Mit 37 Jahren gehört Marko Marin längst zu jener Generation ehemaliger Nationalspieler, die langsam in Führungsrollen hineinwächst. Dass Marin dabei schon jetzt zu den erfolgreichsten deutschen Fußballfunktionären der vergangenen Jahre zählt, ist hierzulande allerdings beinahe unbemerkt geblieben.
In Deutschland ist der frühere Offensivspieler noch immer vor allem als technisch brillanter Spielmacher präsent: ausgebildet bei Borussia Mönchengladbach, später Publikumsliebling bei Werder Bremen, Nationalspieler und Profi des FC Chelsea. Seit seinem Debüt im Jahr 2008 absolvierte er insgesamt 16 Länderspiele für Deutschland.
Anfänge in Gladbach, dann durch halb Europa
In seinen frühen Gladbacher Jahren erinnerte Marin viele Beobachter nicht nur spielerisch, sondern auch optisch an den späteren Marco Reus: technisch stark, dynamisch, kreativ und mit jener Leichtigkeit im Spiel, die große Erwartungen weckt.
Danach führte ihn seine Karriere durch halb Europa und bis nach Saudi-Arabien, ehe er sie 2022 bei Ferencvárosi TC in Budapest beendete.
Was dagegen kaum jemand wahrgenommen hat: Marin gehört inzwischen zu den prägenden Figuren hinter dem sportlichen Erfolg von FK Crvena zvezda, besser bekannt als Roter Stern Belgrad. Seit 2023 arbeitet er dort als Technischer Direktor – und gewann kürzlich bereits zum vierten Mal in Folge das serbische Double aus Meisterschaft und Pokal.
Marko Marin: Erstaunlich wenig Aufmerksamkeit
Dass seine neue Rolle in Deutschland dennoch erstaunlich wenig Aufmerksamkeit bekommt, wundert ihn nicht wirklich. „Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass in Deutschland natürlich viel stärker auf die großen Topligen geschaut wird“, sagt Marin exklusiv bei SPORT1. „Als Spieler war man jedes Wochenende sichtbar, heute passiert vieles im Hintergrund.“
Dabei sei seine Verantwortung heute sogar größer als früher auf dem Platz. „Bei Roter Stern arbeiten wir auf sehr hohem Niveau und vier Doubles in Folge kommen nicht von alleine“, erklärt Marin. Der Anspruch in Belgrad sei enorm. „Auch internationale Ergebnisse wie ein 5:1 gegen den VfB Stuttgart zeigen, welche Qualität und Entwicklung im Klub stecken.“
Tatsächlich ist Roter Stern weit mehr als ein national dominanter Serienmeister. Der Traditionsverein erwartet regelmäßig Auftritte in der Champions League – und dort möglichst mehr als nur Achtungserfolge.
„Bei Roter Stern reicht es nicht, nur Meisterschaft und Pokal zu gewinnen“, sagt Marin. „Unsere Fans erwarten dominanten, attraktiven Fußball und gleichzeitig, dass wir international konkurrenzfähig sind und in der Champions League bestehen oder sogar die nächste Runde erreichen.“
Marin beschreibt Unterschiede
Für Marin bedeutet das einen Alltag, der mit dem früheren Spielerleben nur noch wenig gemein hat. „Als Spieler denkt man vor allem an das nächste Spiel“, erzählt er und muss schmunzeln. „Als Sportdirektor muss man viel weiter vorausdenken: Kaderplanung, Transfers, Finanzen und die Entwicklung des Klubs.“
Gerade bei einem Verein wie Roter Stern sei die Herausforderung besonders groß: „Gleichzeitig musst du in Belgrad auch kurzfristig Erfolg liefern, weil die Erwartungen extrem hoch sind. Diese Balance zwischen Gegenwart und Zukunft macht den Job spannend.“
Vielleicht hilft ihm dabei genau jene ungewöhnliche internationale Karriere, die ihn einst durch zahlreiche Ligen führte. Nach seinen Jahren in der Bundesliga spielte Marin unter anderem in England, Spanien, Italien, Belgien, der Türkei, Griechenland, Saudi-Arabien und Ungarn.
„Ich habe erlebt, wie große Klubs arbeiten, wie unterschiedliche Mentalitäten funktionieren und wie wichtig Kommunikation ist“, sagt Marin. „Heute hilft mir das besonders im Umgang mit Spielern, Trainern und Transfers.“
Marin ist zum Strategen geworden
Marin kennt die Realität außerhalb der Topligen genau – und die strukturellen Unterschiede im europäischen Fußball sind aus seiner Sicht weiter gewachsen.
„Der finanzielle Unterschied zu den großen Ligen wird jedes Jahr größer“, erklärt er. „Deshalb muss man in vielen Bereichen smarter arbeiten: Scouting, Entwicklung junger Spieler, Timing bei Transfers und klare sportliche Ideen.“
Der frühere Spielmacher ist längst zum Strategen geworden. Wie er sich heute selbst sieht? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Mittlerweile klar als Fußballmanager. Natürlich bleibt die Spielerzeit immer ein Teil von mir, aber mein Fokus liegt komplett auf der Zukunft des Klubs und darauf, jeden Tag Verantwortung zu übernehmen.“
In Deutschland ist diese zweite Karriere bislang fast unsichtbar geblieben. In Belgrad dagegen hat sich Marko Marin längst neu erfunden — als Technischer Direktor mit bemerkenswerter Erfolgsbilanz.