Die Folgen des Eichhorn-Ausfalls
Alonso Nummer Zwei? Das ist Bayers neuer Cheftrainer
Kennet Eichhorn sollte bei Bayer Leverkusen direkt eine große Rolle einnehmen. Bis das Supertalent sein erstes Spiel für die Werkself bestreitet, könnten allerdings noch viele Monate vergehen – was auch Auswirkungen auf die Transferpläne des Vereins hat.
Bayer Leverkusen investierte viel. Viel Überzeugungsarbeit. Viel Geduld. Und am Ende auch viel Geld. Immerhin war die Liste der Klubs, die Kennet Eichhorn verpflichten wollten, lang. Der FC Bayern soll ebenso interessiert gewesen sein wie Borussia Dortmund, dazu Europas Schwergewichte um den FC Barcelona, Real Madrid, den FC Liverpool oder Manchester City. Dass letztlich die Werkself den Zuschlag erhielt, lag unter anderem an der sportlichen Perspektive. Genau darum geht es aber erst einmal nicht mehr.
Noch bevor Eichhorn überhaupt das erste Mal für Bayer auflaufen kann, muss er einen schweren Rückschlag verkraften. Wegen einer Stoffwechselerkrankung fällt der 17-Jährige auf unbestimmte Zeit aus. Für Eichhorn selbst eine bittere Diagnose, für den Klub ebenfalls. Denn sportlich trifft der Ausfall die Leverkusener durchaus hart. Im 4-3-3-System von Cheftrainer Carles MartÃnez war Eichhorn als Teil der Doppelsechs vorgesehen und damit für eine zentrale Rolle im Spielaufbau eigentlich fest eingeplant.
Klar ist deshalb: Eichhorns Fehlen bleibt nicht folgenlos. Laut Sport Bild rechnen die Verantwortlichen mit einer längeren Pause. Einen konkreten Fahrplan für sein Comeback gibt es demnach nicht. Vielmehr soll der Teenager ohne jeden Zeitdruck genesen und keinesfalls voreilig zurückkehren. Dem Bericht zufolge wurde Eichhorn intern sogar schon aus den Planungen für die komplette Hinrunde herausgenommen – was direkten Einfluss auf die Überlegungen auf dem Transfermarkt hat. Ursprünglich war vorgesehen, das Mittelfeld personell auszudünnen. Nun muss Bayer seine Pläne neu bewerten.
Zumal sich gerade in der Zentrale noch einiges hätte bewegen sollen. Robert Andrich, Aleix GarcÃa und Exequiel Fernández zählen dort allesamt zu den Kandidaten für einen Abschied. Hätten im Idealfall zwei von ihnen den Verein verlassen können, dürfte es jetzt maximal einer werden. Die lukrativste Option ist Fernández. Mindestens 20 Millionen Euro soll der Argentinier nach übereinstimmenden Medienberichten einbringen können. Bei GarcÃa hingegen scheinen konkrete Angebote bislang wenig überzeugend gewesen zu sein.
Leverkusen: Bleiben Andrich und Fernández jetzt doch?
Profitiert also vor allem Andrich, der Dritte im Bunde, von der veränderten Ausgangslage? Unter MartÃnez sehen die Perspektiven des Nationalspielers deutlich schlechter als unter Erik ten Hag und Kasper Hjulmand aus. Zuzeit spricht aber wieder so manches für einen Verbleib. Andrich gilt intern unverändert als Führungsspieler, bringt Erfahrung mit und kann mehrere Rollen im Zentrum ausfüllen. Speziell Letzteres gewinnt wegen der womöglich langen Zwangspause von Eichhorn zunehmend an Bedeutung.
Fast noch spannender ist die aktuelle Entwicklung bei Fernández. Nach seinem Eklat um eine verweigerte Einwechslung im Rückrundenspiel in Dortmund schien seine Zeit in Leverkusen vorbei zu sein. Doch in der Vorbereitung hinterließ der 23-Jährige plötzlich einen starken Eindruck und darf sich als einer der großen Gewinner unter dem neuen Trainer bezeichnen. Zunächst setzte er in den Testspielen auf der Achterposition offensive Akzente, anschließend überzeugte er auch als Sechser mit Spielintelligenz, Zweikampfhärte und gutem Raumgefühl. Das kommt ihm entgegen.
