Sami Khedira hat auf einen Konflikt zwischen José Mourinho und Iker Casillas bei Real Madrid zurückgeblickt – und dabei ein düsteres Bild gezeichnet.

Der heutige Co-Trainer des Portugiesen schilderte in der neuen Netflix-Doku „Mourinho“, wie der Umgang mit der Klub-Legende die Stimmung innerhalb der Mannschaft belastete und schließlich auch Mourinhos Verhältnis zu anderen Spielern beschädigte.

Damals Spieler und Trainer, heute wieder gemeinsam bei Real Madrid: Sami Khedira und José Mourinho
Damals Spieler und Trainer, heute wieder gemeinsam bei Real Madrid: Sami Khedira und José MourinhoDamals Spieler und Trainer, heute wieder gemeinsam bei Real Madrid: Sami Khedira und José Mourinho© IMAGO/Marca

Khedira heute wieder an Mourinhos Seite

„Iker war eine Legende von Real Madrid, bei den Fans sehr beliebt … Mou setzte ihn auf die Bank und sprach kein Wort mit ihm, er sprach in den Medien schlecht über ihn … Die Umkleidekabine wurde zur Hölle. Danach zerbrach das Verhältnis zwischen José und vielen Spielern wie Cristiano und den Spaniern. Und diese Spieler waren sehr wichtig für die Stimmung in der Umkleidekabine, die sich vergiftete“, erklärte der Deutsche.

Die Aussagen erhalten auch deshalb besondere Brisanz, weil Khedira inzwischen wieder eng mit Mourinho zusammenarbeitet. Der frühere deutsche Nationalspieler ist Co-Trainer bei Real Madrid und gehört damit zum Trainerstab des Portugiesen, der im Sommer zum zweiten Mal das Amt bei den Königlichen übernommen hat.

Schon während Mourinhos erster Amtszeit von 2010 bis 2013 spielte Khedira unter dem Starcoach bei Real. In diese Zeit fiel auch der zunehmend heftige Konflikt zwischen Mourinho und dem damaligen Kapitän Casillas, der eines der zentralen Themen der seit Dienstag verfügbaren Netflix-Dokumentation ist.

Casillas widersprach Mourinhos Kurs

Zwischen Mourinho und Casillas kam es damals in mehreren Bereichen zu Differenzen. Für Diskussionen sorgten unter anderem die Einsätze von Diego López anstelle von Casillas sowie unterschiedliche Vorstellungen rund um den Trainingsalltag. Hinzu kamen die aufgeheizten Clásicos gegen den FC Barcelona, die auch das Verhältnis der spanischen Nationalspieler beider Klubs belasteten.

„Diese Situation war kompliziert, weil man Kapitän von Real Madrid und Kapitän der spanischen Nationalmannschaft war. Man stand Teamkollegen gegenüber, die auf dem Fußballplatz deine Gegner waren, die aber dann in der Nationalmannschaft wieder deine Teamkollegen waren. Mir hat das nicht gefallen, und das habe ich dem Trainer auch gesagt“, erzählte Casillas, der ebenfalls an der Produktion mitwirkt.

Mourinho: „Das hier ist Krieg“

Mourinho schilderte die damalige Situation aus einer anderen Perspektive. „Ich sagte ihnen: ‚Das hier ist das Duell Barcelona gegen Real Madrid. Wenn ihr zur Nationalmannschaft geht, könnt ihr euch zwei Küsse geben, aber jetzt nicht. Das hier ist Krieg. Es gibt Dinge, die ich nicht akzeptiere und niemals akzeptieren werde. Und wenn mich jemand nicht respektiert, wird das zu einem Problem‘“, erklärte der portugiesische Trainer.

Auch abseits der Duelle mit Barcelona gingen die Vorstellungen zwischen Trainer und Kapitän offenbar auseinander. „Als ich das erste Mal mit Casillas sprach, bat er mich um mehr freie Tage für die Spieler, die von der Nationalmannschaft zurückkamen; beim zweiten Mal bat er mich, das Training um eine Stunde zu verschieben, weil zu der Zeit, zu der ich trainieren wollte, in Madrid viel Verkehr herrschte; und als wir das dritte Mal sprachen, sagte er mir: ‚Wir wollen nicht ins Hotel fahren. Wir ziehen es vor, uns am Spieltag zu treffen und direkt ins Stadion zu fahren, um zu spielen.‘ Ich habe schnell gemerkt, dass die Spieler verwöhnt waren“, fügte Mourinho hinzu.