Das Testspiel des FC Arsenal gegen Betis Sevilla (1:3) wird Torhüter Kepa Arrizabalaga nicht in bester Erinnerung behalten.
Der Spanier, der einst für eine Ablöse in Höhe von 80 Millionen Euro von Athletic Bilbao zum FC Chelsea gewechselt war und bis heute der teuerste Torwart der Welt ist, kommt bei den Gunners ohnehin selten zum Einsatz. Mit David Raya verfügt der englische Meister über einen der besten Torhüter der Welt, der die unangefochtene Nummer eins ist und derzeit im wohlverdienten WM-Urlaub ist.
Kepa-Patzer wirft Fragen auf
Auch deshalb setzte Arsenal-Cheftrainer Mikel Arteta im Testspiel gegen Sevilla auf Kepa, der – mal wieder – eine unglückliche Figur abgeben sollte. Bei einem Eckball des Gegners aus Andalusien tauchte Kepa unter der Hereingabe hindurch und verfehlte den Ball klar. Der Ball ging bis zum zweiten Pfosten durch, wo Rodrigo Riquelme an das Leder kam und ins verwaiste Tor zur 1:0-Führung traf (9.).
An den weiteren Gegentreffern trug Kepa Arrizabalaga keine Schuld, dennoch blieb die Leistung des einstigen 80-Millionen-Mannes nach dem Spiel Thema. „Kepa könnte seinen Platz als Nummer zwei verlieren“, titelte die Daily Mail, die die Frage stellte, ob der 31-Jährige zu schlecht sei, um Arsenals Ersatztorhüter zu sein.
„Auf dem Niveau, auf dem sich Arsenal befindet – und in der nächsten Saison in einer Vielzahl von Wettbewerben um Titel kämpft –, kann sich der Verein einen fehleranfälligen Ersatztorwart kaum leisten“, schrieb die Zeitung.
Illan Meslier, der erst im Sommer neu verpflichtet und als Nummer drei eingeplant wurde, kam in der 62. Minute für Kepa auf den Platz und machte seinen Job gut. Dass Arrizabalaga patzte, sei „kein Einzelfall“, wie die Daily Mail schrieb.
Kepa wird zum 80-Millionen-Mann
Und damit lag das Blatt richtig. Erst im März hatte der Spanier bei der 0:2-Niederlage im League-Cup-Finale gegen Manchester City entscheidend gepatzt. Kepa ließ eine Flanke von Rayan Cherki durch die Hände rutschen, woraufhin sich Nico O’Reilly bedankte und einköpfen konnte.
Die Karriere von Kepa Arrizabalaga befindet sich seit Jahren in einer Abwärtsspirale. Dass dies so eintreten wird, war vor acht Jahren überhaupt nicht abzusehen.
Es ist das Jahr 2018, als der damals 23 Jahre alte Torhüter Kepa in den spanischen Medien mit Ikone Iker Casillas verglichen wird. Hinter ihm liegt eine intensive Saison mit Athletic Bilbao, wo der Keeper richtig abgeliefert hat. Eins wird schnell klar: Der Junge ist heiß begehrt.
Im Sommer 2018 ist Kepa Teil des spanischen WM-Kaders, manche Experten forderten ihn sogar als Nummer eins im Team der Iberer. Spanien scheiterte im Achtelfinale an Gastgeber Russland, wenige Wochen später folgte die Transferbombe.
Als Ersatz für den abgewanderten Thibaut Courtois nimmt der FC Chelsea Kepa unter Vertrag und aktiviert beim Basken die Ausstiegsklausel – für eine Ablöse in Höhe von 80 Millionen Euro. So viel Geld wurde – bis heute – noch nie für einen Torhüter ausgegeben.
Bei den Blues unterschreibt Kepa einen Sieben-Jahres-Vertrag bis 2025, ein Höhepunkt in seiner bis dahin noch jungen Karriere. Es sollte einer der wenigen Höhepunkte bleiben.
Der Keeper, der sich nicht auswechseln ließ
Seine erste Saison beim FC Chelsea verläuft eher durchwachsen. Einzelne Lichtblicke und Weltklasseparaden zeigen aber das Potential, das in ihm steckt.
