Hallo Handball-Fans,

das Aus der Rhein-Neckar Löwen in der Champions League kam auch für mich überraschend. Allerdings imponierte mir die Art von Handball, die Zagreb zeigte. Sie haben mit ihren jungen Leuten wirklich einen schönen und guten Ball gespielt.

Auf den Meisterschaftskampf wird das Ausscheiden aber keinen negativen Einfluss haben. Die Löwen haben jetzt „nur“ noch die Meisterschaft und den Pokal - und sie wollen unbedingt einen Titel.

Uwe Gensheimer und Co. werden das extrem konzentriert angehen, das Restprogramm spricht definitiv für sie. Nervenflattern wird im Titelkampf keine Rolle spielen, weil der Kader mittlerweile zu erfahren ist. Sie sind in der Stufe ihrer Entwicklung nah am Limit, was Alter und Personal angeht. Ich bin mir sicher: Dieses Jahr ist das Jahr der Löwen.

Sie profitieren natürlich von dem Punktverlust des THW Kiel in Hannover. Den Kielern merkte man das kräftezehrende Spiel in der Champions League gegen Pick Szeged an.

Gegen Hannover wirkten deswegen einige Spieler kraftlos. Am Ende können sie sich bei Domagoj Duvnjak und Niklas Landin bedanken, dass sie überhaupt einen Punkt von den cleveren Hannoveranern mitgenommen haben, die sehr effektiv spielten.

Die Knieverletzung von Christian Dissinger ist der nächste personelle Tiefschlag für den Jungen und die Kieler. Dass er sich wieder bei der Nationalmannschaft verletzt und jetzt mehrere Monate ausfällt, ist bei seiner Geschichte richtig bitter.

Vor dem Finale der DKB HBL steht ja noch ein Testspiel der Europameister auf dem Handball-Kalender. Neben all den Diskussionen um den Hallen-Ärger rückte das Spiel gegen Dänemark in den Hintergrund.

Dabei ist es sehr mutig, ein Testspiel gegen so einen Kracher zu machen. Normalerweise sammelst du in solchen Spielen gegen weniger starke Mannschaften Selbstvertrauen. Die Dänen haben aber nominell den besten Kader der Welt zusammen mit Frankreich.

Das Besondere gegen Dänemark: Die Rivalität ist groß, das wird kein typisches Freundschaftsspiel. Jeder will fürs Prestige gewinnen. Auch das dänische Fernsehen überträgt das Spiel (ab 15.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Bei einem absoluten Gradmesser können wir noch einmal sehen, wie die deutsche Mannschaft in einer Drucksituation reagiert. Ich glaube, die Dänen haben noch ein paar Revanchegelüste für die EM-Niederlage im Kopf. Gerade für die Olympischen Spiele wird der Härtetest also wichtige Erkenntnisse liefern.

Ob in Rio dann Nikolai Link von HC Erlangen dabei sein wird, muss man abwarten. Ich kenne den halblinken Rückraumspieler nur von der Torschützenliste der 2. Bundesliga – da macht er regelmäßig sechs, sieben Tore im Spiel.

Das zeigt mal wieder, wie weit der Radius von Bundestrainer Dagur Sigurdsson reicht. Mit Link nominierte er wieder einen Spieler, den eigentlich niemand auf der Rechnung hatte. Ich bin auf den Jungen gespannt, denn grundlos lädt Sigurdsson keine Spieler ein.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert „Kretzsche“ wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.