Lucina von der Heyde hat in ihrer Karriere schon viel erlebt: 105 Länderspiele für die argentinische Nationalmannschaft, neun Tore, Einsätze auf der Olympia- und WM-Bühne. Dieser Tage spielt die 29-Jährige ihre zweite Weltmeisterschaft, am Montag steht das zweite Vorrundenspiel an. Der Gegner: Argentinien.

Das mag wirken wie ein Schreibfehler, hat aber tatsächlich seine Richtigkeit – seit März nämlich darf von der Heyde für Deutschland ran, beim Turnier in Belgien und den Niederlanden greift sie mit dem DHB-Team nach der ersten Medaille seit 1998. „Sie ist eine sehr starke Spielerin, ihr Ehrgeiz und ihre Erfahrung tun uns sehr gut“, sagt Bundestrainerin Janneke Schopman, und das soll eben auch am Montag (17.00 Uhr/alle Spiele kostenlos bei MagentaTV) in Wavre so sein, gegen die alte Heimat.

Lucina von der Heyde spielte einst für Argentinien, wechselte nun aber nach Deutschland
Lucina von der Heyde spielte einst für Argentinien, wechselte nun aber nach DeutschlandLucina von der Heyde spielte einst für Argentinien, wechselte nun aber nach Deutschland© IMAGO/Axel Kaste

Von der Heyde wechselt zu Deutschland

Was der neuen Mittelfeld-Antreiberin diesen seltenen „Transfer“ im Nationaltrikot ermöglichte? Drei Jahre ohne Spiel für Argentinien und der Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft. Seit 2018 spielt und lebt von der Heyde in Mannheim, sie spricht gut Deutsch und bestand schließlich den Einbürgerungstest.

„Sie ist jetzt 100 Prozent Deutsche“, sagt auch Schopman, „wenn sie dabei ist, will sie immer gewinnen.“ Im Januar hatte der Weltverband FIH sein Go gegeben, von der Heyde zeigte sich „sehr dankbar für die Möglichkeit“ – und bereitete sich dann mit dem deutschen Team auf die WM vor. Der Start am Samstag gelang den deutschen Frauen, gegen Außenseiter Schottland gab es ein hochverdientes 3:0.

Argentinien wird das Team nun allerdings härter fordern. Das für von der Heyde so emotionale Spiel ist für Deutschland ein richtungsweisendes. Denn nach dem Mega-Umbruch im Anschluss an die Olympischen Spiele von Paris weiß die Mannschaft selbst noch nicht ganz, wo sie steht. Eine Niederlage gegen die Weltranglistenzweiten würde den Hoffnungen auf eine überraschende erste WM-Medaille seit 28 Jahren einen Dämpfer versetzen. Das abschließende Vorrundenspiel gegen die USA am Mittwoch bekäme dann bereits entscheidenden Charakter. Zudem werden gewisse Punkte aus der Gruppenphase in die neu eingeführte Zwischenrunde mitgenommen.

Die Erfahrung einer Lucina von der Heyde, die 2018 zur besten Jugendspielerin des WM-Turniers gekürt wurde, tut dem Team gut. „Ich habe mich sehr gefreut, weil ich sie und ihre Qualitäten aus der Bundesliga gut kenne“, sagt Co-Kapitänin Linnea Weidemann über ihre neue Mitspielerin, deren Fall ein seltener ist, aber kein einzigartiger.

Der Weltklasse-Eckenschütze Gonzalo Peillat war 2016 mit Argentinien Olympiasieger geworden. Nach einem langen Streit mit dem Verband wechselte er 2022 ebenfalls das Nationaltrikot – und führte Deutschland 2023 überraschend zum WM-Titel. Von der Heyde will dem Deutsch-Argentinier nun nacheifern.