In seinem ersten Endspiel als Chelsea-Keeper sorgt der Baske dann aber für Aufsehen, das in Europa tagelang Schlagzeilen generieren wird. Beim League-Cup-Finale gegen Manchester City steht es kurz vor Ende der Verlängerung immer noch 0:0. Sein Trainer Maurizio Sarri will den erfahrenen argentinischen Elfmeter-Killer, Willy Caballero, einwechseln. Was sich dann ereignet, ist der wahrscheinlich bekannteste und gleichzeitig unangenehmste Moment in Kepas Karriere.
Der Torhüter, der das gesamte Spiel fehlerlos agierte, wedelt wild mit seinem Finger und schüttelt seinen Kopf. Er weigert sich den Platz zu verlassen; Sarri ist außer sich. Später gewinnt Manchester die Begegnung, und obwohl Kepa einen Elfmeter halten kann, wird er zur Zielscheibe der englischen Medien: „Eigensinnig, frech und undiszipliniert!“
Später entschuldigt sich Kepa für seinen Widerstand und erklärt, dass es sich um ein großes Missverständnis gehandelt habe. „Nach einer Parade hatte ich etwas in meinem Bein gespürt und habe die Physios gerufen, um sicherzugehen, dass es nichts ist. Zudem ging es darum, dass wir als Team durchschnaufen können“, sagte er einst bei Player’s Tribune.
„Plötzlich habe ich gesehen, wie unser Trainer Maurizio Sarri Willy Caballero zum Aufwärmen schickte. Er dachte, dass ich nicht weitermachen konnte. Aber meine Absicht war es nur – ob richtig oder falsch -, etwas Zeit zu schinden, um dem Team zu helfen. Ich hatte aber kein wirkliches Problem, dass mich davon abgehalten hätte, weiterzuspielen“, führte er aus.
Auch Sarri klärt später auf, dass er Kepa missverstanden habe. Er verriet, dass der Spanier nach dem Spiel in der Kabine weinte und sich bei seinem Team entschuldigte.
Es ist der Beginn des tiefen Falls von Kepa Arrizabalaga. Der heute 31-Jährige fällt in der darauffolgenden Saison 2019/20 mit einer enttäuschenden Leistung auf. Mit gerade einmal 53,9 Prozent abgewehrter Bälle liegt Kepa nach der Saison auf dem letzten Platz in der Premier League.
League Cup: Kepa erneut im Fokus
Chelsea reagiert und verpflichtet 2020 mit Édouard Mendy eine neue Nummer eins. Der Senegalese wechselt aus Frankreich zu den Blues, und Kepa verzeichnet anschließend nur noch elf Liga-Einsätze in zwei Jahren.
Im League-Cup-Finale von 2022 ist es ironischerweise der Baske, der in den letzten Minuten der Verlängerung für Mendy eingewechselt wird, um im Elfmeterschießen auszuhelfen.
Das Resultat: 11:10 für Liverpool, wobei Kepa keinen einzigen Elfmeter hält und auch noch als letzter Schütze entscheidend verschießt. Wieder einmal steht der Baske nach einem League-Cup-Finale im Fokus.
Real, Bournemouth, Arsenal: Eine Reise ohne Ziel
Es folgt eine überraschend gute Saison – und plötzlich klopft Real Madrid an der Tür. Weil sich Thibaut Courtois das Kreuzband gerissen hat, leihen die Königlichen den Basken für die Saison 2023/24 aus. 14-mal kommt Kepa für Real zum Einsatz, bis er dort seinen Platz an den Ukrainer Andriy Lunin verliert. Das Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund erlebt Kepa als Nummer drei.
Die anschließende Saison 2024/25 verbringt der Torhüter erneut auf Leihbasis bei einem anderen Klub. Beim AFC Bournemouth kommt er 31-mal zum Einsatz und spielt eine solide Saison in der Premier League. Es folgt der feste Wechsel zum FC Arsenal, der gerade einmal sechs Millionen Euro an den Stadtrivalen Chelsea überweist.
Mit den Gunners wird Kepa direkt englischer Meister und Champions-League-Finalist. Gesetzt wird auf den einstigen 80-Millionen-Mann allerdings nicht, lediglich in zwei unbedeutenden Spielen darf Kepa ran.
Nach seinem Patzer im Testspiel gegen Betis Sevilla spricht nicht vieles dafür, dass Mikel Arteta noch oft auf den 31-Jährigen setzen wird. Wie es mit ihm weitergeht, bleibt ungewiss.