf dem Platz. Denn dort überzeugte der Bayern-Star. Sein Pech war, dass seine Münchner Konkurrenten Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof so gut miteinander harmonierten. Nach den ersten vier Länderspielen unter Bundestrainer Klopp bleibt die Erkenntnis: Kimmich ist nicht mehr unantastbar. Verzichten wird Klopp auf seinen Kapitän dennoch weiterhin nicht – noch nicht.