Der Traum von der nächsten Medaille lebt: 48 Stunden nach seinem Bronze-Coup über 100 m ist Deutschlands Topsprinter Owen Ansah bei der Leichtathletik-EM in Birmingham spektakulär ins 200-m-Finale gerannt. Der 25-Jährige gewann sein Halbfinale in 20,04 Sekunden, blieb nur zwei Hundertstel über dem deutschen Rekord und zog als Schnellster in den Showdown um den Titel (Freitag, 22.25 Uhr MESZ/ARD) ein.
Dort könnte Ansah erneut Sprint-Geschichte schreiben. Seit 40 Jahren hat kein Deutscher mehr eine EM-Medaille über die 200 m gewonnen. „Ich freue mich auf morgen“, sagte Ansah im ZDF: „Und dann wird man sehen, wofür es am Ende reicht.“ Top-Favorit Zharnel Hughes (Großbritannien) lief im Halbfinale bei günstigerem Rückenwind 20,05 Sekunden.
Ansah überragt, Hartmann bitter raus
Der deutsche Rekordhalter Joshua Hartmann behielt zwar seinen deutschen Rekord von 20,02 Sekunden, rannte aber in 20,36 Sekunden um eine Hundertstel am Finale vorbei. Kameron Horton (beide Köln) schied mit 20,58 ebenfalls aus.
Ansah war am Dienstag trotz des Wirbels um seinen mutmaßlich verweigerten Dopingtest im Vorfeld der Titelkämpfe über 100 m zu Bronze gesprintet und hatte damit als erster Deutscher seit 40 Jahren eine EM-Medaille über die Königsdistanz gewonnen. Allerdings ist unklar, ob der 9,98-Sekunden-Mann Bronze behalten darf, schließlich strebt die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) eine Sperre von vier Jahren für Ansah an, der Athlet will dagegen vorgehen.
Da bislang keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, ist Ansah in Birmingham startberechtigt. Am Freitag will er nun über die 200 m nachlegen und erneut eine Medaille holen. „Das traue ich mir zu“, hatte er nach dem 100-Meter-Finale gesagt.
Jürgen Evers gewann als bisher letzter deutscher Sprinter eine EM-Medaille über die 200 m, 1986 in Stuttgart holte er Silber. Vier Jahre zuvor gewann Olaf Prenzler in Athen den Titel für die DDR.