WrestleMania ist überall in Dallas, schon Tage, bevor WrestleMania losgeht.

An jeder Straßenecke Plakate mit den Showkämpfern der WWE, in jeder Bahn zig Passagiere in Fanshirts und mit vollgepackten Merchandise-Tüten.

Über 100.000 Fans sind gerade in der texanischen Metropole, um ihre Helden in Aktion zu erleben. SPORT1 durfte vorab schon etwas näher an sie heran, beim großen Medientag vor der Mega-Show am Sonntag präsentierten sich die Stars ein paar hundert ausgewählten Journalisten aus allen Erdteilen.

Zu erleben sind die unterschiedlichsten Typen: selbstbewusste Superstars wie Roman Reigns und John Cena, betont demütige Nachwuchskräfte wie Finn Balor und Bayley. Die einen plaudern entspannt Hintergründiges und Privates aus, die anderen bleiben voll in der Rolle, mal mehr, mal weniger auffällig.

Eine Auswahl von fünf Begegnungen:

Roman Reigns:

Zehntausende Zuschauer werden die aufstrebende, aber umstrittene Zukunftshoffnung der WWE am Sonntag ausbuhen. Warum, versteht nicht zwingend, wer ihm in kleiner Runde im 16. Stock des Reunion Tower begegnet.

Reigns präsentiert sich vor seinem Titelmatch mit Champion Triple H entspannt, souverän, gewinnend, er witzelt, unterhält die Reporterrunde bestens. Ein perfekter Mediendarling, adrett gekleidet mit Blume am Anzugrevers und modischem Männerdutt. Wahrscheinlich eben zu perfekt für den Teil der Fans, der ihn auf den Tod nicht ausstehen kann.

Über den geht er an diesem Tag galant hinweg: Die Buhrufe? Ach, die Buhrufe. Er sei Ex-Footballer und gewohnt, dass es Heim- und Auswärtsfans gebe.

Die Wutwelle neulich, als er sagte, er sei „nicht für die erwachsenen Männer in diesem Geschäft“, die WWE sei eine „Kindershow“? “Ich gebe viele Interviews“, sagt Reigns auf SPORT1-Nachfrage: „Ich erinnere mich nicht, das so gesagt zu haben. Wenn es schlecht angekommen ist: Nun, das passiert mir gerade öfter.“ Sagt es und geht. Bestens gelaunt.

John Cena:

Er ist da, wo Roman Reigns hinwill, er ist der unumstrittene Superstar der WWE geworden - und der noch perfektere Mediendarling, Dauergast bei den Late-Night-Talkern, auch vor der Presse natürlich in seinem Element.

Auf jede Frage gibt der verletzte Cena eine schlagfertige Antwort, um jede, die er nicht konkret beantworten darf („Wann geht’s gegen den Undertaker?“) redet er gekonnt herum - und selbst da kommen kluge Einsichten heraus.

John Cena WWE WrestleMania
John Cena WWE WrestleMania

Gebeten zu erzählen, wen er gern als nächsten großen Star nach ihm sehen würde, sagt er: „Ich sähe da einige gern - aber nicht immer sind die, die wir mögen, die, die an diesen Platz gehören.“ WWE-Boss Vince McMahon sei deswegen so erfolgreich, weil er da gut unterscheiden könne.

Auf die Frage, was er Reigns raten würde, sagt Cena: „Genauso weitermachen wie bisher.“

Paul Heyman:

„Brock Lesnar, Ausrufezeichen.“ Es ist Paul Heymans Antwort auf jede Interview-Frage, im Zweifel auch auf die Frage, wie es ihm geht.

Der letzte große Manager - Pardon: Advokat - der WWE ist auch abseits des Rings voll in seiner Rolle, redet seinen Schützling stark mit jedem Wort, das ihm über die Lippen kommt. Blicke hinter die Fassade kommen nur zwischen den Zeilen durch, etwa wenn er Lesnars WrestleMania-Gegner Dean Ambrose heimlich adelt: „Er hat sicher etwas richtig gemacht, wenn er die Ehre hat, bei WrestleMania von Brock Lesnar zerstört zu werden“, sagt Heyman bei SPORT1.

Paul Heyman WWE WrestleMania
Paul Heyman WWE WrestleMania

Am Ende hat man das Gefühl, den abwesenden Brock Lesnar vor sich zu haben, zehn Meter groß und bereit loszuschlagen: „Ich bin der jüdische Typ aus New York, der das Maul aufreißt - und Brock Lesnar ist der, der dafür sorgt, dass ich Recht habe. Egal wie haarsträubend ist, was ich sage.“

Heyman ist abseits der WWE sehr erfolgreich in die Werbebranche eingestiegen. Wer ihm zuhört, ahnt wieso.

Sting:

Das Gegenstück zum Marktschreier Heyman: Die WCW-Legende, die am Sonntag die Hall-of-Fame-Klasse der WWE anführt, spricht ganz leise über den großen Termin - weiterhin ohne das zu sagen, was alle eigentlich erwarten würden.

Ist als Hall of Famer dann jetzt nicht auch Schluss mit der Ringkarriere, mit nun 57 Jahren und nach einer schweren Nackenverletzung beim letzten Match?

Sting WWE WrestleMania
Sting WWE WrestleMania

Ist noch nicht entschieden, beharrt er: „Ich habe noch einen Traum, ein Match mit dem Undertaker. Und wenn ich meinen Willen bekomme, findet es auch statt.“

Er sei aber auch so mit seiner Karriere im Reinen, versichert der Stinger, der seine Augen hinter einer Sonnenbrille verbirgt. Aber loslassen von der Leidenschaft seines Lebens: Das mag dieser leise Mann immer noch nicht.

Ric Flair:

Ric Flair wirkt alt, man kann es nicht höflicher beschreiben.

67 ist Stings langjähriger Rivale nun, hat seine aktive Karriere nach vier Jahrzehnten im Ring nun tatsächlich hinter sich, wird am Sonntag aber seine Tochter Charlotte zum Ring begleiten. Er spricht abseits der Kameras kaum lauter als der alte Kampfgefährte. Er wirkt geschafft, nicht nur körperlich.

Ric Flair begleitet bei WrestleMania Tochter Charlotte an den WWE-Ring
Ric Flair begleitet bei WrestleMania Tochter Charlotte an den WWE-Ring

„Weinst du?“, fragt ihn Diven-Titelträgerin Charlotte mehrmals, als sie auf ihren Aufstieg und Flairs Rolle dabei zurückblickt. „Nein“, versichert Flair immer wieder. Aber er wirkt doch wie ein betagter Papa, der sein großes Mädchen an den Traualtar führen wird.

Ein paar Minuten später ist Flair dann übrigens aus dem Hintergrund zu hören, wie er bei den Kollegen in die eingeschalteten Kameras spricht. Da ist er auf einmal auch wieder angeknipst: Laut, aufgedreht, ganz der alte Nature Boy: „Whooo!“