Europarekordler Frederik Ruppert gibt sich die Ehre, die nationalen Rekordleute Mo Abdilaahi, Emil Agyekum und Robert Farken sind ebenfalls dabei. Die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik in Wattenscheid könnten am Wochenende eine sorglose Vorführung des neuen deutschen Lauf-Wunders werden.
Im Mittelpunkt des Interesses dürfte jedoch ein Läufer stehen, der unlängst einen deutschen Rekord aufstellte – und nun aus unerfreulichen Gründen in die Schlagzeilen geriet.
„Ich werde alles dafür tun, um den Sachverhalt aufzuklären“, versprach Owen Ansah. In der Causa des 100-m-Primus hat sich aber bis kurz vor DM-Beginn wenig geklärt. Der Hamburger, seit 2025 schnellster Deutscher der Geschichte, ist im Grenzbereich zwischen Starterlaubnis und Suspendierung gelandet.
Leichtathletik: Ansah soll Dopingkontrolle verweigert haben
In der vergangenen Woche hatten der Deutsche Leichtathletik-Verband, die Nationale Anti Doping Agentur und Ansah selbst öffentlich gemacht, dass ein Verfahren wegen eines „möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen“ eingeleitet wurde. Ansah wird Verweigerung einer Dopingkontrolle vorgeworfen.
Er sei Anfang Juli vor der Abreise zum Diamond-League-Wettkampf in Monaco von einem Kontrolleur überrascht worden, der „außerhalb meines Zeitfensters“ geklingelt und „um die Abgabe einer Dopingprobe“ gebeten habe. „Ich war spät dran und konnte so kurzfristig die Probe nicht abgeben“, sagte der Sprinter: „Dies habe ich mit dem Kontrolleur besprochen. (…) Zudem wurden keinerlei Konsequenzen aufgezeigt.“ Ansah reiste ab, lief am Folgetag in Monaco, wurde dort auch getestet.
Eine vorläufige Suspendierung hat die NADA gegen Ansah nicht ausgesprochen. Die Behörde erklärte auf SPORT1-Anfrage, dass eine solche Maßnahme bei einem möglichen Verstoß gegen Artikel 2.3 nicht zwingend vorgesehen sei. Derzeit befindet sich der Fall in einer Phase, in der der Sachverhalt geprüft und bewertet wird.
Auch der DLV hält sich zurück. Vorstand Leistungssport Jörg Bügner erklärte, dass Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen sowie Ergebnismanagement und Disziplinarverfahren an die NADA abgegeben worden seien.
Gleichzeitig stehe der Verband mit Ansah in engem Austausch. Für den deutschen Rekordhalter steht viel auf dem Spiel. Ansah schrieb 2024 deutsche Sprintgeschichte, als er in Braunschweig als erster deutscher Sprinter die 100 Meter unter zehn Sekunden lief. Seine Bestzeit liegt inzwischen bei 9,98 Sekunden. Bei der Europameisterschaft in Birmingham zählt er sowohl im Einzelrennen als auch mit der deutschen 4×100-Meter-Staffel zu den Hoffnungsträgern.
Fall Ansah: Wie geht es jetzt weiter?
Der Sportrechtler Paul Lambertz sieht Versäumnisse beiderseits. „Teil des Profitums ist auch das Auseinandersetzen mit Regeln. Die Athleten müssen den NADA-Code kennen“, sagte Lambertz dem NDR. Aber auch der Kontrolleur hätte sich anders verhalten, Ansah beispielsweise zur Probeentnahme zum Flughafen begleiten können.
Ansah wurde gemäß der Richtlinien nicht suspendiert, er darf also am Samstagabend im Lohrheidestadion um den 100-m-Titel sprinten. Wie es dann aber weitergeht und ob ihn der DLV bedenkenlos bei der EM in Birmingham laufen lassen kann, vor allem in der Staffel, ist völlig offen.
Laut Lambertz könne das Verfahren mindestens ein paar Wochen dauern, die Chancen Ansahs stünden aber nicht schlecht, weil „hier nicht der Wille, sich dem Test zu entziehen im Vordergrund stand.“ Die DM dürfte weitere Erkenntnisse in Sachen Ansah bringen.
Leichtathletik: Laufbereich lässt aufhorchen
Jenseits der Ansah-Affäre dominiert derweil vor Wattenscheid die Erkenntnis, dass Deutschlands Leichtathletik längst nicht mehr wurfdominiert ist, sondern im Laufbereich der Männer eine respektable Renaissance erlebt.
Auf sechs olympischen Strecken fiel seit Mai der deutsche Rekord, unter anderem die Uralt-Marke über 400 m Hürden von Harald Schmid, die der Berliner Agyekum knackte.
„Wir sehen auch in der Breite, dass die Deutschen einfach besser werden“, sagt Hindernis-Europarekordler Ruppert: „Den Boom kann man nicht auf den Hindernislauf beschränken.“
Nicht mehr die schweren Jungs, die Hartings, Vetters, Storls kurbeln nun den Kartenverkauf bei der DM an, sondern die schnellen Jungs.
Auch wenn der Allerschnellste derzeit andere Sorgen hat.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)