Das Aufstiegsrennen in England wird von einem mutmaßlichen Spionage-Eklat erschüttert. Vor dem Playoff-Hinspiel im Kampf um einen Platz in der Premier League zwischen dem FC Middlesbrough und dem FC Southampton (0:0) hat die englische Fußballliga EFL ein Verfahren gegen Southampton eingeleitet.

Dies erfolge nach einer Beschwerde des FC Middlesbrough „bezüglich angeblicher unerlaubter Filmaufnahmen auf Privatgrundstücken im Vorfeld des Aufeinandertreffens der beiden Vereine im Hinspiel des Halbfinales der Championship-Playoffs am Samstag“, teilte die EFL mit.

Im Zentrum des Vorwurf steht eine Regel, wonach innerhalb von 72 Stunden vor einem angesetzten Spiel das Training des Gegners nicht beobachtet werden darf.

Englischen Medienberichten zufolge soll ein Mitarbeiter von Southampton am Donnerstag das Training gefilmt und Bilder gemacht haben. Nachdem er dabei erwischt worden war, soll er sein aufgenommenes Material gelöscht haben. Der FC Middlesbrough reichte dennoch Beschwerde bei der EFL ein. Nun werde sich eine unabhängige Disziplinarkommission der Sache annehmen.

Deutsche Verantwortliche reagieren auf Vorwürfe

Mittendrin im Eklat sind mit Cheftrainer Tonda Eckert und dem Technischen Direktor Johannes Spors auch zwei Deutsche. Spors wollte sich auf SPORT1-Anfrage nicht genauer zu den Vorwürfen äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Sein Trainer Eckert hatte sich vor dem Playoff-Hinspiel zu den Vorwürfen geäußert. „Wenn man diese Phase der Saison erreicht hat, sind es nicht die Trainer, die die Spiele gewinnen, sondern die Spieler, und genau so wird es auch heute sein“, sagte er vor dem Spiel bei Sky-UK.

Der FC Southampton hatte den Vorfall zuvor in einem knappen Statement die Ermittlungen der EFL bestätigt. Der Klub werde während des „gesamten Verfahrens uneingeschränkt mit der Liga kooperieren“, hieß es in der Mitteilung. „Da die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen ist, kann der Verein zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen.“

Trainer Eckert verwies unmittelbar vor dem Abpfiff auf das Statement seines Klubs. „Das ist alles, was ich im Moment sagen kann“, sagte der deutsche Trainer: „Wir konzentrieren uns auf uns selbst, das haben wir die ganze Woche schon getan.“

Middlesbrough-Fans toben vor Wut, Southampton-Fans reagieren kurios

Speziell auf den Zuschauerrängen spielte der Spionage-Verdacht auch während des Halbfinal-Hinspiels eine große Rolle.

Die wütenden Boro-Fans bereiteten dem Mannschaftsbus von Southampton einen heißen Empfang, als dieser auf den Vorplatz rollte. Sie skandierten lautstark: „Ihr wisst, was ihr seid, ihr betrügerischen Mistkerle“. Zudem brüllten sie weitere deutlich Beleidigungen.

Ganz anders die Reaktion auf der Gegenseite. Die Fans des FC Southampton feierten die Vorwürfe sogar ab. Zahlreiche Anhänger hatten ins Stadion ein Fernglas mitgebracht und versuchten die Gegenseite so zu provozieren.

Die Fans des FC Southampton feiern den Spionage-Vorwurf
Die Fans des FC Southampton feiern den Spionage-Vorwurf Die Fans des FC Southampton feiern den Spionage-Vorwurf © IMAGO/Shutterstock

Einer der Fans brachte sogar mehrere Äste mit, versteckte sich hinter diesen und schaute parallel durch ein Fernglas. Er stellte den vermeintlichen Spionage-Eklat also nach.

Erinnerungen an Spionage-Eklat um Bielsa

Das Hinspiel zwischen dem Fünften und dem Vierten der Championship-Saison endete am Samstagnachmittag torlos. Überragender Mann auf Seiten von Southampton war dabei Torhüter und Bayern-Leihgabe Daniel Peretz, der das 0:0 für sein Team festhielt.

Der Sieger trifft im Finale um einen Platz in der Premier League entweder auf den FC Millwall oder Hull City, die sich am Freitag im Hinspiel ebenfalls 0:0 trennten.

Der Fall weckt Erinnerungen an Marcelo Bielsa. Der damalige Trainer von Leeds United sorgte Anfang 2019 für einen Eklat, als er einen Mitarbeiter seines Klubs vor dem Spitzenspiel gegen Derby County als Spion zum Abschlusstraining des Gegners schickte. Leeds wurde damals mit einer Strafe von 200.000 Pfund (rund 230.000 Euro) belegt.