Robert Harting hat den deutschen Topsprinter Owen Ansah vehement verteidigt. Der Diskus-Olympiasieger erklärte den frischgebackenen EM-Sieger für „sauber“ und zeigte in dem brisanten Dopingverfahren mit dem Finger auf die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA).
„Die NADA muss das Verfahren gegen Ansah einstellen und akzeptieren, dass der Fehler bei ihnen liegt“, teilte Harting in einer Stellungnahme mit, aus der RTL/ntv zitiert: „Ansah hat zu keinem Zeitpunkt eine Dopingkontrolle verweigert.“
„Ansah ist sauber“, meinte der 41-Jährige demnach weiter und verwies auf die negativen Dopingproben, die der Sprinter nach seinem angeblich verweigerten Test abgegeben hatte.
Harting wittert Verfahrensfehler bei Ansah
Ansah krönte sich bei der Europameisterschaft in Birmingham am Freitagabend zum Sieger über 200 m, über die halbe Strecke hatte er zudem Bronze geholt. Beide Medaillen könnten ihm aber wieder aberkannt werden, weil die NADA ein Dopingverfahren gegen den 25-Jährigen eingeleitet hat.
Ansah wird vorgeworfen, eine Probe verweigert zu haben, ihm drohen vier Jahre Sperre. Der Topathlet streitet die Verweigerung aber ab. Er behauptet außerdem, von dem Kontrolleur nicht über die Folgen der letztlich tatsächlich nicht abgegebenen Probe aufgeklärt worden zu sein.
Ansah befand sich auf dem Weg zum Flughafen, als ein Kontrolleur ihn unerwartet um eine Probe gebeten habe.
Harting wittert einen Verfahrensfehler von Seiten der NADA: „Der zuständige Kontrolleur der NADA könnte durch weitere anstehende Kontrollen anderer Athleten unter Zeitdruck geraten sein, weswegen er Ansah nicht zum Flughafen begleiten wollte.“
Deutscher Olympiasieger nennt brisante Details
Harting vermutet zudem „Widerstand im Begleitungswillen und fehlerhafte Anweisung des Kontrolleurs. Damit wäre der Fehler nicht beim Sportler entstanden, sondern innerhalb der Organisation und der Durchführung der Kontrolle.“ Damit sei „eine Verweigerung vom Tisch“.
Der erfahrene Dopingkontrolleur Sven Laforce hatte im Interview bei SPORT1 jüngst erklärt, dass es durchaus üblich sei, Athleten bis zur Abgabe einer Probe zu begleiten.
Doch Harting machte deutlich, dass er die NADA für alles andere als unfehlbar halte – und verwies auf eigene Erfahrungen mit den Doping-Jägern. „Verfahrensaufklärung habe ich in meiner Karriere bei mindestens zwei Kontrolleuren selber gemacht.“ Er habe gar mehrfach Protokolle vor der Unterschrift korrigieren müssen.
Vielleicht noch brisanter: Harting berichtete auch von „mindestens einem Kontrolleur“, der private Kontakte zu Athleten gepflegt und „seltsame Absprachen“ gemacht habe: „Diese Erfahrungen zeigen: Die NADA ist nicht fehlerlos. Auch Kontrolleure können Verfahrensfehler machen.“