Smilla Kolbe hat angesichts teils heftiger Reaktionen in den sozialen Netzwerken mehr Respekt für die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten gefordert. Die 800-m-Läuferin lobte zwar die große Unterstützung während der aktuell laufenden Europameisterschaften, kritisierte zugleich aber auch beleidigende und abwertende Kommentare gegen die Aktiven.
„Ich lese so viele Kommentare und freue mich wirklich über den ganzen Support, den wir kriegen. Trotzdem sehe ich unter manchen Athleten in den Kommentarspalten echt krasse Kommentare“, sagte Kolbe im ZDF: „Ich würde mir wünschen, wir vertreten hier Deutschland und kriegen hier Support von allen, die zuschauen.”
Die deutsche 800-m-Meisterin wurde deutlich und sprach auch von Rassismus. „Ich erwarte da ein bisschen mehr Respekt und ich freue mich extrem, dass mich so viele supporten. Aber ich will mir nicht vorstellen, wie das wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin. Das war mir wichtig zu sagen und ich erwarte da von allen Zuschauern den nötigen Respekt, um die tollen Leistungen von unseren Athleten zu feiern“, sagte Kolbe weiter.
Lisa Mayer: „Absolute Schande“
Später fand auch die ehemalige deutsche Sprinterin Lisa Mayer deutliche Worte und bewunderte Kolbe für ihren Mut, das Thema vor der Kamera anzusprechen. „Es ist leider keine Seltenheit im Sport. Natürlich, wir sind präsent. Gerade bei Social Media ist alles so anonym, da rutscht ein Kommentar leichter raus. Es ist eine absolute Schande, das darf nicht sein“, sagte sie in ihrer Rolle als ZDF-Expertin.
Unter einem Post von Bronzemedaillengewinner Owen Ansah habe sie auf Instagram Kommentare gelesen, die sie fassungslos machten. „Was man dort liest, will man gar nicht wiederholen. Das hat im Sport keinen Platz. Es ist wichtig, dass Athleten wie sie ihre Stimmen erheben und vor der Kamera auch nutzen.“
Leichtathletik-EM: Kolbe scheitert hauchdünn im Halbfinale
Kolbe selbst hatte bei der Leichtathletik-EM in Birmingham das Finale über 800 Meter um zwei Hundertstel verpasst. Im zweiten Halbfinale kam sie in 1:58,21 Minuten auf Platz sechs, die Französin Clara Liberman (1:58,19) lag im Zielsprint knapp vor Kolbe und zog als eine der beiden weiteren Zeitbesten in den Endlauf ein. Für die direkte Qualifikation hätte die 24-Jährige unter die besten drei ihres Rennens kommen müssen.
Im Vorlauf war Kolbe in 1:57,80 Minuten als erste deutsche Läuferin seit 1990 unter 1:58 geblieben. Als Schnellste ins Finale am Freitag (22.46 Uhr) zog die britische Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (1:57,28) ein, auch Hürden-Weltmeisterin Femke Broeders-Bol aus den Niederlanden (1:57,46) hinterließ einen starken Eindruck.