Rund eine Viertelstunde, nachdem Ferrari die 91. Ausgabe des legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann, pilotierte Alessandro Pier Guidi den siegreichen Wagen durch die Boxengasse.

Wie üblich standen dort massenhaft Mechaniker, Verantwortliche sowie Zuschauer und bildeten ein Spalier. In den geöffneten Türen des 499P hockten James Calado und der ehemalige Formel-1-Fahrer Antonio Giovinazzi, die wie Teamkollege Pier Guidi vollkommen aufgelöst und euphorisch in die Menge jubelten.

Ebenfalls mittendrin: Charles Leclerc. Der 25-Jährige erlebte den historischen Triumph hautnah. Nicht als Bestandteil des Erfolgs, aber als Gast in der Ferrari-Box.

In einem Interview mit Eurosport sagte der sichtlich beeindruckte Leclerc, dass er es genossen habe, den Sieg aus der Beobachterrolle zu verfolgen. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, vor allem, wenn ein Ferrari gewinnt“, freute er sich. „Es ist unglaublich nach einer Rückkehr nach so vielen Jahren. Und dann noch bei so einem Jubiläum.“

Nimmt Leclerc Hülkenberg als Vorbild?

Ob Leclerc nun auf den Geschmack gekommen ist, in Zukunft selbst mal in einem Hypercar Platz nimmt und über die Straßen von Le Mans brettert?

„Ich meine, warum nicht. Ich würde es gerne tun, es ist ein unglaubliches Ereignis. Sicherlich möchte ich eines Tages in meinem Leben diesen Punkt abhaken, aber wann wird das sein? Ich weiß es nicht“, antwortete der Monegasse auf eine entsprechende Frage. Dass ein Start bei der „Mutter aller Langstreckenrennen“ während einer aktiven Formel-1-Karriere möglich ist, zeigt schließlich die Vergangenheit.

Nico Hülkenberg trat 2015 in Le Mans an und siegte sogar, obwohl er bei Force India noch in der Königsklasse fuhr. Das heutige Aston-Martin-Team bewilligte dem Deutschen damals einen Gastauftritt mit Porsche, weil sich die Terminkalender nicht kreuzten – genau wie in dieser Saison.

Auch Fernando Alonso konnte mit Toyota schon zweimal den Gesamtsieg in Le Mans einfahren. Wann es bei Leclerc soweit sein wird, dürfte aber eher ferne Zukunftsmusik sein. „Ich war hier, um zu unterstützen, und ich bin wirklich glücklich, dass Ferrari gewonnen hat, es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich bin einfach extrem stolz auf das, was Ferrari geleistet hat, es war verrückt“, sagte er.

Erstmal liegt Leclercs Fokus auf dem Großen Preis von Kanada. Der historische Ferrari-Triumph beim 24-Stunden-Klassiker war definitiv sensationell, ein Sieg des kriselnden Formel-1-Teams in Montreal wäre wohl noch überraschender.