Droht gegen den FC Bayern das Debakel?

Über diese Frage kann der neue Union-Trainer nur lachen
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Über diese Frage kann der neue Union-Trainer nur lachen

In Berlin bröckelt gerade etwas, das jahrelang die Konstante der Unioner war. Auf dem Konto der sonst so stabilen Defensive stehen nach drei Spieltagen bereits zehn Gegentore. Und am Freitag wartet ausgerechnet der FC Bayern München.

Drei Gegentore gegen Frankfurt, vier gegen Leverkusen, drei gegen Schalke. Zehn Gegentreffer nach gerade einmal drei Spieltagen passen so gar nicht zu einem Verein, der sich in der Bundesliga den Ruf erarbeitet hat, gegnerischen Offensiven das Leben möglichst unangenehm zu gestalten.

Bei Union Berlin gehörte das Verteidigen lange zur DNA. Ausgerechnet vor dem Duell bei Rekordmeister FC Bayern München (20.30 Uhr im LIVETICKER) ist bei Union scheinbar das Fundament verschwunden, das die Mannschaft über Jahre ausgezeichnet hat.

Die zuletzt instabilen Unioner treffen am Freitagabend auf den FC Bayern München
Die zuletzt instabilen Unioner treffen am Freitagabend auf den FC Bayern MünchenDie zuletzt instabilen Unioner treffen am Freitagabend auf den FC Bayern München© IMAGO/Lackovic

Union Berlin mit neuer Taktik – klappt das gegen den FC Bayern?

Die Fünferkette der Unioner war jahrelang spielerischer Rückzugsort und Erfolgsrezept zugleich. Die Grundidee überlebte mehrere Trainerwechsel. Unter Neu-Trainer Mauro Lustrinelli soll Union einen anderen Fußball spielen: aktiver, offensiver und weniger abhängig von bewährten Mechanismen.

Sport-Geschäftsführer Horst Heldt erklärte bereits vor Saisonbeginn, dass die Mannschaft neue Facetten entwickeln müsse. Der bisherige „Union-Code“ sei von den Gegnern zunehmend entschlüsselt worden.

Lustrinelli setzt auf offensives Pressing und schnelles Umschaltspiel und wagte damit einen tiefgreifenden Systemwechsel. Statt der in Köpenick über Jahre etablierten Dreier- beziehungsweise Fünferkette verteidigt Union nun mit einer Viererkette. Bereits in der Vorbereitung setzte der Schweizer konsequent auf die neue Formation.

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Doch der Umbau stockt. Gegen Leverkusen entstanden große Räume zwischen Pressinglinie, Mittelfeld und Abwehr, die Viererkette verteidigte den eigenen Strafraum zu passiv. Gegen Schalke folgten die nächsten einfachen Gegentreffer.

Union wagt den Umbau nicht zum ersten Mal

„Wir operieren am offenen Herzen“, sagte Geschäftsführer Heldt zur Systemumstellung. Dass der Versuch nicht ohne Risiko ist, zeigte auch die jüngere Vergangenheit. Schon Steffen Baumgart experimentierte mit einer Viererkette, ehe er wieder zur defensiveren Grundstruktur zurückkehrte. Auch Nenad Bjelicas Versuch, Union offensiver und spielerischer auszurichten, blieb ohne nachhaltigen Erfolg.

Bemerkenswert ist dabei auch, auf welches Personal Lustrinelli in dieser schwierigen Phase zurückgreifen muss. Mit Janik Haberer, Tim Skarke und Robert Skov bekommen derzeit ausgerechnet Spieler wieder ihre Chancen, deren Zukunft in Köpenick im Sommer noch auf der Kippe stand.

Sie sollen nun von der Bank die Impulse liefern, die Union bislang häufig fehlen. Ein Sinnbild für einen Kader, der sich nach dem Umbruch noch immer neu sortiert – und in dem die Rollen längst nicht abschließend verteilt scheinen.

Leite und Doekhi hinterlassen Lücke

Erschwert wird der Systemwechsel durch einen personellen Umbruch – ausgerechnet im Abwehrzentrum. Vier Jahre lang hatten die Innenverteidiger Diogo Leite und Danilo Doekhi den Kern der Unioner Innenverteidigung gebildet und jeweils mehr als 130 Spiele für die Eisernen absolviert.

Das Herzstück von Unions Defensive verteidigt inzwischen gemeinsam rund 1.200 Kilometer südlich von Köpenick. Beide Verteidiger wechselten im Sommer zu Lazio Rom – und hinterließen eine Lücke, die Berlin bisher noch nicht zu schließen weiß.

Mit Stanley Nsoki, Rückkehrer Marvin Friedrich und Zeno Van den Bosch kamen zwar neue Optionen für das Abwehrzentrum hinzu, eine eingespielte Innenverteidigung hat sich bislang aber nicht gefunden. Lustrinelli wechselte in den ersten Wochen immer wieder sein Personal.

Dass die Veränderungen ihre Zeit benötigen, liegt auf der Hand. Nur lässt der Spielplan Union davon gerade ziemlich wenig.

Jetzt kommt ausgerechnet Bayern

Viel Zeit für eine ausgiebige Findungsphase bleibt tatsächlich nicht. Am Freitagabend wartet mit dem FC Bayern die wohl denkbar unangenehmste Prüfung für eine Defensive. Auch die Historie dürfte den Eisernen wenig Hoffnung machen. Noch nie konnte Union ein Bundesliga-Spiel in München gewinnen.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gab Lustrinelli sich dennoch kampflustig: „Für mich ist es eine geile Challenge, gegen eine Mannschaft zu spielen, die die Ambition hat, die Champions League zu gewinnen.“

Außerdem betonte der Union-Trainer das Entwicklungspotential seiner Mannschaft. „Man hat gesehen, wir können Fußball spielen, wir schaffen es nur noch nicht über 90 Minuten“, so der 50-Jährige: „Oft, wenn man ein Projekt beginnt, passiert das. Wir haben noch nicht verinnerlicht, wie wir unseren Fußball spielen wollen.“

Das Bayern-Spiel wird damit zum bislang größten Gradmesser für Lustrinellis Umbau. Nach drei Spieltagen ist vor allem sichtbar, was beim Versuch, die alte Identität abzulegen, verloren gegangen ist. Am Freitag könnte sich zeigen, wie viel von der neuen bereits funktioniert. Und ob das neue Union ausgerechnet gegen Bayern zunächst wieder ein bisschen vom alten gebrauchen könnte.

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