Der THW Kiel hat das 89. Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt nach einer dramatischen Schlussphase gewonnen.
Die Zebras besiegten den Erzrivalen in eigener Halle mit 24:23 (11:14), obwohl sie zwischenzeitlich schon mit sechs Toren zurückgelegen hatten, und übernahmen mit dem zehnten Sieg im elften Spiel erstmals in dieser Saison die Tabellenführung.
Mit 25 Paraden avanciert Nationaltorwart Andreas Wolff zum Kieler Helden im Nordderby. In der Feierstunde bedankt er sich auch bei einem Torwartkollegen.
Überragender Akteur der Kieler war Europameister Andreas Wolff. Der THW-Keeper hielt in seinem ersten Nordderby im Schnitt jeden zweiten Flensburger Torwurf und legte damit den Grundstein für den ersten Kieler Derbysieg nach zuvor drei Niederlagen.
„Jetzt stehen wir da, wo wir hingehören. Wir haben eine starke mannschaftliche Geschlossenheit. Wenn wir so kämpfen wie heute, gibt es keinen Gegner, der uns schlagen kann“, sagte Derby-Held Wolff nach dem Spiel bei SPORT1.
Kiels Trainer Alfred Gislason ist zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft beim Krimi gegen Flensburg und hebt vor allem "Hexer" Andreas Wolff hervor.
In den dramatischen Schlusssekunden legte der Nationaltorhüter eine unfassbare Doppelparade hin und verhinderte damit fürs erste den möglichen Flensburger Ausgleich.
Doch die SG bekam nach Ablauf der regulären Spielzeit noch einen letzten Strafwurf zugesprochen. Linksaußen Anders Eggert trat an, obwohl er zuvor vom Siebenmeterstrich schon einmal an Wolff gescheitert war, und setzte den Ball nur an den Pfosten.
Damit war die erste Flensburger Saison-Niederlage nach zuvor neun Siegen in Folge besiegelt. „Dieses Spiel gehört in die Top Ten meiner besten Handballspiele“, sagte Wolff.
Anders Eggert ist die tragische Figur des Nord-Dramas zwischen Kiel und Flensburg: Dem Dänen versagen die Nerven. Im Interview ist er entsprechend niedergeschlagen.
THW-Trainer Alfred Gislason schwärmte bei SPORT1 ebenfalls von seinem „Hexer“ zwischen den Pfosten: „Wolff war nicht nur in der Schlussphase, sondern über die ganze Spielzeit überragend.“ Auch Eggerts Fehlversuch beim entscheidenden Siebenmeter habe der Nationaltorhüter durch sein gutes Stellungsspiel provoziert.
Bester Torschütze bei den Gastgebern war Domagoj Duvnjak mit sechs Treffern. Aufseiten der Flensburger trafen Eggert und Thomas Mogensen am häufigsten (je 5).
Die Chance zur Revanche für die SG kommt schnell: Eine Woche nach dem Liga-Duell treffen beide Klubs binnen vier Tagen noch zwei Mal in der Gruppenphase der Champions League aufeinander. Trotz der ersten Enttäuschung über die knappe Niederlage blieb Flensburg-Coach Ljubomir Vranjes deshalb vergleichsweise entspannt: „Das war nur ein Spiel. Es gibt noch viele weitere zu spielen“, erklärte der Schwede gegenüber SPORT1.
Das Spiel im Stenogramm:
THW Kiel – SG Flensburg-Handewitt 24:23 (11:14)
Tore: Duvnjak (6), Ekberg (5), Wiencek (5), Weinhold (3), Vujin (2), Nilsson (1), Dahmke (1), Bylik (1) für Kiel – Mogensen (5), Eggert (5), Jakobsson (3), Svan Hansen (3), Toft Hansen (3), Glandorf (2), Mahe (2) für Flensburg. – Zuschauer: 10285