Aurélien Quinion hat es zu seiner großen Überraschung bei der Leichtathletik-EM aufs Podium geschafft. Erst als dem französischen Geher im Ziel die Bronzemedaille um den Hals gehängt wurde, realisierte er seinen Erfolg.
„Es war wirklich kompliziert, denn auf der Strecke reden alle mit mir, sagen mir: ‚Mach dies, mach das, geh da hin, mach langsamer – ich verstehe gar nicht, was gerade passiert. Aber ich habe diese Medaille trotzdem“, sagte Quinion, nachdem er sich endlich gefangen hatte.
Es waren wahrlich skurrile Szenen, die sich nach der Marathon-Strecke über gut 42 Kilometer abspielten: Quinion überschritt die Ziellinie als Vierter, der vor ihm eingelaufene Ungar Bence Venyercsán hatte aber eine Zeitstrafe von vier Minuten erhalten.
Plötzlich reißt Quinion die Augen weit auf
Obwohl der Kontrahent schimpfend in seiner Nähe stand, realisierte Quinion seinen Coup offensichtlich minutenlang nicht. Im Gegenteil, der völlig entkräftete Franzose schien komplett orientierungslos durch den Zielbereich zu laufen. Zunächst war er sogar umgekehrt und wollte offenbar auf die Strecke zurückkehren.
Quinion schnaufte immer wieder durch, wurde von Helfern gestützt. Doch selbst, als ihm die französische Flagge in die Hand gedrückt wurde, war ihm sein Erfolg offenbar nicht klar.
Der Groschen fiel, als er von Goldmedaillengewinner Massimo Stano aus Italien und dem zweitplatzierten Spanier Miguel Ángel López für ein Siegerfoto herbeigewunken wurde. Das Duo war längst am Feiern.
Quinion gesellte sich dazu und riss plötzlich Augen und Mund auf, als ihm die Medaille über den Kopf gezogen wurde. Die Verblüffung war unübersehbar.
Ungläubig nahm der 33-Jährige das Edelmetall in die Hand, die Augenbrauen längst auf Maximalhöhe angekommen. Es dauerte noch ein paar Sekunden, dann konnte er den Erfolg endlich genießen und lächelte in die Kameras.
Zumindest für ihn war es die mit Abstand größte Überraschung der Europameisterschaft.