Tadej Pogacar dominiert den Radsport nach Belieben – auf dem Weg zu seinem fünften Sieg bei der Tour de France ist der Slowene kaum noch aufzuhalten. Physikprofessor Metin Tolan meint, eine wissenschaftliche Erklärung für die Überlegenheit gefunden zu haben. „Aus physikalischer Sicht scheint Pogacar nahezu ideale Voraussetzungen mitzubringen“, sagt Tolan im Interview mit dem Merkur/tz.
Der Professor für Experimentelle Physik an der TU Dortmund führt aus: „Ein Radfahrer darf nicht zu groß sein, weil dadurch der Luftwiderstand zunimmt. Er darf aber auch nicht zu klein sein, weil Hebelverhältnisse und Muskelkraft wichtig sind. Er darf nicht zu schwer sein, weil jedes Kilogramm den Berg hinauf muss – aber auch nicht zu leicht, weil Masse bei schnellen Abfahrten Vorteile haben kann.“ Dazu das perfekte Training und eine außergewöhnliche Fahrtechnik – und fertig ist das Gesamtpaket Pogacar.
Tour de France: Was kann noch optimiert werden?
Für alle anderen Profis im Peloton gilt: zusehen, staunen und sich mit Hilfe der Wissenschaft selbst optimieren. Die Physik, sagt Tolan, liefere dafür einige Ansätze. „Mich würde interessieren, ob man mit bewusst strukturierten Oberflächen noch mehr erreichen kann“, sagt Tolan über den größten Feind der Radfahrer: den Luftwiderstand.
Als Beispiele nennt Tolan Golfbälle, die durch kleine Dellen, die sogenannten „Dimples“, weiter fliegen, oder die aufgerauhte Haut eines Hais, die den Strömungswiderstand im Wasser reduziert. „Vielleicht lassen sich ähnliche Effekte irgendwann auch bei Helmen oder Trikots noch smarter nutzen. Physikalisch wäre das jedenfalls ein extrem spannender Ansatz“, sagt Tolan.
„Der Luftwiderstand“, erklärt er, „ist der entscheidende Faktor“. „Wenn sie den Luftwiderstand des Gesamtsystems aus Fahrer und Rad auch nur um wenige Prozent reduzieren, dann summiert sich das auf einer 200-Kilometer-Etappe ganz schnell zu Minuten auf. Da spielt sogar die Position der Trinkflaschen eine Rolle.“