Er stand da wie ein Häufchen Elend, mit wässrigen Augen und dem Wort Ratlosigkeit auf die Stirn geschrieben. Während Teamkollege Kimi Antonelli seinen nächsten Sieg einfuhr und die WM inzwischen mit 66 Punkten Vorsprung anführt, wurde George Russell beim GP Monaco nur Zwölfter.

Es ging schief, was nur schiefgehen konnte – bis hin zu einer fragwürdigen Strafe wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse und der fehlenden Möglichkeit, diese während einer Safetycar-Phase abzusitzen. 

Für George Russell läuft das Formel-1-Jahr nicht nach Wunsch
Für George Russell läuft das Formel-1-Jahr nicht nach WunschFür George Russell läuft das Formel-1-Jahr nicht nach Wunsch© IMAGO / ABACAPRESS

Formel 1: Antonelli hängt Russell ab

Eine weitere herbe Niederlage im teaminternen Duell und auf dem Weg zum ersehnten WM-Titel. Nach Lando Norris im vergangenen Jahr wollte es in dieser Saison eigentlich sein Landsmann Russell sein, der sich im bisher besten Auto der neuen Fahrzeug-Generation die Formel-1-Krone aufsetzt.

Stattdessen steht der Mercedes-Star nun vor einem Rätsel – und möglicherweise auch vor einer richtungsweisenden Phase seiner Karriere.

Zur Erinnerung: Noch vor Saisonbeginn galt Russell als heißer Favorit auf den WM-Titel. Nach seinem Sieg beim Auftakt in Melbourne schien sich diese Einschätzung zu bestätigen. Doch seitdem läuft vieles gegen den Mercedes-Piloten.

Russell schon nach Qualifying in Monaco ratlos

Schon im Qualifying von Monaco fehlten ihm erneut fast vier Zehntelsekunden auf Teamkollege Antonelli.

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was gerade los ist“, räumt Russell bereits am Samstag in Monaco ein: „Offensichtlich gibt es etwas in meinem Fahrstil, das dem Auto im Moment nicht hilft.“

Besonders wundert den Briten, dass er zu Saisonbeginn noch problemlos mit Antonelli mithalten konnte: „In Melbourne und auch in China war praktisch jede Runde gut. In den vergangenen Rennen war ich dagegen nirgendwo. Selbst in Kanada war ich bis zur letzten Runde von Q3 nicht konkurrenzfähig. Ich habe aktuell keine Antwort darauf.“

Während Russell verzweifelt nach Erklärungen sucht, sammelt Antonelli Siege und Pole-Positions. Nach seinem Triumph in Monaco steht der Italiener bereits bei fünf Grand-Prix-Siegen in Folge und ist jetzt auch noch jüngster Monaco-Sieger der Geschichte.

„Er bekommt die Reifen einfach in ein besseres Arbeitsfenster als ich“, erklärt sein britischer Teamkollege den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage: „Die Balance kommt bei ihm leichter zustande und dadurch kommt die Rundenzeit fast von selbst.“

Könnte Verstappen Russell bei Mercedes ersetzen?

Wie immer in der schnelllebigen Formel 1 triggert das Spekulationen. Wie mehrere Medien berichten – unter anderem Max Verstappens Haus- und Hofzeitung De Telegraaf – will Mercedes die Situation in den kommenden Monaten genau analysieren. Dabei immer im Blick: Eben jener Verstappen und seine Achterbahnfahrt bei Red Bull Racing.

Der viermalige Weltmeister besitzt beim Team des österreichischen Energy-Drink-Giganten zwar einen Vertrag bis Ende 2028, allerdings sollen Klauseln einen vorzeitigen Abschied ermöglichen – je nachdem, wie konkurrenzfähig Red Bull gerade ist.

Sein Ausfall schon am Start des Grand Prix im Fürstentum mit defektem Antrieb dürfte das Vertrauen des viermaligen Champions in sein Team jedenfalls nicht gerade gestärkt haben. 

Dazu passt: Toto Wolff macht seit Jahren kein Geheimnis daraus, dass er Verstappen gerne in Silber sehen würde. Schon 2025 bestätigte der Mercedes-Teamchef Gespräche mit dem Management des Niederländers.

Russell gerät gehörig unter Druck

Russell muss deshalb hoffen, dass Verstappen und Red Bull nach einem schwierigen Saisonstart doch noch zurück in die Spur finden, sonst dürfte es ungemütlich werden für den Briten. Sein Vertrag läuft offiziell nur noch bis Ende 2026, mindestens aber hat auch er leistungsbezogene Klauseln, die Mercedes einen Abschied nach dieser Saison ermöglichen.

Nach dem Monaco-Qualifying bemühte sich Wolff aber, die Diskussionen zu entschärfen. „Wir haben uns bei George im Set-up vertan“, erklärte der Österreicher: „George kann’s. Ich kann mir keinen besseren Teamkollegen für Kimi vorstellen.“

Gleichzeitig machte der Teamchef deutlich, dass er Russell im WM-Kampf noch längst nicht abgeschrieben hat: „Über die Dauer einer Weltmeisterschaft wird er noch kommen.“

Schumacher warnt vor Wiederholung von Hamilton vs. Rosberg

Sky-Experte Ralf Schumacher nimmt diese Aussagen für bare Münze und sieht Russells Platz kaum in Gefahr. „Toto hat mit Antonelli seinen Ziehsohn, der um die WM fahren kann“, gibt der Deutsche zu bedenken: „Er würde ja verrückt sein, wenn er sich einen Gegner ins eigene Team holen würde. Das hatte er mal mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg – und diese Konstellation will er sicher nicht wiederholen. George Russell wäre eine gute Nummer zwei, aber sicher kein Max Verstappen.“

So oder so: Für Russell beginnt eine entscheidende Phase der Saison. Während Antonelli aktuell der neue Mercedes-Star am Horizont ist, muss der Brite nicht nur den Anschluss im Titelrennen halten, sondern womöglich auch beweisen, warum Mercedes für die Zukunft keinen Max Verstappen braucht.

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