MartÃnez verlangt von seinen zentralen Mittelfeldspielern ein hohes Maß an Flexibilität, die Positionen wechseln regelmäßig, ohne dass das Zentrum an Stabilität verlieren darf. Wer dieses komplexe Anforderungsprofil erfüllt, sammelt automatisch Pluspunkte. Fernández wiederum hat in den vergangenen Wochen bewiesen, dass er dazu in der Lage ist. Seine Zukunft bleibt dennoch offen. Benfica Lissabon soll intensiv um den Argentinier werben. Medienberichten zufolge könnte Bayer bei einem Deal bis zu 25 Millionen Euro einstreichen. Und auch bei Exequiel Palacios ist die Tür längst nicht mehr völlig verriegelt.
Wechselt am Ende sogar Palacios?
Nachdem zuletzt Palacios-Meldungen über Kontakte zu anderen Vereinen aufgekommen waren, nutzte Geschäftsführer Simon Rolfes die Gelegenheit zumindest nicht, um Spekulationen gleich wieder zu beenden. „Wir sind in einer sehr entspannten Position. Wir haben noch einen langen Vertrag mit ihm (bis Sommer 2030, Anm. d. Red.). Deshalb gibt es von unserer Seite überhaupt keinen Grund, etwas zu machen. Wenn wir handeln, muss es eine Situation sein, in der wir glauben, dass wir Impulse für die Mannschaft setzen oder Dinge verbessern können. Sonst machen wir es nicht“, sagte Rolfes in einer Medienrunde, als er auf ihn angesprochen wurde.
Das Aufgebot ist groß, sogar sehr groß. Und das, obwohl Eichhorn vorerst nicht mehr dabei ist. Andrich, GarcÃa, Fernández und der sich noch im Urlaub befindende Palacios – sie alle stehen für die Sechserposition parat. „Dass es Konkurrenzkampf gibt, ist völlig normal. In welcher Größe der letztlich ausfällt, wird man noch sehen. Klar ist aber: Die Leistung entscheidet am Ende, und ich will meine Leistung bringen. Den Konkurrenzkampf nehme ich wie immer an. Die Situation gehört zum Profifußball und belastet mich nicht“, betonte Andrich in einem Interview mit dem kicker.
Für die Werkself ergibt sich daraus trotz allem eine komfortable Ausgangslage. Die Verantwortlichen schließen keine Szenarien grundsätzlich aus, müssen aber auch auf keine Entwicklung überhastet reagieren. Heißt: Der Ausfall des 17 Jahre alten Eichhorn verändert zwar die Planungen, erzwingt aber keine Verpflichtung. Statt auf dem Transfermarkt nachzulegen, richtet sich der Blick nach innen. Vorrangig erhalten nun Andrich und GarcÃa wie Fernández die Gelegenheit, sich im Spielsystem von MartÃnez nachhaltig zu empfehlen und ihre Ansprüche auf einen Stammplatz zu untermauern.
Leverkusen will Eichhorn ausreichend Zeit geben
Bei Eichhorn selbst steht dagegen etwas anderes im Vordergrund: die vollständige Genesung. Zeitdruck soll ganz bewusst keiner entstehen. „Kennet steht vor einer hoffentlich sehr langen Karriere auf höchstem Niveau. Wir werden ihn auf diesem Weg bestmöglich unterstützen“, sagte Simon Rolfes mit bewusster Vorsicht. Entscheidend sei, „dass wir die richtigen Maßnahmen für seine Genesung eingeleitet haben und Kennet ohne Druck die notwendige Zeit und Ruhe für seine Behandlung erhält“.
Weitere News
Gut möglich ist deshalb, dass Eichhorn in der ersten Saisonhälfte nicht einmal für die Europa League gemeldet wird. Dafür dürfte Leverkusen im Gegenzug vorsichtiger auf dem Transfermarkt agieren und wohl weniger Spieler ziehen lassen als ursprünglich geplant. Wer davon am meisten profitiert, ist noch offen. Vieles spricht aber dafür, dass in erster Linie Andrich und Fernández zu den Gewinnern der veränderten Ausgangslage zählen könnten.