Das Grinsen ist zurück im Gesicht des Daniel Ricciardo.

Auch nach dem Qualifying zum Großen Preis von Ungarn hatte der Comeback-Pilot Grund zur Freude: Rang 13 und der Sprung ins zweite Trainingssegment stehen für den Australier zu Buche. Damit hat er seinen neuen Teamkollegen Yuki Tsunoda gleich im ersten Qualifying-Duell in die Schranken verwiesen.

„Ein bisschen Abstand zu haben, war sicher ganz gut für mich“, sagt Ricciardo. „Aber heute im Qualifying habe ich wieder die Aufregung gespürt, das hat mich auch gepusht. Den Spaß zurück zu haben, den ich auch letzte Woche schon beim Test gespürt habe, war eine Erleichterung für mich. Ich habe versucht, so viel wie möglich im Auto zu lernen und das Team zu pushen. Ziel ist, dass wir bald wieder Punkte holen.“

Fest steht: Die Richtung stimmt. Dafür gibt‘s auch Lob aus der Chefetage.

„Er kommt in ein Team, das Zehnter in der WM ist, in ein fremdes Umfeld und hat seit sieben Monaten nicht mehr im Auto gesessen, dafür war das eine sehr solide und reife Leistung von ihm“, schwärmt Red Bull-Teamchef Christian Horner. „Ich denke, das Team wird von seiner Erfahrung und seinem Wissen profitieren. Man kann auch sehen, dass er das Fahren genießt – und wenn das der Fall ist, dann kriegst du von ihm noch mehr zurück.“

Ricciardos Leistung „überraschend stark“

Resultat: „Bei AlphaTauri lächelt man wieder“, sagt Red Bulls meist überkritischer Motorsportberater Helmut Marko bei Sky. „Daniels Leistung war überraschend stark, es ist ein richtiger Aufschwung ins Team gekommen.“

Bei SPORT1 ergänzt er: „Schon am Freitag waren die Ingenieure geradezu euphorisch über das tolle Feedback, das sie von Ricciardo bekommen haben.“

Die Euphorie über die Rückkehr des verlorenen Fahrers ist so groß, dass Marko ungewollt auch wieder Sergio Pérez unter Druck setzt.

„Wenn Ricciardo zurück zu uns will, muss er Leistung bringen“, betont der Österreicher, nur um seinen Verbal-Fauxpas anschließend wieder einzufangen: „Aber der Vertrag mit Pérez läuft bis 2024.“ Bei SPORT1 stellt Marko später klar: „Pérez muss sich steigern.“

Pérez liefert aktuell wenig Argumente für sich

Dazu passt: Was Verträge in der Formel 1 wert sind, zeigte ausgerechnet Ricciardos Vorgänger Nyck de Vries, der innerhalb weniger Minuten sein Cockpit verlor.

Dazu kommt: Pérez macht es der Red Bull-Führung leicht, Argumente gegen den Mexikaner zu finden. Im Freitagstraining setzte er seinen Red Bull nach wenigen Minuten in die Bande.

Die Folge: Die Updates, mit denen Red Bull an den Hungaroring gereist war, konnten nicht umfassend getestet werden.

„Das erste Training war nass und weil Pérez ausgerutscht ist, fehlen uns die Erkenntnisse“, erklärt Marko Verstappens Niederlage im Qualifying gegen Lewis Hamilton. „Das Auto benimmt sich nicht ganz so wie erwartet.“

Schlechte Nachricht für Pérez

Die Ansage an den Mexikaner ist klar: „Wir haben ihm gesagt, er soll sich einfach konzentrieren und nicht immer auf Max schauen“, verrät der Österreicher. „Er muss einfach etwas gelassener rangehen.“

Doch je befreiter Ricciardo auffährt, desto mehr Druck hat Pérez. Denn auch Max Verstappen macht aus seiner Teamkollegen-Präferenz keinen Hehl: „Ich habe nie gewollt, das Daniel geht.“

Der ist jetzt zurück im Red Bull-Universum – und hat auch sein verlorenes Lachen wiedergefunden. „Ein glücklicher Daniel ist ein schneller Daniel“, sagt Ex-Weltmeister Nico Rosberg bei Sky.

Für Sergio Pérez ist das keine gute Nachricht. Ab sofort wird es nicht mehr Verstappen sein, nach dem er schauen muss. Sondern Ricciardo, der sein Lächeln wiedergefunden hat und seine alte Stärke.