Experte fordert schnelle Wachablösung im Tor des FC Bayern
"Er kriegt's nicht": Urbig scherzt wegen Neuer
Ex-Nationalspieler Steffen Freund plädiert für einen zeitnahen Wechsel im Tor des FC Bayern auf Jonas Urbig. Lothar Matthäus sieht den Münchner im Rennen um die deutsche Nummer eins als Favoriten.
Nach dem Patzer von Manuel Neuer gegen den FC Augsburg hat sich der ehemalige Nationalspieler Steffen Freund dafür ausgesprochen, dass Jonas Urbig zeitnah die Nummer eins beim FC Bayern wird.
„Aus meiner Sicht muss das im Laufe der Saison passieren. Weil danach ist es zu spät“, erklärte Freund am Sonntag bei Sky90. „Seine Entwicklung hat ihn dahin geführt, dass er jetzt auch Forderungen stellen kann als Nummer eins. Er hat es in allen Werbeverwerben gezeigt und sogar für die deutsche Nationalmannschaft.“
Urbig als Nummer eins? Freund fordert Kurswechsel
„Spätestens in der Rückrunde“, solle der Tausch im Tor vollzogen werden, betonte Freund. Seiner Meinung nach könnten die Bayern so das Risiko reduzieren. „Wenn er ein bisschen eher die Chance bekommt und fünf, sechs Spiele hintereinander nicht funktioniert, ist Manuel Neuer natürlich da“, meinte der Europameister von 1996.
Freund sieht demzufolge den Vorteil, dass der deutsche Rekordmeister in der aktuellen Saison nochmal auf Neuer zurückgreifen könnte, sollte Urbig den Erwartungen nicht gerecht werden.
Generell hält der Ex-Profi noch viel von Neuer: „Das Level von Neuer wird nur gestern durch den Fehler runtergedrückt. Das kommt ganz schnell zurück. Man wird sich schnell an die ganz großen Spiele erinnern.“
Matthäus: „Das werden die Leistungen von Neuer entscheiden“
Lothar Matthäus, der ebenfalls Teil der Talkrunde war, wollte sich beim Zeitpunkt einer angedachten Wachablösung im Bayern-Tor nicht genau festlegen. Urbig lerne „jetzt noch von Manuel Neuer und irgendwann löst er ihn ab, ob es noch im Laufe dieser Saison ist oder dann spätestens nach dieser Saison – das werden die Leistungen von Neuer entscheiden“.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hatte zuvor im FIROCKX Doppelpass auf SPORT1 keinen Bedarf gesehen, an Bayerns Torwart-Hierarchie etwas zu ändern: „Der Plan der Bayern ist ja richtig, das als Übergangsjahr zu nehmen, in dem Urbig wohl etwas mehr Einsätze bekommt als im letzten Jahr. Aber trotz des Gegentors ist Manuel Neuer immer noch ein klasse Torwart.“
Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl hat Neuer derweil am Montagmorgen vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel bei Viking Stavanger noch einmal demonstrativ den Rücken gestärkt. „Manu hat einen Fehler gemacht. Das ist ihm in seinen zwei Jahrzehnten, die er jetzt Profifußball spielt, bestimmt schon das eine oder andere Mal passiert. Dementsprechend: Für uns gibt es da gar keine Zweifel an Manu“, sagte Eberl.
Es gebe mit Blick auf Neuers designierten Nachfolger Jonas Urbig „eine klare Idee. Die setzen wir seit fast eineinhalb, zwei Jahren um“, so Eberl am Montag: „Manu ist unsere Nummer eins und wird es auch bleiben. Und was dann in Zukunft passiert, wird man sehen.“
Matthäus: Urbig erinnert mich an Neuer
Noch ist Urbig auch nicht bei der Nationalmannschaft die Nummer eins. Matthäus erwartet jedoch generell „sehr viele Einsatzzeiten“ für den Bayern-Torhüter in der laufenden Saison. „Im Hinblick auf das Turnier 2028 hat Urbig alle Voraussetzungen, in beiden Mannschaften die Nummer 1 zu werden.“
Der Rekordnationalspieler sieht den jungen Torhüter des FC Bayern gegenüber der aktuellen deutschen Nummer eins, Marc-André ter Stegen, in einem Aspekt im Vorteil. „Mit welcher Ruhe er den Ball spielt und ins Spiel bringt, da ist er sogar stärker als ter Stegen“, sagte der TV-Experte über das Passspiel Urbigs.
Mit dem Ball am Fuß sei der 23-Jährige „viel präziser, viel klarer und auch entspannter bei seinen Aktionen. Und das in diesem jungen Alter. Und deswegen habe ich gesagt, dass er mich an den jungen Manuel Neuer erinnert.“
Ter Stegen war von Bundestrainer Jürgen Klopp jüngst zur Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft bestimmt worden. Der vom FC Barcelona an Ajax Amsterdam verliehene Torhüter ist mittlerweile 34 Jahre alt. Seine Qualitäten im Passspiel galten bisher stets als eine Stärke, beim 1:1 gegen die Niederlande leistete er sich jüngst aber mehrere Abspielfehler.
Urbig dagegen habe „in seinen zwei Einsätzen eigentlich keinen einzigen Fehler gemacht, in Griechenland eine hervorragende Parade nach 90 Sekunden“, schwärmte Matthäus: „Und seine Art und Weise, wie er Fußball spielt – mit einer Leichtigkeit fängt er die Bälle ab. Das ist alles so ein bisschen Manuel Neuer.“